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5G-Ausbau

Magenta: „Die Netze sollten unter unserer Kontrolle sein“

Magenta-Chef Andreas Bierwirth.
Die Presse / Fabry
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Der Huawei-Bann mache Smartphones teurer und die Netze nicht unbedingt sicherer, sagt Magenta-Chef Andreas Bierwirth. Mehr Sorgen bereiten ihm Netze der Mitbewerber, die ganz im Besitz chinesischer Firmen seien.

Der Kauf des Kabelnetzbetreibers UPC macht sich für Magenta (vormals T-Mobile Austria) voll bezahlt. Der Umsatz legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um 21 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro zu, der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 36 Prozent auf 467,4 Millionen Euro. Damit hat sich der Österreich-Ableger der Deutschen Telekom unter die drei stärksten Töchter des Konzerns in Europa vorgearbeitet, sagte Magenta-Chef Andreas Bierwirth bei der Präsentation der Zahlen in Wien. Dieser Status bringe mehr Aufmerksamkeit, aber auch die Garantie, dass weiter stark in Österreich investiert werde. „Wir wollen ein Wachstumsunternehmen zu bleiben“.

„LTE–Kapazität ist erschöpft“

Gelingen soll das unter anderem am Fernsehmarkt, wo Magenta demnächst eine neue TV-Box vorstellen will – und natürlich im Zukunftsfeld 5G. Im Vorjahr hat Magenta 242 Millionen Euro in den Netzausbau investiert. 2020 soll es in einer ähnlichen Größenordnung weitergehen. Bierwirth rechnet damit, dass sich der neue Mobilfunkstandard noch im heurigen Jahr etablieren werde. Erst wenn das erste 5G-fähige iPhone und günstige 5G-Router verfügbar seien, könne sich die neue Technologie durchsetzen. Notwendig ist sie in seinen Augen jedenfalls: „Die LTE-Kapazität ist erschöpft“, sagt der Manager. Gerade in den Abendstunden werde es angesichts des steigenden Datenvolumens mitunter eng. Die sehr intensive Zusammenarbeit mit dem Netzwerkausrüster Huawei sieht Bierwirth nicht als sonderlich problematisch an. Die USA beschuldigen das chinesische Unternehmen, seine Geräte im Westen auch für Spionagezwecke einzusetzen.

Aktuell läuft bei der Deutschen Telekom eine Ausschreibung für den Bau des 5G-Netzes. Schon bisher kaufe das Unternehmen bei Huawei aber lediglich die Antennen zu. Die könne man bei Bedarf relativ problemlos tauschen, erklärte Bierwirth. „Wir sollten lieber darüber reden, ob nicht zumindest die Netze in Europa auch in europäischer Hand sein sollten“, sagte er mit Blick auf Mitbewerber Drei, dessen Netz in Österreich lange Zeit im Besitz des chinesischen Netzwerkausrüsters ZTE war. „Die Netze sollten unter unserer Kontrolle sein“. Ansonsten könne niemand gewährleisten, dass man im Ernstfall kritische Komponenten auch auswechseln könne.

Virus sorgt für Verzögerungen

Auf dem Smartphone-Markt mache sich der hohe Druck auf Huawei schon beim Endkunden bemerkbar. Seit Google seine Zusammenarbeit mit Huawei zusammengestutzt habe, hätten die Mitbewerber die Preise für Endgeräte erhöht. Sorgen bereite ihm auch der Ausbruch des Coronavirus in China. „Die Auswirkungen des Virus sind unterschätzt“. Die Frage sei: Wie lange können Apple und Co. noch liefern? „Wir merken schon erste Verzögerungen“.