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Testbericht

Galaxy Fold: Der fast perfekte Anfangsknick

Für das erste marktreife Gerät ein gelungener, wenn auch holpriger Start.
Für das erste marktreife Gerät ein gelungener, wenn auch holpriger Start.REUTERS
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Samsung hat bei seinem ersten faltbaren Smartphone, dem Galaxy Fold, einen zweiten Anlauf gebraucht. Hat sich der Neustart bei dem 2100-Euro-Handy gelohnt?

Es ist das erste massentaugliche Falthandy und könnte eines Tages als Vorreiter in die Smartphonegeschichte eingehen. Dabei lief bis zum tatsächlichen Verkaufsstart des Galaxy Fold vieles schief. Die ersten Tester kämpften mit kaputten Displays, einem falschen Verständnis für die Schutzfolien. Samsung zog die Reißleine und ließ die Entwickler nochmal ran. Nun ist es tatsächlich verfügbar und ein weiteres Modell, das Z Flip, steht bereits in den Startlöchern.

Doch in diesem Test widmen wir uns dem Erstlingswerk. Schon beim Auspacken wird klar, dieser Smartphonetest wird sich von den bisherigen unterscheiden. Das Galaxy Fold kommt mit zahlreichen Warnhinweisen, das die Empfindlichkeit statt der Innovation einmal mehr in den Vordergrund stellt. Schlüssel, Fingernägel, Bankkarten, Münzen und Staub oder Wasser. All das mag das Galaxy Fold angeblich gar nicht.

Mimose im Alltag? Nun ist ein Smartphone, so konzeptionell oder neu und innovativ es auch ist, kein Ausstellungsstück. Auch wenn Samsung das Gerät auf der IFA in Berlin nur von Angestellten mit Samthandschuhen angreifen ließ. Diese Behandlung wurde dem Galaxy Fold im Test nicht zuteil. Das Smartphone hält aber deutlich mehr aus, als Samsung ihm anscheinend zutrauen möchte. Das Display ist im zusammengeklappten Zustand rundum geschützt. Selbst das Gehäuse kommt mit seinen „Bewohnern“ in der Handtasche sehr gut zurecht. Für ein 2100-Euro-Handy muss es aber mehr können als nur überleben.

Das Galaxy Fold ist schnell eingerichtet und schon in diesem frühen Stadium macht sich das XXL-Display bei der Testerin beliebt. Selbst auf dem „kleinen“ Bildschirm (4,6 Zoll) auf der Frontseite, lässt sich vieles erledigen. Auch wenn dieser im Vergleich zum Hauptbildschirm winzig wirkt, lässt sich darauf vieles sehr schnell und unkompliziert bewerkstelligen, ohne Wunsch nach einem Stift. Anrufe, E-Mails abrufen und WhatsApp-Nachrichten lesen, ist schnell erledigt. Will man antworten, klappt man das Gerät einfach auf. Die am Startbildschirm geöffnete App erscheint nahtlos im Vollformat auf dem großen Display.

Das 7,3 Zoll große Display (18,5 Zentimeter Bildschirmdiagonale) ist beim Lesen sehr angenehm. Die Tastatur wurde praktischerweise geteilt. Das Bedienkonzept wirkt durchdacht wie auch die Software. Mit zwölf Gigabyte Arbeitsspeicher und dem Prozessor von Qualcomm hakt nichts. Auch die Möglichkeit drei Apps parallel offen zu haben, erweist sich im Test als praktisch, aber nicht zwingend notwendig. Speziell bei eBooks überzeugt das 4,2:3 Format. Im Test ergab sich der Eindruck, dass der eigene E-Reader dadurch abgelöst werden könnte. Das Fold ist trotz der 275 Gramm sehr gut austariert. Mit einer Auflösung von 2152 x 1536 Pixel sind Pixeldichte (362ppi) und auch die Lichtausbeute top. Vor allem in dunkler Umgebung und in Innenräumen überzeugt es. Der 4380 mAh Akku hält zwei Tage durch.

Mehr als nur ein Konzept. Der Knick in der vertikalen Mitte des Geräts lässt sich nicht verstecken und ist meistens erfühlbar. Dem Gefühl der Hochwertigkeit tut das keinen Abbruch. Auch der Klappmechanismus läuft nicht zu schwer und nicht zu leicht. Das Scharnier bewegt sich geräuschlos.

Gewiss ist, dass die Falthandys das Smartphone ablösen werden. Dafür müssen diese Geräte widerstandsfähiger, und günstiger werden. Samsung hat mit dem Fold aber schlussendlich sehr gut vorgelegt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2020)