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Coronavirus

Börsen schalten in den Krisenmodus

Ist die Börsenparty vorbei oder handelt es sich nur um eine kurzzeitige Korrektur?
Ist die Börsenparty vorbei oder handelt es sich nur um eine kurzzeitige Korrektur?(c) APA/AFP/JOHANNES EISELE
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Die Furcht vor dem Coronavirus beendet die wochenlange Kursrallye. Die Wiener Börse sackt auf ein Vier-Monats-Tief. Dabei könnte das Schlimmste schon ausgestanden sein.

Wien. Ist das der Anfang vom Ende der Börsenparty? Nach exorbitanten Kursgewinnen der vergangenen Wochen sacken die Aktienmärkte in die Verlustzone.

Der heimische Leitindex ATX tendierte am Dienstagnachmittag auf einem Vier-Monats-Tief. In Frankfurt sackte der DAX unter die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten. Die Börse in Tokio rutschte mehr als drei Prozent ins Rot und holt damit die Verluste nach, weil der japanische Aktienmarkt am Montag geschlossen geblieben war.

 

Milliardenverluste in Stunden

Denn seit am Wochenende das Coronavirus verstärkt in Italien auftritt und inzwischen auch Österreich erreicht hat, regnet es Verluste auf den Aktienmärkten. Am Montag brach die Marktkapitalisierung der europäischen Unternehmen binnen weniger Stunden um rund 500 Milliarden Euro ein.

Handelt es sich um eine kurzzeitige Korrektur oder wird daraus ein böser Kater nach einer kräftigen Kursfeier?

Den Spekulanten ist jedenfalls das Lachen vergangen. Rückschläge wurden bisher noch als willkommene Kaufgelegenheit genutzt. Schließlich hofften Anleger auf mehr. Doch nun verfliegt mit fallenden Kursen auch die Zuversicht. Verunsicherung macht sich breit.

 

Alles unter Kontrolle

Die starken Marktturbulenzen zu Beginn der Woche sind hierbei keine Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus selbst, sondern eher auf politische Beschlüsse wie die Abriegelung von mehreren italienischen Städten. Anleger fürchten eine nachhaltige Unterbrechung der weltweiten Lieferketten in der global verflochtenen Wirtschaft. Zudem steht China für fast 17 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Dabei könnte das Schlimmste schon überwunden sein. Die Wachstumsrate bei den Infektionen ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation um rund 20 Prozentpunkte gefallen. Solange die Krankheit nicht vollkommen ausgerottet ist, kann sich zwar die Entwicklung wieder drehen. Doch momentan deutet nichts auf einen größeren Rückfall hin.

In China selbst scheint nach der Abriegelung der Stadt Wuhan das Coronavirus derzeit mehr oder weniger unter Kontrolle. Alle anderen chinesischen Provinzen außerhalb der Provinz Hubei, in der sich Wuhan befindet, liege die Zahl der Neuinfektionen Analysten zufolge im einstelligen Bereich.

Das erklärt auch, warum die Verluste an Chinas Börsen nur verhalten ausfielen. Der Hongkonger Hang-Seng-Index lag sogar leicht im Plus.

 

Gold fällt vom Rekordstand

Trotz der wachsenden Unsicherheit gab der Goldpreis wegen Gewinnmitnahmen nach. Der „sichere Hafen“ fiel leicht auf rund 1655 Dollar je Feinunze (31 Gramm). Am Montag war der Goldpreis noch auf den höchsten Stand seit 2013 gestiegen.

Auch der Ölpreis setzt seine Talfahrt vom Wochenstart fort. Furcht vor einer Konjunkturabkühlung und einer schwächeren Nachfrage belasten. Daher fiel der Preis für die Nordsee-Sorte Brent um 0,9 Prozent auf 55,70 Dollar.

Analysten erachten die aktuelle Marktkorrektur in der Eurozone als „gesund“. Ein ausgewachsener Aktiencrash wird nicht erwartet. Schließlich hat die chinesische Regierung Konjunkturprogramme angekündigt, und die meisten Notenbanken griffen der Wirtschaft mit einer anhaltend lockeren Geldpolitik unter die Arme. Dennoch zeigt die hohe Volatilität, dass das Virus an den Nerven der Anleger zerrt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2020)