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Morgenglosse

Großbritannien erlebt nach dem Brexit ein blaues Wunder

BRITAIN-EU-BREXIT-PASSPORT
APA/AFP/UK HOME OFFICE/STRINGER
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Ab März kommen die alten britischen Reisepässe zurück. Und obwohl sie keinen Hinweis auf die EU aufweisen, erfüllen sie dennoch den Traum jedes Pro-Europäers.

Der Brexit stellt sich für die Briten immer mehr als ein blaues Wunder heraus. Nach der Ankündigung der Rückkehr zu Grenzkontrollen im Güterverkehr mit Europa und der grundlegenden Neuordnung der Einwanderungspolitik bekommen sie nun bereits das nächste Versprechen erfüllt: Ab März werden britische Reisepässe wieder im traditionellen Navy Blue, wie bis 1988 verbreitet, ausgegeben und weisen keinerlei Hinweis mehr auf die Europäische Union auf. Der britische Löwe brüllt also wieder uneingeschränkt.

Das ist nur konsequent: Immerhin besteht die Regierung ausdrücklich auf ihrem Recht, künftig von EU-Normen und –Standards abzuweichen. Fort mit fadem EU-Burgunderrot, her mit imperialem Blau, das Verfechter des neuen Passes gleich an jene Zeiten erinnert, als noch galt: „Britannia rules the waves.“ Als den Briten zu Weihnachten 2017 erstmals eine Rückkehr zu den alten Pässen versprochen wurde, sprachen sich 52 Prozent der EU-Gegner für das blaue Reisedokument aus.

Brexit-Wortführer Nigel Farage sprach zwar von einem „Happy Brexmas“, in Wahrheit war die patriotische Aufwallung aber ziemlich schlapp. Dabei könnte man noch so viele andere Dinge aus der guten alten Zeit zurückbringen: Die Ein-Pfund-Note etwa oder Gratisschulmilch oder Dosenbier in Pintmaß oder etwa die Todesstrafe.

Made in Poland

Andere stört nicht nur, dass der neue Pass richtig teuer ist: Der Austausch EU-roten Pässe wird satte 500 Millionen Pfund kosten. Noch schlimmer für wahre Gläubige aber ist, dass der neue Pass den Traum jedes Pro-Europäers erfüllt: Gehalten in strengem blau mit goldenen Lettern entspricht er strikt den EU-Farben. Hergestellt wird der neue Pass von einem französisch-niederländischen Unternehmen. Und gedruckt wird es in Polen, ehe das Dokument nach Großbritannien verschifft wird, wo dann „sensible Daten“ eingefügt werden, wie das Innenministerium beruhigte.

Premierminister Boris Johnson ließ sich jedenfalls schon mit einem Muster das neuen alten Passes ablichten, und Innenministerin Priti Patel erklärte, sie können „nicht warten“, bis auch sie einen blauen Reisepass in der Hand halten werde. Apropos warten: Wenn die Briten in Kürze keine EU-Grenzkontrollen mehr benützen dürfen und entsprechend länger auf die Einreise warten müssen, werden sie umso mehr Zeit haben, ihre neuen Pässe zu bewundern.

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