FAQ

Kinder, Geschäfte, Flugreisen: Fragen und Antworten zum Coronavirus

Wie ansteckend ist dieses neuartige Coronavirus? Welche Schutzmasken helfen wirklich? Gibt es Medikamente gegen SARS-CoV-2? Was darf der Staat? Die „Presse“ gibt Antworten.

MEDIZIN

Was steckt hinter dem neuartigen Coronavirus?

Bei dem neuen Erreger handelt es sich um ein Beta-Coronavirus, das genetisch zu über 80 Prozent mit dem SARS-Coronavirus übereinstimmt und vorwiegend durch Tröpfcheninfektion übertragen wird. Nach derzeitigem Wissensstand hat das Virus, das mittlerweile den Namen SARS-CoV-2 trägt, seinen Ursprung im Huanan-Seafood-Großhandelsmarkt im chinesischen Wuhan. Vermutet wird, dass es von Fledermäusen auf Schlangen und weiter auf den Menschen übertragen wurde. Die genaue Herkunft des Virus ist aber noch unklar.

Auch die Inkubationszeit ist noch nicht endgültig geklärt, aktuell wird davon ausgegangen, dass eine infizierte Person rund vier Wochen lang Viren ausscheiden und somit auch ansteckend sein kann. Die Rechnung dahinter: Die Inkubationszeit (Dauer von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit) wird mit vier bis 14 Tagen angegeben, dazu kommen ein bis zwei Wochen der Erkrankung selbst – plus zwei bis drei Tage nach dem Verschwinden der Symptome.

Wie gefährlich ist das Virus?

Lange wurde betont, dass das Virus nicht dramatischer ist als die Influenza (wohl auch, weil aus China nur sehr spärlich Informationen kamen), mittlerweile wandte sich jedoch das Blatt: Experten des Robert-Koch-Instituts gehen mittlerweile davon aus, dass das Virus tödlicher als die Grippe ist. Bei 81% der Erkrankten wurde ein milder Verlauf festgestellt. Zu schweren Verläufen kam es bei 14% der Fälle. Derzeit wird von einer Sterblichkeit (= Letalität) von ca. 2,3% ausgegangen.

Welche Altersgruppen sind wie stark betroffen?

Betroffen sind vor allem ältere Menschen und immungeschwächte Personen bzw. Personen mit Vorerkrankungen. Angaben aus China zufolge finden sich unter den Neugeborenen bis Neunjährigen aktuell rund 400 bestätigte Infizierte, bei den Zehn- bis 19-Jährigen knapp 550 Ansteckungsfälle sowie ein Todesfall. Mit zunehmenden Alter steigt der Anteil der Erkrankten: Bei den 50- bis 59-Jährigen liegt sie bei 1,3 Prozent, bei den 60- bis 69-Jährigen bei 3,6 Prozent, bei den 70- bis 79-Jährigen bei acht und bei den über 80-Jährigen bei 14,8 Prozent.

Was konkret bedeutet Sars-CoV-2 für Kinder und Schwangere?

Kinder können sich zwar genauso leicht (oder schwer) mit dem Coronavirus anstecken, aber die Erkrankung verläuft fast immer milder, wie Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zuletzt betonte. Eine medizinisch eindeutige Erklärung dafür gibt es nicht, denn üblicherweise sind Erwachsene gegen Viruserkrankungen besser gerüstet. Allerdings wurde schon bei Sars und Mers beobachtet (beide gehören zur Erregergruppe der Coronaviren), dass Kinder weniger betroffen waren. Bei einem Verdacht sollen die Eltern die Gesundheitshotline 1450 kontaktieren und nicht direkt den Arzt aufzusuchen, um etwaige Ansteckungen im Wartezimmer zu verhindern.

Bisher gibt es keine Belege für eine erhöhte Anfälligkeit schwangerer Frauen für Covid-19. Schwangere können aber im Vergleich zur Normalbevölkerung ein höheres Risiko einer Erkrankung haben, wie es etwa bei der Grippe der Fall ist.

