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Landeshymne

"Hoamatland": IG Autoren will Neuausschreibung der Hymne Ober­öster­reichs

Ausflug von Gmunden nach Bad Ischl Dieses Bild zeigt eine Gedenkst�tte an den ober�stereichischen H
Stelzhamer-Gedenktafel im Salzkammergut (Archivbild)(c) imago/Rudolf Gigler (Rudi Gigler)
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Das Werk des Landeshymnen-Autors, Franz Stelzhamer, enthalte „antisemitische Stereotype“. Das Land Oberösterreich stelle den Dichter noch immer als untadelige Persönlichkeit dar. Stelzer und Haimbuchner verteidigen das Lied: Stelzhamer müsse man im Kontext der damaligen Zeit verstehen.

Die Generalversammlung der IG Autorinnen Autoren fordert eine Neuausschreibung der oberösterreichischen Landeshymne. Es brauche eine "zeitgemäße Hymne", so die IG am Montag. Der aktuelle Text des "Hoamatland" stammt vom Dichter Franz Stelzhamer, dessen Werk "antisemitische Stereotype" enthalte.

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"Angesichts des alarmierenden Erstarkens von Rechtsextremismus und Antisemitismus ist es unhaltbar, wenn selbst die offizielle Website des Landes Oberösterreich Franz Stelzhamer als untadelige Persönlichkeit darstellt, (...) aber über seinen Judenhass, der in einem nur dürftig verbrämten Genozidverlangen gipfelt, findet sich bis heute kein Wort", hieß es in einer Presseaussendung.

„Hemmungslos antisemitische Tiraden“

Während die Stadt Wien 2019 in der Stelzhamergasse an prominenter Stelle eine große Zusatztafel angebracht habe, hätten Oberösterreich und Salzburg bisher keine derartigen Schritte gesetzt. Man rufe daher "alle Zuständigen in ganz Oberösterreich und Salzburg auf, sich zum Problemfall Franz Stelzhamer zu bekennen und es wie die Stadt Wien zu halten", so die IG Autorinnen Autoren.

Der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und sein Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ) verteidigten die Landeshymne daraufhin. Tenor: Der "Hoamatgsang", so der offizielle Titel, sei unbedenklich, mit problematischeren Texten Stelzhamers müsse man sich auseinandersetzen, sie aber im Kontext der damaligen Zeit sehen.

"Oberösterreich setzt sich intensiv mit der Vergangenheit auseinander", betonte Stelzer in einer Stellungnahme. So sei Stelzhamers Werk bereits 2010 in einem Symposium des Adalbert-Stifter-Institutes des Landes thematisiert worden und 2014 dazu die Publikation "Der Fall Franz Stelzhamer. Antisemitismus im 19. Jahrhundert" erschienen. Stelzhamers Text "Jude" etwa "kann man weder schönreden, noch gutheißen", so Stelzer, man müsse den Dichter aber im Kontext des 19. Jahrhunderts betrachten. In der Landeshymne hingegen "findet sich kein verwerfliches Wort".

Haimbuchner argumentierte ähnlich: Viele Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts "vertraten ein damals offenbar salonfähiges Weltbild, das in keiner Weise dem entspricht, wofür die moderne europäische Zivilisation heute steht". Eine aufgeklärte Gesellschaft müsse aber auch "unverdächtige Werke wie den 'Hoamatgsang', die unserer Heimat kulturelle Identität gegeben haben", wertschätzen. Ein "unreflektierter Bildersturm" sei keine konstruktive Art der kritischen Auseinandersetzung.

Stelzhamer veröffentlichte in seinem selbstverlegten „Bunten Buch“ „hemmungslos antisemitische Tiraden“, wie sie der Historiker Oliver Rathkolb 2013 in einer Analyse Wiener Straßennamen beschrieb. Rathkolb verwies auf eine Detailanalyse durch den Salzburger Professor für Jüdische Kulturgeschichte Armin Eidherr, der zu Stelzhamers Äußerungen schrieb: „Wie aus einer pathologischen Reflexhandlung, setzt er sich, eine wahre 'Summa', aus vorgefertigten antisemitischen Stereotypen verschiedenster Provenienz zusammen.“


>> zum Rathkolb-Bericht von 2013 mit Passagen aus Stelzhamers „Buntem Buch“

(APA/Red.)