Mitreden

Soll das Kind auf die Privatschule?

In Österreich geht immer noch eine große Mehrheit der Schüler auf öffentliche Schulen, doch immer mehr Eltern kehren dem öffentlichen Bildungssystem den Rücken zu. Warum ist das so? Und was macht es mit unserer Gesellschaft? Diskutieren Sie mit!

Jeder zehnte österreichische Schüler geht auf die Privatschule - Tendenz steigend. In Wien sind es deutlich mehr. Und überall gibt es Wartelisten. Bildungsforscher Stefan Hopmann sagt im Gespräch mit Bernadette Bayrhammer, dass es noch viel Luft nach oben gibt. Wie schnell der Anteil der Privatschüler steigen wird, hänge von einer Frage ab: „Wie viele Fluchtgründe schafft das Primärsystem?“ Das heiße nicht, dass die privat Schulen unbedingt besser sein müssen, sie würden allerdings „andere soziale Netzwerke“ bieten. Diese lassen sich Eltern einiges kosten, – von monatlich 500 Euro für die Waldorfschule bis zu 4500 Euro für das Internat an der Eliteinstitution, wie Julia Neuhauser zusammenfasst.

Was bedeutet der Trend für Österreich? Jakob Zirm meinte in einem Kommentar, es solle „jedem unbenommen sein, seine Kinder in Privatschulen zu schicken." Auch Politikern. Doch würden diese gleichzeitig eine Gesamtschule fordern, müssten sie sich auch den Vorwurf gefallen lassen, Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Denn Parallelgesellschaft würden auch entstehen, „wenn sich ein Teil der Gesellschaft aktiv aus dem öffentlichen Schulsystem verabschiedet“.

Ex-ÖVP-Politiker und Schulexperte Andreas Salcher sieht indes die Lösung in der flächendeckenden Ganztagsschule. „Auch die besten und teuersten Privatschulen sind natürlich ganztägig“, sagte er in einem Interview.

Religion, Kultur und Migration entscheiden darüber, ob ein normaler Unterricht möglich ist.

Susanne Wiesinger

Zu den größten Kritikerinnen der Schulpolitik in Österreich zählt die Lehrerin und Ex-Ombudsfrau Susanne Wiesinger. Sie sagt: „In allen Bundesländern entscheiden Religion, Kultur und Migration darüber, ob ein normaler Unterricht möglich ist“. Sie fordert in einem neuen Buch eine bessere Durchmischung in den Klassen. Wie das in Wien - wo in manchen Bezirken 90 Prozent der Volksschüler Migrationshintergrund haben - möglich sein könnte, darüber hat sich die „Presse"-Bildungsredaktion den Kopf zerbrochen.

Theologin Regina Polak schreibt in einem Gastkommentar zum Thema: „Zum Gesamtbild der Schulen in Österreich gehören auch jene Schulen, in denen die Nichtmuslime unter sich bleiben und so nichts zur Integration beitragen können (wollen?).“ Und sie kritisiert auch Wiesinger: „Kommt die Rede auf Eigentumsverhältnisse und Verteilungsgerechtigkeit, sieht sie sogleich das Gespenst des Kommunismus auferstehen."

(sk)

Diskutieren Sie mit: Was sind die Vorteile von öffentlichen und privaten Schulen? Wie wirkt sich das auf unsere Gesellschaft aus, wenn immer mehr Schüler in Privatschulen gehen? Und: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Schulsystem gemacht?