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Sonnenuntergang im Taj Mahal: Trump besucht Modi in Indien

REUTERS
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Indiens Premier Modi richtet Großveranstaltung in Kricket-Stadion für Gast aus: Die politischen und Handelsbeziehungen beider Länder sind angespannt,  Milliarden-Helikoptergeschäft geplant

"America first" trifft auf "Make in India": Vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen hat US-Präsident Donald Trump am Montag seinen ersten Staatsbesuch in Indien begonnen. Regierungschef Narendra Modi empfing den US-Präsidenten und dessen Ehefrau Melania im weltgrößten Kricket-Stadion in der Stadt Ahmedabat. Zum Sonnenuntergang wollte das Präsidentenpaar das weltberühmte Taj Mahal besuchen.

Nach den medienwirksamen Auftritten am Montag sollen am Dienstag bilaterale Gespräche in Neu-Delhi stattfinden. Konkrete Ergebnisse werden von dem Staatsbesuch nur wenige erwartet. Die Handelsbeziehungen zwischen den beiden größten Demokratien der Welt sind seit langem problematisch und haben sich unter Trump und Modi weiter verschlechtert. Trumps Parole "Amerika zuerst" steht Modis Mantra "Make in India" (Produziert in Indien) gegenüber.

Harley Davidson, Milchprodukte und Rüstung

Beim Auftritt mit Modi im Kricket-Stadion war Trump voll des Lobes für Indien, das er als "Wunder der Demokratie" bezeichnete. In nur rund 70 Jahren seit seiner Unabhängigkeit von Großbritannien sei Indien "ein wirtschaftliches Schwergewicht und die größte Demokratie, die es je gab" geworden. Zugleich warb er für den Abschluss eines Handelsabkommens. Die Gespräche seien zwar noch im frühen Stadium, könnten aber zu einem "fantastischen Handelsabkommen" führen, da Indien "unglaubliches Potenzial" habe.

Washington stößt sich an der traditionell protektionistischen Handelspolitik Indiens. Trump bezeichnete das Land als "König der Zölle". Vor dem Staatsbesuch sagte er, das asiatische Land habe "uns viele, viele Jahr sehr, sehr hart getroffen".

Medienberichten zufolge könnten Trump und Modi kleinere Abkommen unterzeichnen, in dem es um die Einfuhr von Harley-Davidson-Motorrädern und US-Milchprodukten sowie Rüstungsverträge geht. Doch auch wenn ein 2,4 Milliarden-Dollar-Deal (2,22 Mrd. Euro) für US-Hubschrauber unterzeichnet werden könnte, bleibt Russland der größte Rüstungspartner Indiens. Auch um die Lieferung von sechs Atomreaktoren könnte es gehen, Ergebnis eines Nuklearvertrags aus dem Jahr 2008.

Angst vor übermächtigem China

In politischer Hinsicht blicken beide Staaten mit Sorge auf das Machtstreben Chinas, in der Verteidigungspolitik arbeiten sie enger zusammen. Trump sagte, es gehe darum, die Freiheit im Indo-Pazifik "für unsere Kinder und viele Generationen danach" zu sichern. Die USA freuten sich darauf, Indien die weltweit "besten und am meisten gefürchteten Waffen" zur Verfügung zu stellen.

Allerdings reagierte Indien empört auf Trumps Vermittlungsangebot im Kaschmirkonflikt mit Pakistan und auf Kritik aus Washington an dem umstrittenen indischen Staatsbürgerschaftsgesetz. Kritiker werfen Modis hinduistisch-nationalistischer Partei BJP vor, damit die 200 Millionen Muslime im Land zu diskriminieren. Die landesweiten Proteste gegen das Gesetz dauern an.

Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters will Trump bei seinen Gesprächen mit Modi seine Besorgnis über die Achtung der Religionsfreiheit in dem mehrheitlich hinduistischen Land zum Ausdruck bringen. Diese sei "äußerst wichtig für seine Regierung".

Trump hat viele Fans in Indien

Auf dem Flug nach Indien twitterte Trump aus der Präsidentenmaschine Air Force One in Hindi, er freue sich sehr auf Indien. Bei seiner Ankunft in dem Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern wurde er am Straßenrand von mehreren tausend Menschen begrüßt - deutlich weniger als die von Trump bei einem Wahlkampfauftritt in den USA in Aussicht gestellten "sechs bis zehn Millionen Menschen".

Modi revanchierte sich mit dem Empfang im Kricket-Stadion bei seinem Gast aus den USA. Trump hatte sich im September zusammen mit Modi bei einer Veranstaltung in einem Fußballstadion im US-Bundesstaat Texas gezeigt.

Der Auftritt wurde als Freundschaftsgeste gewertet, aber auch als Wahlkampfaktion an die Adresse der rund vier Millionen indischstämmigen Menschen in den USA, die traditionell mehrheitlich die oppositionellen Demokraten wählen.

Indien ist einer der wenigen Staaten weltweit, wo Trump Zustimmungswerte von über 50 Prozent erreicht. Das Land hat seine Beziehungen zu den USA intensiviert, nachdem die Spannungen zwischen Washington und dem indischen Erzrivalen Pakistan in den vergangenen Jahren immer gespannter geworden waren. Im Kalten Krieg hatte Indien seine Unabhängigkeit von beiden Supermächten hervorgestrichen und galt als führende Kraft der Blockfreien-Bewegung.

 

(APA)