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Auch dank Youtube: Schüler können deutlich besser Englisch

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die 14-Jährigen schneiden bei den Bildungsstandards durchwegs gut ab. Schreiben ist noch ein Sorgenkind. Englisch soll in Volksschulen Pflicht werden.

Wien. „Good morning“, begrüßte Heinz Faßmann am Freitag. Und ein guter Morgen war es für den Bildungsminister in der Tat. Anders als viele andere Bildungstests sind die aktuellen Resultate in Englisch der 14-Jährigen nämlich kein Grund für Alarm. Im Gegenteil. Die Englischkompetenzen der heimischen Schüler haben sich in den vergangenen sechs Jahren nämlich deutlich verbessert.

Für die Bildungsstandards wurden vor rund einem Jahr die rund 74.000 Schüler der achten Schulstufe getestet. Sie schneiden in allen drei Bereichen – Lesen, Hören und Schreiben – deutlich besser ab als beim vorigen Test 2013. Der Anteil der sehr guten Schüler, die das Sprachniveau B1 erreichen, ist dabei nach oben geschnellt – beim Lesen etwa von 33 auf 42 Prozent.

Zugleich ist der Anteil der Risikoschüler – das sind die, die das Sprachniveau A2 nicht erreichen, das sie in dieser Schulstufe mindestens können sollten – überall zurück gegangen, in Lesen und Hören sogar um je zwei Drittel auf vier bzw. ein Prozent. „Die Vermittlung der grundlegenden Kompetenzen in Englisch funktioniert“, sagte Faßmann.

In Punkten ausgedrückt stiegen die Ergebnisse seit der ersten Bildungsstandardstestung im Jahr 2009 vom damaligen Ausgangswert von 500 Punkten im Lesen auf 553 Punkte, im Hören auf 587 Punkte und im Schreiben auf 533. „Die Vermittlung der grundlegenden Kompetenzen in Englisch funktioniert“, sagte Faßmann.

Youtube und Serien

Die Gründe dafür dürften sich teilweise in der Schule finden – und teilweise außerhalb: „Der richtige Boom kommt aus der digitalen Lebensrealität“, sagte Faßmann. Die englische Sprache hat im Alltag, in den Medien und in der Lebenswelt der Jugendlichen einen immer größeren Stellenwert gewonnen. Youtube und Serien werden von den Schülern auf Englisch geschaut, Spiele auf Englisch gespielt. „Die kritische Frage: 'Wozu brauche ich das?' wird gar nicht formuliert.“

Auch in der Schule ortet der Minister natürlich Faktoren, die zu dem Ergebnis beigetragen haben dürften: den modernisierten Englischunterricht – Stichwort Digitalisierung, mit E-Books, Videos und Lern-Apps –, die besser qualifizierten Lehrer, die selbst im Ausland waren und etwa Sprachreisen organisieren oder den frühen Englischunterricht an den Volksschulen.

Englisch als Pflichtgegenstand

Dieser Englischunterricht soll künftig keine verbindliche Übung mehr sein wie das bisher der Fall ist, sondern ab Herbst 2025 zunächst in der dritten und dann auch in der vierten Klasse Volksschule auch benotet werden. „Wir wollen Englisch zum Pflichtgegenstand machen“, sagte Faßmann.

Nicht alle drei getesteten Bereiche geben allerdings gleich viel Grund zur Freude: Beim Schreiben hinken die Schüler noch deutlich nach. Mehr als jeder Fünfte erreicht die Bildungsstandards hier nicht. „Aber es hat sich jetzt etwas in Bewegung gesetzt“, sagt der Bildungsforscher Michael Bruneforth vom Bifie. Vor sechs Jahren zählten beim Schreiben nämlich noch 37 Prozent zu den Schlechten.

Mittelschüler holen auf

Insgesamt haben sich die Mittelschüler stärker verbessert als die Gymnasiasten – die aber weiterhin deutlich vorne liegen (siehe Grafik). Generell haben sich die Leistungsunterschiede zwischen Schülergruppen verringert: Sowohl die Schüler aus wenig gebildeten Familien als auch jene mit Migrationshintergrund haben aufgeholt – obwohl auch die anderen bessere Leistungen erzielt haben.

Was man aus den Ergebnissen für andere Fächer ableiten kann? „Die eine Antwort ist unzweifelhaft: Wenn den Schülern klar wird, warum man etwas lernen muss, dann funktioniert das ausgezeichnet“, sagt der Minister. Allerdings sei die Motivationsfrage etwa für Mathematik sehr viel schwieriger zu beantworten als für Englisch.

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