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Modewoche Mailand

Modewoche Mailand: Starker Auftakt, bei Moncler kein Herz für Hunde

Gucci - Runway - Milan Fashion Week Fall/Winter 2020-2021
Gucci - Runway - Milan Fashion Week Fall/Winter 2020-2021(c) Getty Images (Vittorio Zunino Celotto)
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Die Settimana della moda begann sehr gut mit raffinierten Kollektionen von Arbesser, Gucci, Jil Sander. Mit einem Riesenspektakel tat sich am Ende aber Moncler alles andere als einen Gefallen.

Mailand, erster Tag der Settimana della moda, und der Schauenreigen beginnt gut - auch und besonders aus österreichischer Perspektive. Arthur Arbessers Defilee ist das erste wichtige Stelldichein der Szene. Vor kaum zwei Wochen ging mit der Premiere des "Rosenkavalier" an der Staatsoper in Berlin ein Großprojekt zu Ende, das ihn seit fast eineinhalb Jahren beschäftigt hat. Nun zeigt der Wahlmailänder seine Kollektion für den kommenden Winter in einer Industriehalle der lombardischen Hauptstadt. Diese industrielle Seite ist auch Mailand, aber Arbesser ließ sich von der raffinierteren Seite der Metropole inspirieren: Die Architektur der Stadt, die Mosaike in manchen Eingangshallen, das Stilgefühl der "signore (e signorine) milanesi". Arbessers typische Mustermixe sind zu sehen, außerdem ein Vorgeschmack auf eine Kooperation mit dem Label Valextra.

(c) HENRIK BLOMQVIST

Bei Gucci gefällt sich wenig später Alessandro Michele in einem Verwirrspiel zwischen Backstage und Onstage: Gäste betreten den Showspace durch den Bereich, wo Models geschminkt werden. Später sieht man, wie Anziehhilfen ihnen auf einer Drehbühne die Kleider anlegen. Am Ende wird das gesamte Team um Michele im Zentrum dieser Bühne sichtbar, als Intro zum Soundtrack hat zuvor Federico Fellini über die "Zirkustruppe" gesprochen, die es braucht, um einen Film zu realisieren. In einer gewohnt eklektizistischen, bunt zusammengewürfelten und dabei doch nicht ohne Zusammenhalt daherkommenden Kollektion sind hie und da auch Erinnerungsmomente an Fellini-Filme wie "Giulietta degli spiriti" zu sehen - das fahrende Modevolk ist begeistert.

Gucci - Runway - Milan Fashion Week Fall/Winter 2020/21
Gucci - Runway - Milan Fashion Week Fall/Winter 2020/21(c) Getty Images for Gucci (Pietro S. D´Aprano)

Die Jil-Sander-Designer Luke und Lucie Meier haben ihre Handschrift für Jil Sander gefunden: Das Fortführen des minimalistischen Erbes der Hamburger Designerin ist in Zeiten von flashiger Instagram-Logomode und Social-Media-Geschrei nicht einfach, die beiden - nur mehr bis Ende des Studienjahres Leiter der Angewandte-Modeklasse - zeigen sich aber konsequent und setzen auf geschmackvolle, erlesene Material- und Farbkombinationen. Einen wichtigen Akzent legten sie auf die Gestaltung neuer Accessoires, was für den kommerziellen Unterbau ihrer Arbeit sorgen könnte.

Mit einem Riesenspektakel in einem Rave-artigen Setting setzt sich Moncler, in Italien in wohl sehr zahlreichen Kleiderschränken gut vertreten, am Abend des ersten Showtages ein temporäres Modedenkmal. Das Fachpublikum und eine riesige lokale Fangemeinde konnten die neuen limitierten Kollektionen von Gastdesignern wie JW Anderson und Simone Rocha im Rahmen des Moncler-Genius-Projekts bestaunen. Einen absoluten Negativhöhepunkt stellte die Präsentation der Entwürfe des auf Hundemode spezialisierten Labels "Poldo Dog Couture“ dar. Hier wurden in einem engen Raum und in einer Umgebung mit lauter Musik Hunde in einem "witzigen Setting" als Models der gedrängten Gästeschar vorgeführt. Das ist ebenso entbehrlich wie unsensibel und stößt hoffentlich auch in sozialen Medien vielen Besuchern auf: Ein empörter Aufschrei oder gar "Shitstorm" wäre hier angebracht, um die Verantwortlichen künftig andere Präsentationsmöglichkeiten finden zu lassen.

(c) AGOSTINO OSIO