Wie äußert sich die Krankheit und wie steckt man sich an?

Erste Anzeichen einer Infektion sind Fieber, Husten, Kurzatmigkeit und Atembeschwerden. In schwereren Fällen kann sie zu einer Lungenentzündung, einem akuten Atemwegssyndrom, zu Nierenversagen und sogar zum Tod führen. Weitergegeben wird das Virus durch Sekrete des Atmungstraktes und Speichel, aber auch via Harn oder Stuhl kann sich das Virus verbreiten sowie über weitere Körperflüssigkeiten wie Blut, Rippenfellflüssigkeit oder Gelenkspunktate.

Um das Risiko einer Ansteckung zu verringern, empfiehlt sich eine gründliche Handhygiene mit Seife und/oder Desinfektionsmitteln sowie, zu hustenden und niesenden Personen einen Abstand von ein bis zwei Meter zu halten. Sollte man selbst niesen müssen, wird dazu geraten, in die Armbeuge zu niesen bzw. generell die eigene Nase und den Mund mit einem Papiertaschentuch abzudecken. 

Helfen Masken?

Einmal-Mundschutzmasken stellen keinen wirksamen Schutz gegen Viren oder Bakterien, die in der Luft übertragen werden, dar, können aber das Risiko der Weiterverbreitung (z.B. durch Niesen) verringern.

Was tue ich, wenn ich glaube, mich angesteckt zu haben?

Besteht der Verdacht, sich infiziert zu haben, sollte man sich an die Rettung, an Allgemeinmediziner oder direkt an ein Krankenhaus wenden. Erstinformationen erhält man auch unter der „Gesundheits-Hotline“ 1450. Das Ergebnis eines Tests liegt innerhalb weniger Stunden vor.

Wie wird die Krankheit behandelt? Gibt es Medikamente?

Noch gibt es keinen Impfstoff, um sich zu schützen, die Suche nach einem solchen läuft aber. Genauer gesagt: Weltweit wird derzeit an 27 Impfstoffen gearbeitet. Es wird damit gerechnet, dass ein solcher aber nicht vor 2021 erhältlich sein wird. Aktuell konzentrieren sich die Mediziner darauf, die Symptome Schritt für Schritt zu behandeln, etwa durch die Verabreichung fiebersenkender Mittel.

Das kubanische Pharmakon „Rekombinantes Interferon alfa 2b (IFNrec)“, eigentlich zur Behandlung von Virusinfektionen wie HIV/AIDS gedacht, wurde bisher bereits in der Bekämpfung des Virus eingesetzt. Auch das US-amerikanische Antivirusmedikament „Remedevisir“ (eigentlich zur Behandlung von Ebola entwickelt) wird als mögliche Lösung gehandelt und derzeit klinisch getestet. Das Malaria-Mittel Chloroquin, das in Österreich unter dem Handelsnamen Resochin bekannt ist, wird derzeit ebenfalls getestet. In Italien soll das Gelenksmedikament Tocilizumab bei 330 Coronavirus- getestet werden. "Die ersten Zahlen sind vielversprechend", hieß es am 17. März.

ÖSTERREICH

Wie ist die Lage in Österreich?

Erkrankungsfälle und Untersuchungsergebnisse in bzw. aus Österreich werden auf der Website des Sozialministeriums täglich veröffentlicht. Mittlerweile (Stand: 17. März 2020, 8 Uhr) wurden vom Gesundheitsministerium 1132 Fälle sowie 8 Genesungen bestätigt.

Im österreichischen Recht ist vorgesorgt: Das Epidemiegesetz, das auf das Jahr 1913 zurückgeht, sieht weitreichende Rechte des Staats vor. Gebäude dürfen zwangsweise geräumt, Betriebe und Schulen geschlossen werden. Die Einreise aus dem Ausland kann untersagt werden. Auch einzelne Ortschaften dürfen abgesperrt und Bürger in Quarantäne genommen werden. Setzt man sich gegen letzteres zur Wehr, landet der Fall vor dem Bezirksgericht.

