Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl
Pop

Boykottiert Ö3 den Deutsch-Rap?

Gzuz beim Helene Beach Festival 2019
Gzuz beim Helene Beach Festival 2019(c) imago images / Jan Huebner (Jan Huebner/Lakomski via www.imago-images.de)
  • Drucken

Nicht alle Songs aus den Charts werden im "Hitradio" auch wirklich gespielt. Das betraf kürzlich sogar die Nummer Eins der "Ö3 Austria Top 40".

Schon seit drei Jahrzehnten hat der Radiosender Ö3 eine wöchentliche Chartshow im Programm, in der die meistverkauften Hits vorgestellt werden. Dass dabei die ganz oben platzierten Lieder nicht unbedingt gespielt werden, sorgte kürzlich für Aufregung. Plakativ wurde es am Beispiel des Songs "Donuts" von Gzuz: Obwohl Nummer Eins, wurde es  nicht in den "Ö3 Austria Top 40“ gespielt. Da fällt schnell das Wort Boykott.

Weshalb sich Ö3-Senderchef Georg Spatt genau zu dieser Frage ("Boykottiert Ö3 den Deutsch-Rap?") äußerte. Es sei "natürlich überraschend", wenn die Nummer Eins nicht gespielt werde. Und es sei auch "auffällig, dass ein am Kaufmarkt so stark gefragter Stil wie der Deutsch-Rap in der Ö3-Playlist fast nicht vorkommt". Das gefalle dem Sender selbst nicht. Allerdings: Das Feedback der Hörer sei "(noch?) sehr eindeutig". Überhaupt würden Songs dieses Genres "aktuell von keiner Radiostation (mit Ausnahme der auf diesen Stil speziell ausgerichteten Internetradios)" im deutschsprachigen Raum gespielt werden.

Verwechseln dürfe man vor allem nicht, dass die Charts nicht repräsentativ für die Playlist des Senders seien, denn - und das ist auch durchaus interessant - viele Radiohörer würden immer schon relativ wenigen Musikkäufern gegenüberstehen. Also: Die wenigen, die kaufen, entscheiden damit die Charts. Die vielen, die Ö3 hören, teilen aber nicht unbedingt deren Geschmack.

Das gilt natürlich auch für Genres wie den Schlager. Aber beim Deutsch-Rap kommt hinzu, dass die Texte breite Fläche für Kritik bieten. "Donuts" etwa klingt nicht nur pubertär, derb und aggressiv. Sondern dürfte etwa mit der Zeile "Ficke die Staatsgewalt" für einen öffentlich-rechtlichen Sender doch ziemlich untauglich sein.

"Im Wissen um die schwierige Grenzziehung bekennen wir uns dazu, besonders auffällige und kontroversielle Songs intern zu diskutieren und von Fall zu Fall zu entscheiden, sie wegen des Textes oder wegen der musikalischen Arrangements nicht zu spielen", lautet das Statement des Ö3-Senderchefs. Dass der Sender nach redaktionellen Kriterien entscheidet, wird wohl nicht überraschen. Die Diskussion dürfte mit dem tatsächlich plakativen Fall "Donut" allerdings nicht beendet sein. Das Blatt "Heute" fragt nach "10 Deutschrap-Songs", die "aus den Charts genommen wurden", darunter "110" von Capital Bra, das tatsächlich eher schmuseweich ist.

(rovi)