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Porträt

Ein etwas anderes Brettspiel

Die Illustrationen für die Spiele werden per Hand angefertigt.
Die Illustrationen für die Spiele werden per Hand angefertigt.(c) Caio Kauffmann
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In Kärnten sorgt ein Ehepaar mit einem originellen Brettspiel für reißenden Absatz. Wohl auch, weil besagtes Spiel auf Kooperation mit Hotellerie und Gastronomie baut.

Villach. Klosterruine Arnoldstein: „Bete deinen linken Nachbarn an“. Adventurepark Gerlitzen: „Erzähle ein Abenteuer von dir“. Kärnten-Therme: „Massiere deinen rechten Nachbarn.“ Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Alles! Es handelt sich um eine neue Gattung von Brettspiel, das nicht nur durch den Verkauf, sondern auch durch Geldbeiträge von Betreibern touristischer Attraktionen finanziert wird. Beim neuesten Tourismusspiel „One day in Villach“ würfelt man sich quasi quer durch die Region Villach und ihre Sehenswürdigkeiten. „Da hat schon manch Einheimischer Neues zu seiner Heimat entdeckt“, meint Werner Dschulnigg. Er und seine Frau Alexa sind Inhaber und Betreiber der Firma Mandulis, die die Spiele entwickelt und herstellen lässt. Wie kommt man auf die Idee zu solchen Brettspielen? Der Weg dahin ist etwas verschlungen.

Der Villacher Werner Dschulnigg kommt aus der Baubranche, ist gelernter Bautechniker. Als Student hat er in der Gastronomie immer wieder als Barkeeper mitgemischt und dabei in einem Hotel in Saalbach die Hotelierstochter Alexa kennen- und lieben gelernt. Es wurde geheiratet. Eine Zeit lang führte man ein gut gehendes Gasthaus, gründete dann im Mai 2014 die Firma Mandulis und baute vorerst auf Möbeldesign. Werner Dschulnigg entwarf und zeichnete, seine Frau übernahm Marketing, das Texten und die Vertragsangelegenheiten. „Ich habe ja Wirtschafts- und Steuerrecht studiert.“ Mitten im Aufbau der Zwei-Mann-Firma kündigte sich Tochter Naema an. Sechs Monate nach Naemas Geburt war die gebürtige Salzburgerin wieder schwanger. Ungeplant und überraschend.

Zwei Kleinkinder also und ein junger Zweipersonen-Betrieb, Freizeit und Muße wurden da zum Fremdwort. Irgendwann designte und entwickelte Werner Dschulnigg einen Tisch mit Glasplatte, unter der sich zwei Rollen befanden, mit deren Hilfe sich beispielsweise eine Speisekarte weiterblättern ließ. Da könnte man doch auch so einen Tisch für ein Skigebiet mit einem lustigen Trinkspiel kreieren, war Dschulniggs Vision. Allein: Das Ganze wäre zu teuer gewesen, wohl kaum ein Hüttenwirt hätte so viel investiert. Die gezeichnete Idee lag zwei Jahre in der Schublade. Irgendwann grub man sie wieder aus. „Daraus wurde dann unser erstes Tourismusspiel, 'One day in Saalbach', es geht um einen Skitag in Saalbach.“ Das Spiel kam im Februar 2019 auf den Markt, kostet 24,90 Euro, bislang sind ca. 1000 Stück verkauft.

 

Zuerst Saalbach, dann Villach

Das zweite Tourismusspiel „One day in Villach“ ist, so das Ehepaar einhellig, noch spannender. Denn während in Saalbach vorwiegend Hotellerie und Gastronomie „mitspielen“, machen in Villach 40 Betreiber von Attraktionen mit. Das heißt, sie bezahlen einen einmaligen Betrag, vergleichbar mit einem Inserat, den Rest besorgen die Dschulniggs, Spiele-Entwicklung, Lager, Werbung, Vertrieb. „Wenn man einmal drei, vier Zugpferde an Bord hat, ist es nicht mehr schwierig, weitere Interessenten zu finden.“ Die Kunden müssen nur ein Foto bereitstellen, das als Vorbild für Künstlerin Bella Volen dient. Sie fertigt per Hand Aquarelle an, die die Spiele illustrieren.

Das Villacher Spiel ist viersprachig und wird unter anderem in der Tourismusinformation verkauft. Die Italiener, so heißt es, sind ziemlich wild darauf, angeblich nehmen sie das Spiel auch zum Fremdsprachenunterricht her. Auch bei Thalia oder bei Villacher Faschingssitzungen kann man „One day in Villach“ um 24,90 Euro erstehen, mit Spar ist man in Verhandlung. Seit Ende November 2019 ist Villach solchermaßen spielerisch auf dem Markt, 1500 Stück sind bereits weg, eine Zweitauflage wird produziert. Und zwar in Deutschland, in Chemnitz, von der Firma Piksieben. „Wir wären damit ja gern in Österreich geblieben, aber da gibt es keinen Spieleproduzenten.“

 

Skigebiet Hochkönig auch noch

Im Frühjahr soll dann ein weiteres Tourismusspiel mit dem Skigebiet Hochkönig erscheinen. „Ein Hotelkollege hat in der Auslage im Betrieb meiner Schwester unsere Spiele gesehen und war begeistert“, freut sich Alexa Dschulnigg. In Zukunft, so das Unternehmerpaar, wolle man weitere Städte für sein Produkt interessieren. „Salzburg wäre schon ein Traum, das könnte man zum Beispiel komplett im Jugendstil zeichnen.“ Aber es sei auch möglich, solche Spiele für Firmen zu machen, es sei freilich eine Frage des Geldes. Apropos: Über Umsatzzahlen mögen die Dschulniggs leider gar nicht reden. Nur so viel verraten sie: „Unsere ersten beiden Spiele haben schon Gewinn gebracht, das Ganze ist wirklich lukrativ, wir bleiben dabei.“ Man sei also auf einem guten Weg und guter Hoffnung, die Zweipersonen-Firma schon bald personell aufstocken zu können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2020)