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Dokumentarfilm

Elfie Semotan: Porträt einer Bildersucherin

Karg. Jörg Burger begleitet Semotan auch bei der Location-suche in der Wüste.
Karg. Jörg Burger begleitet Semotan auch bei der Location-suche in der Wüste.(c) Polyfilm
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Ein verhaltenes Filmporträt der Fotografin Elfie Semotan kommt ins Kino. Folgen kann ihm nur, wer mit ihrem Werk vertraut ist.

Der erste Satz fällt spät, wird aber mit dem Brustton der Überzeugung gesprochen: „Ich bin begeistert“, sagt Elfie Semotan am Set eines Fotoshootings. Und die ihr gewidmete Dokumentation von Jörg Burger wird auch über weite Strecken wortkarg bleiben. Der Filmemacher setzt auf Stimmungsvolles – er inszeniert Semotan, die selbst fotografische Inszenierungen setzt. Die Schauplätze sind ein Fotostudio in Österreich, eine Wüstenlandschaft in Texas, das Atelier der New Yorker feministischen Malerin Joan Semmel, ein Café, in dem sich Semotan mit dem ehemaligen Supermodel Cordula Reyer trifft.

Beim Lunch. Semotan und Ex-Model Cordula Reyer lunchen und plaudern in New York.
Beim Lunch. Semotan und Ex-Model Cordula Reyer lunchen und plaudern in New York.(c) Polyfilm



Vieles müssen sich die Betrachtenden aber selbst zusammenreimen, denn „Elfie Semotan. Photographer“ hat nicht den Anspruch, die Person Semotan und ihre Arbeit durch erklärende Einschübe (oder auch nur Einblendungen) zugänglich zu machen. Wer nichts oder wenig weiß über das Leben der Österreicherin, die ihre Karriere als Model in London startete, später die klassische Modefotografie – ohnehin ein von Männern geprägtes Berufsfeld – revolutionierte und zur Wegbegleiterin von Helmut Lang wurde, wird nach 76 Minuten das Kino auch nicht als Semotan-Kenner verlassen. Wenig konsequent ist dabei, dass der Film nicht völlig auf erklärende Passagen verzichtet. Nach etwa einer Dreiviertelstunde wendet sich Semotan bei einem Waldspaziergang erstmals direkt an die Kamera und erzählt davon, wie sie loszog, der Modewelt ihren Stempel als Fotografin aufzudrücken: „Ich habe die Modefotografie revolutioniert“, sagt sie bei der Gelegenheit, oder auch: „Die interessantesten Serien kann man machen, wenn man nichts bezahlt bekommt oder nur ganz wenig.“

Lose Abfolge. Den Ansatz eines Handlungsbogens gibt es; dieser wird aber nicht konsequent verfolgt. Denn streckenweise zeigt Burger Elfie Semotan bei den Vorbereitungen ihrer Einzelausstellung bei C/O Berlin im Sommer 2019. Es wäre logisch gewesen, sie bis zur Vernissage zu begleiten und dort das Finale stattfinden zu lassen. Auf einen solchen Schlusspunkt und jedes lineare Narrativ verzichtet dieser Dokumentarfilm aber und bleibt so eine Sammlung von Impressionen aus dem Arbeitsalltag einer Fotografin, die wohl nur jene zu schätzen wissen, die genau einordnen können, was ihnen da gezeigt wird.

Tipp

„Elfie Semotan. Photographer“. Jörg Burgers Dokumentarfilm über die Modefotografin ist ab 6. März in heimischen Kinos zu sehen.

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 21.02.2020)