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Italien

Zwei Italiener an neuartigem Coronavirus gestorben

Die WHO ist wegen der neuen Infektionsherde alarmiert. Das Zeitfender, die Pandemie einzugrenzen, schließe sich, ist Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Chef, überzeugt.imago images/Olaf Schuelke
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Die WHO ist wegen neuer Infektionsherde alarmiert. Indes warnt China, dass die Inkubationszeit bis zu 27 Tage andauern könnte. In Südkorea verbreitet sich das Virus sehr sprunghaft.

In Italien ist der erste Europäer am neuartigen Coronavirus gestorben. Bei dem Opfer handle es sich um einen 78-jährigen Italiener, sagte Gesundheitsminister Roberto Speranza am Freitag. Kurz darauf musste Italien den zweiten Todesfall melden. Es handelt sich um eine Italienierin, die mit einem infizierten 38-jährigen Mann in der Lombardei in Kontakt gekommen sein könnte, teilten die Gesundheitsbehörden am Samstag mit. Mehr Informationen zum Todesopfer gab es vorerst nicht. Neue Fälle in der Region Venetien und in der Lombardei wurden gemeldet. In der Lombardei seien 27 Personen am Coronavirus erkrankt, in Venetien sind es neun, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Zu den Infizierten zählen auch mehrere Ärzte und Krankenpfleger.

Inzwischen ist der chinesische Staatsbürger, der vor drei Wochen mit seiner Ehefrau als erster Coronavirus-Fall in Italien bestätigt worden war, aus der Intensivstation des auf Infektionskrankheiten spezialisierten römischen Krankenhauses "Lazzaro Spallanzani" in Rom entlassen worden, berichteten die Ärzte am Samstag. In Rom waren in den vergangenen Wochen drei Fälle gemeldet worden.

Neue Infektionsherde

Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Viruserkrankung ordneten die Behörden am Freitag in mindestens zehn norditalienischen Städten die sofortige Schließung von Schulen, Behörden und sonstigen öffentlichen Gebäuden an. Auch Lebensmittelgeschäfte, Bars, Diskotheken sowie Sportzentren sollten in den betroffenen Orten mindestens für eine Woche geschlossen bleiben, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Betroffen seien rund 50.000 Menschen.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte am Freitag, das "Zeitfenster" zur Eindämmung der Epidemie schließe sich. In etwa 25 weiteren Ländern wurden insgesamt rund 1.100 Infektionen nachgewiesen, 13 Infizierte starben. In China gibt es 397 neue Fälle, die Gesamtzahl beträgt damit laut nationaler Gesundheitsbehörde 76.288. In China starben bislang 2345 Menschen an der Lungenkrankheit. Besonders besorgniserregend ist die Lage in Südkorea. 87 neue Infektionsfälle wurden gemeldet. Damit steigt die Zahl auf 433.

Der Elektronikkonzern Samsung berichtet von einem bestätigten Infektionsfall in seinem Werk in Gumi in Südkorea. Die Niederlassung, in der Mobiltelefone hergestellt werden, sei geschlossen worden. Zu vielen der neuen Infektionsherde gebe es laut WHO keinen direkten Bezug zu China.

Auch von dem vor der japanischen Küste liegenden Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" könnte sich das Virus weiter ausbreiten. Nachdem am Mittwoch rund 500 Passagiere das Schiff nach zweiwöchiger Quarantäne verlassen durften, erwiesen sich mehrere der ursprünglich negativ getesteten Ex-Passagiere als infiziert. In Australien wurden nach Behördenangaben zwei frühere Passagiere nach ihrer Heimkehr positiv auf das Virus getestet. Auch bei Israels erstem Infektionsfall handelt es sich um eine frühere Passagierin der "Diamond Princess".

Im Iran starben bereits vier der 18 Infizierten an Covid-19. Auch der Libanon vermeldete am Freitag die erste Coronavirus-Patientin, sie hatte sich laut Gesundheitsministerium kürzlich in Kom aufgehalten. In Ägypten und in den Vereinigten Arabischen Staaten gibt es ebenfalls Infektionsfälle. 

Die Inkubationszeit könnte nach chinesischen Angaben länger sein als die bislang angenommenen zwei Wochen. Ein 70-jähriger Mann in der Provinz Hubei habe sich mit dem Coronavirus infiziert, aber 27 Tage lang keine Symptome gezeigt, teilt die Provinzregierung mit. Eine längere Dauer von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen der Krankheit könnte die Bemühungen erschweren, die Epidemie einzudämmen.

„Wir sind immer noch in einer Phase, wo Eindämmung möglich ist“ 

"Wir sind immer noch in einer Phase, wo die Eindämmung möglich ist", sagte Ghebreyesus. "Aber das Zeitfenster schließt sich immer mehr." Wenn die Welt jetzt nicht "hart" gegen das Virus vorgehe, werde sie vor einem "schwerwiegenden Problem" stehen.

Besonders besorgniserregend ist die Lage in Südkorea, wo die Zahl der Neuinfizierten am Samstag sprunghaft anstieg: Die Behörden des Landes meldeten 142 neue Erkrankungsfälle, die Gesamtzahl stieg damit auf 346 - die zweithöchste außerhalb Chinas. Ausgangspunkt ist die Shincheonji Church of Jesus. Die Verbreitung des Virus in der christlichen Sekte ging nach Behördenangaben von einer 61-jährigen Anhängerin aus, die Virustests zunächst verweigert hatte und weiter zu Gottesdiensten in der Stadt Daegu ging.

Auch von dem vor der japanischen Küste liegenden Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" könnte sich das Virus weiter ausbreiten. Nachdem am Mittwoch rund 500 Passagiere das Schiff nach zweiwöchiger Quarantäne verlassen durften, erwiesen sich mehrere der ursprünglich negativ getesteten Ex-Passagiere als infiziert. Sechs deutsche Passagiere wurden am Freitag an Bord einer italienischen Maschine aus Japan ausgeflogen, wie das Auswärtige Amt im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte.

Aus China, dem Epizentrum des Virusausbruchs, meldeten die Behörden am Samstag hingegen erneut sinkende Ansteckungszahlen und Todesfälle: 109 Menschen starben demnach seit Freitag an dem Virus, was die Zahl der Todesopfer auf über 2300 steigen lässt. Insgesamt sollen den Behörden zufolge nun rund 76.000 Menschen mit dem Virus infiziert sein.

Chinas Staatschef Xi Jinping sagte bei einer Politbüro-Sitzung, der Höhepunkt der Epidemie sei "noch nicht gekommen", vor allem die Lage in der Provinz Hubei sei weiterhin "düster und kompliziert". In Hubei war im Dezember der Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19 erstmals bei Menschen festgestellt worden.

In etwa 25 weiteren Ländern wurden insgesamt rund 1100 Infektionen nachgewiesen. 14 Infizierte starben bisher.

(APA/DPA/Red.)