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„Brigitte“ (Archivbild)
„Brigitte“ (Archivbild)(c) Clemens Fabry
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Vergangenes Jahr feierte die „Brigitte“ ihr 65-Jahr-Jubiläum. Zum Geburtstag schenkte die Redaktion sich und den Lesenden die Initiative, gendergerechte Formulierungen künftig konsequent in der Printausgabe anzuwenden.

Sowohl Sabine Krome, Geschäftsführerin des Rats für deutsche Rechtschreibung, als auch Kathrin Kunkel-Razum, die die „Duden“-Redaktion leitet, betonen gegenüber der „Presse am Sonntag“ die Bedeutung journalistischer Texte als Belege für die Veränderlichkeit von Sprache – auch in Angelegenheiten des geschlechtergerechten und -inklusiven Gebrauches.

Wenn eine Zeitschrift wie die „Brigitte“ mit über 430.000 Stück Druckauflage und einer Reichweite von 2,45 Millionen Menschen also beginnt, den Genderstern und inklusive Formulierungen zu gebrauchen, ist das eine spannende Entwicklung. Die Entscheidung, den Binnen-Asterisk anstelle etwa des Binnen-Is einzusetzen, sei schon im Frühling 2019 gefallen, sagt Claudia Münster, stellvertretende Chefredakteurin des Magazins. Die Ausgabe zum 65-Jahr-Jubiläum im Juni vergangenen Jahres erschien der Redaktion jedoch als geeigneter Anlass für den Start. „Wir haben es uns einfach gemacht und nicht extra darauf hingewiesen“, sagt Münster. „Die Jubiläumsausgabe war ein besonders aufmerksamkeitsstarkes Heft, und dort haben wir die neue Praxis sozusagen schleichend eingeführt.“ Die Leserinnenreaktionen seien nicht ausgeblieben, von Anfang an gemischt gewesen und hielten bis heute an. „Gendern ist wichtig als Symbol, Botschaft und Beweis für den Gebrauch einer fairen Sprache, die alle Geschlechter gleich einbezieht“, unterstreicht die Journalistin, die zugleich hervorhebt, dass man ständig nach Möglichkeiten suche, nicht nur mithilfe des Gendersterns möglichst offene Formulierungen zu finden. Jenen, die der „Brigitte“ ein zur Veröffentlichung vorgesehenes Interview geben, zwinge man den Genderstern nicht auf, sagt Claudia Münster. „Wir fragen jeden und jede, wie sie das handhaben wollen, und respektieren diesen Wunsch.“

Mehr als nur mitgemeint. Im Redaktionsteam habe es sofort großen Zuspruch für die Entscheidung gegeben, in der „Brigitte“ den Genderstern einzusetzen und gendergerecht zu formulieren. Es habe aber auch Stimmen gegeben, die argwöhnten, dass das Verfassen von Texten nun langwieriger werden könnte. „Es stimmt schon; man muss sich daran gewöhnen, dass es ein paar Minuten länger dauert, einen Text fertig zu machen – aber es sind wirklich nur ein paar Minuten“, sagt Münster.

Komme hin und wieder in der Zeitschrift das generische Femininum anstatt des verbreiteten männlichen Pendants zum Einsatz, so erklärt die stellvertretende Chefredakteurin dies selbstbewusst mit Verweis auf die Geschichte des Blattes: „In einem Heft, das so lang auf dem Markt ist wie die ,Brigitte‘, finde ich es schon okay, hin und wieder das generische Femininum zu verwenden – schon im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit.“

Was den Sprachgebrauch im Allgemeinen und das leidige „Mitgemeintsein“ aller anderen Geschlechter betrifft, hat Claudia Münster übrigens das gut nachvollziehbare Paradebeispiel eines Gradmessers für den Fortschritt sprachlicher Sensibilisierung parat: „Wenn erst einmal die ,Ärzte und Apotheker‘, die man in Arzneimittelwerbungen zu Risiken und Nebenwirkungen befragen soll, geschlechtergerecht formuliert sind, weiß ich, dass Gendern in der Sprache überall angekommen ist.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2020)