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China und Indien helfen Afrika besser

China Indien helfen Afrika
Fabrik in Lesotho(c) AP (BEN CURTIS)
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Die "Süd-Süd"-Kooperation wird zum Vorbild. Die neuen Geber waren noch vor Kurzem selbst Hilfsempfänger und helfen nicht gönnerhaft, sondern nur dort, wo sie sich einen eigenen Vorteil versprechen.

Wien. Afrika hat sich für Entwicklungshilfe aus der Ersten Welt oft genug als Fass ohne Boden erwiesen: Korrupte Diktatoren, blutige Bürgerkriege und eine lähmende Lethargie ließen viele Milliarden ungenutzt versickern wie Regentropfen im Wüstensand.

Nun kommen Zweifel auf, ob nicht auch die Geber bei allem guten Willen fundamentale Fehler machen. Sie schenken Geld, ihre Mittel landen in zentralen Budgets, sie sollen für soziale Zwecke eingesetzt werden und werden an politische Vorgaben gebunden, wie rechtsstaatliche Strukturen und wirtschaftliche Reformen.

Zwar haben sich Prinzipien wie „Hilfe zur Selbsthilfe“ durchgesetzt, aber an der Bevormundung hat das wenig geändert. Und um die Millenniumsziele zur Reduzierung der Armut zu erreichen, wird immer mehr im Sozialbereich und immer weniger für Produktion und Infrastruktur vergeben.

 

Profit für beide Seiten

Die Chinesen aber gehen radikal neue Wege. Und mit ihnen die Inder, Brasilianer, arabische Golf- und asiatische Tigerstaaten. Die Rolle dieser „Süd-Süd-Kooperation“ wird nun in einem UN-Bericht untersucht. Die neuen Geber waren noch vor Kurzem selbst Hilfsempfänger und haben sich stolz von diesem Status emanzipiert. So begegnen sie den Afrikanern auf Augenhöhe. Sie helfen nicht gönnerhaft, sondern nur dort, wo sie sich einen eigenen Vorteil versprechen. So fließt das meiste Geld Chinas und Indiens in Staaten mit reichen Rohstoffvorkommen, vor allem Ölreserven: Nigeria, Angola, Kongo, Sudan.

Der „Süd-Süd“-Anteil an der Entwicklungshilfe steigt stetig. Wie stark, weiß niemand, weil viele neue Geber gar kein Interesse haben, Zahlen zu nennen und in die Statistiken der Entwicklungszusammenarbeit einfließen zu lassen. Hilfe, private und staatliche Investitionen werden kombiniert, die Grenzen verschwimmen. Statt über NGO und Agenturen laufen die Geldflüsse über staatliche Export-Import-Banken, die auch Unternehmen bei ihrer Expansion nach Afrika unterstützen. Die offizielle Hilfe besteht aus Krediten mit günstigen Konditionen. Investiert wird nicht in Sozialprojekte, sondern in Straßen, Strom und rohstoffnahe Unternehmen. Dafür wollen die neuen Partner keine „good governance“ – die ist ihnen, wie das allseits kritisierte Engagement der Chinesen im Sudan zeigt, herzlich egal – sondern Zugang zu Ressourcen und Abnehmer für ihre Waren.

 

Die Sorgen des Westens

Westliche Geber und NGO sehen diesem Treiben mit wachsender Sorge zu. Sie fürchten, dass das mühsam erzwungene Wohlverhalten der Regierungen bröckelt, dass Staaten in eine Schuldenfalle geraten, dass die Umwelt leidet. Aber die UNO stellt, gestützt auf reiches Studienmaterial, den Schwellenländern ein erstaunlich gutes Zeugnis aus.

Die Bindung an politische Ziele habe meist ohnehin nicht funktioniert. Die Kredite werden verantwortungsvoll vergeben, für eine Schuldenfalle gebe es keine Anzeichen. Und die Fokussierung auf Infrastruktur helfe vor allem den Afrikanern: Nichts transportieren zu können und keinen Strom zu haben, sei der größte Hemmschuh für die Wirtschaftsentwicklung.

Problematisch bleibt, dass viele Länder immer stärker vom Export von Rohstoffen und deren Preisschwankungen abhängen. Dabei verkümmert ihre verarbeitende Industrie, sie müssen mehr Waren importieren – vor allem aus Schwellenländern. Doch die Anzeichen mehren sich, dass die Zeit und der Welthandel dieses Problem von selber lösen werden.

Denn China zieht sich an der Wertschöpfungskette rasch weiter nach oben. Für die Herstellung technologisch simpler Produkte ist es bald nicht mehr der richtige Platz. Statt nach Abnehmern sucht es vermehrt nach billigen Produzenten. Afrika kann sich für diese Nachfrage positionieren. Vielleicht, suggeriert der UN-Bericht zwischen den Zeilen, schafft die junge Kooperation mit den südlichen Schwellenländern dafür bessere Voraussetzungen als Jahrzehnte der Entwicklungshilfe aus dem Norden.

Auf einen Blick

Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien kombinieren Entwicklungshilfe mit profitablen Investitionen. Primäres Ziel ist der Zugang zu Rohstoffen. Aber auch Afrika profitiert stark vom Ausbau der Infrastruktur. Die schädliche Abhängigkeit von Rohstoffexporten könnte sich von selbst regulieren: China wird künftig einfache Fertigwaren vermehrt importieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2010)