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Quergeschrieben

Der Massenmord von Hanau wird bedenkenlos instrumentalisiert

Ein Mörder kann zugleich verrückt und rechtsextrem sein. Aber es geht nicht an, eine Wahnsinnstat als Vorwand zu nehmen, um politische Kritik abzuwürgen.

Zum Autor

Karl-Peter Schwarz war langjähriger Auslandskorrespondent der „Presse“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in Mittel- und Südosteuropa. Jetzt ist er freier Journalist und Autor (kairos.blog).

In den 1970er- und 1980er-Jahren führte die Rote Armee Fraktion (RAF) einen mörderischen Privatkrieg gegen Deutschland. Stellen wir uns vor, damals hätte ein Journalist geschrieben: „Die Wegbereiter der Gewalt haben Namen und Adresse: Hans Magnus Enzensberger, Heinrich Böll, Rudolf Augstein, und andere, die die Verrohung des Diskurses vorangetrieben haben. Zuerst kommen die Worte, dann die Taten.“ Sozialdemokraten und Linksliberale hätten vehement protestiert. Damals unterschied man noch zwischen den Terroristen und ihren Sympathisanten auf der einen Seite und dem breiten Spektrum widerständiger Bewegungen auf der anderen. Die RAF konnte besiegt werden, weil es gelang, sie in der Linken zu isolieren.