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Aufregung um "Anti-Greta" Naomi Seibt

(c) imago images (Müller-Stauffenberg)
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Sie gilt als „Anti-Greta“, bestreitet öffentlich den menschengemachten Klimawandel und soll vom ominösen US-Thinktank „Heartland Institute“ finanziert werden: die deutsche Youtuberin Naomi Seibt.

Weltweit gehen junge Menschen auf die Straße, vernetzen und organisieren sich und setzen sich für Maßnahmen gegen den Klimawandel ein. Als Hauptakteurin in der „Fridays for Future"-Bewegung hat sich die schwedische Aktivistin Greta Thunberg herauskristallisiert.

In die andere Richtung denkt und bewegt sich Naomi Seibt, 19-jährige Youtuberin aus Deutschland. „Hallo Andersdenkende“, leitet sie viele ihrer Videos ein, bevor sie ihre „unpopulären politischen Meinungen“ präsentiert. „Wir wurden lange genug von den Medien eingeschüchtert“, lässt sie wissen, „es liegt an uns, das Schweigen zu brechen“. In diesem Sinne spricht sie von Greta als indoktrinierte Marionette und vom Klimawandel als Thema der Politik, das die Wissenschaft im Sinne der Profiteure missbraucht. Das Klima selbst brauche keinen Schutz, dies grenze an eine emotionalisierende Personifikation des Klimas.

Seibt stellt den menschengemachten Klimawandel infrage und prangert die „Klimahysterie“ an. Vor diesem Hintergrund wird sie von vielen Medien als „Anti-Greta“ bezeichnet.

Verbreitung rechtskonservativer Ansichten

Doch nicht nur gegen die Klimawissenschaft wettert die junge Deutsche, sondern auch gegen die deutsche Migrationspolitik, die Seenotrettung oder Abtreibungsrechte. Sie warnt vor der „sozialistischen Diktatur“ und bekennt Sympathie zur AfD. Sich selbst bezeichnet sie als „libertär“ und betont immer wieder die Freiheit, ihre Meinung und Ansichten kundtun zu dürfen.

Wie Recherchen von ZDF und „Correctiv“ zeigen, arbeitet Naomi Seibt neuerdings für das Heartland Institute, einen Thinktank aus den USA, das unter anderem von der Tabak- und Erdölindustrie finanziert wird. Und auch den US-Präsidenten Donald Trump in seiner Klimapolitik unterstützt. Einflussreiche Lobbyfirmen wie „Heartland Institute“ wollen durch Personen wie Naomi Seibt nun auch in Europa „pseudo-wissenschaftliche Expertise“, Skepsis an der Klimawissenschaft und Desinformationen streuen, so die Journalisten, und ihr Netzwerk an Klimawandelleugnern ausbauen und die Politik auch hierzulande beeinflussen.

Die Youtuberin hat auf die Enthüllungen reagiert. „How dare you“, adressiert sie ein Video an die Medien und nimmt mit diesem Satz Bezug auf Greta Thunberg. Dass sie nun für das „Heartland Institute“ arbeite, klinge nun wahrscheinlich sehr ominös, so, als stecke was ganz Konspiratives dahinter, sagt sie. Und wahrscheinlich werde sie nun aufgebaut wie eine Anti-Greta der rechten konservativen Seite, um finanzielle Bedürfnisse großer amerikanischer Konzerne zu befriedigen. Diese Annahme hätte Journalisten von ZDF und „Correctiv" zu ihrer Undercover-Recherche bewegt. Seibt spricht von „Vertrauensbruch" und „Verunglimpfung“, von Spitzeln, die sich ausgaben als ihre Freunde. Sie hätte zwar nichts zu verstecken, sagt Naomi Seibt, aber terrorisieren lasse sie sich nicht. Und schon recht nicht unterkriegen und entmutigen: „Ganz ehrlich, jetzt erst recht."

 

>> Zum Artikel von „Correctiv"

>> Zum Beitrag von ZDF

(bsch)