Darf ich noch außer Haus?

Generell sollen soziale Kontakte vermieden werden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Damit dies auch wirklich gemacht wird, hat die Regierung am 15. März für ganz Österreich ein Versammlungsverbot und eine „Ausgangsbeschränkung" ausgerufen. Das bedeutet: Nur für Berufsarbeit, die nicht aufschiebbar ist, dringend notwendige Besorgungen (Lebensmittel) und wenn man anderen Menschen helfen muss, darf das Haus verlassen werden. Parks, Sport- und Spielplätze sind geschlossen.

Das Paznauntal und St. Anton am Arlberg wurden am 13. März, Heiligenblut in Kärnten am 14. März für 14 Tage unter Quarantäne gestellt. Mit Dienstag, 17. März, wurde das gesamte Arlberg-Gebiet unter Quarantäne gestellt. Mehr dazu.

Welche Geschäfte haben geöffnet?

Ab 16. März sollen nur noch Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogerien, Banken, die Post, Trafiken, Tankstellen und der Tierfutterhandel geöffnet haben, der Rest an Geschäften wird geschlossen. Auch Geschäfte für medizinische Produkte und Heilbehelfe dürfen weiterhin öffnen, ebenso Sicherheits- und Notfallprodukte sowie Wartung und Liefer-, Reinigungsdienste und der Agrarhandel.

Wie ist die Lage an Universitäten?

Um das Ansteckungsrisiko im Land zu reduzieren, werden außerdem alle österreichischen Hochschulen geschlossen. Ab spätestens Montag, 16. März, wird der Lehrbetrieb an allen Universitäten, Fach- und pädagogischen Hochschulen auf Fernlehre um- bzw. gänzlich eingestellt. Mehr dazu.

Wie geht es für Schüler weiter?

Die Oberstufen der Gymnasien (AHS), die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) sowie die polytechnischen und Berufsschulen schließen ab 16. März ihre Tore. Für die rund 423.000 betroffenen Schüler heißt es zu Hause bleiben. Die Volksschulen, Neuen Mittelschulen (NMS) und Unterstufen der Gymnasien stellen ebenso den Unterricht ein. Ihre Pforten bleiben aber offen, denn Betreuung wird angeboten. Gelernt werden muss dennoch - und zwar von daheim aus. Es wird nach Möglichkeiten gesucht, die Lehrmaterialien online bereitzustellen. Schularbeiten und Tests fallen indes vorerst aus, die Zentralmatura, die planmäßig am 5. Mai starten sollte, wird nach hinten verschoben. Mehr dazu.

Was bedeutet die aktuelle Situation für Kindergärten?

Wenn ein Elternteil zu Hause sei oder wenn man es sich einteilen könne, solle man „davon absehen, das Kind in die Schule oder Kindergarten zu schicken“, heißt es seitens der Regierung. Aber auch hier gibt es weiterhin eine Betreuung.

Sind die Krankenhäuser gerüstet?

Einen Notfallplan, der auf das Coronavirus zugeschnitten ist, gibt es nicht. Aber: Laut Gesundheitsministerium sind 59 Krankenhäuser (siehe Grafik unten) in Österreich für die Behandlung von Verdachtsfällen und Covid-19-Erkrankungen ausgerüstet. Das spezialisierte Kaiser-Franz-Josef-Spital ist in Wien die erste Anlaufstelle für Verdachtsfälle. Außerdem bereitete die Stadt in einer Messehalle 880 Notbetten vor.

Was sind meine Rechte und Pflichten als Arbeitnehmer?

Die Arbeiterkammer und der Österreichische Gewerkschaftsbund haben eine Webseite und eine Hotline eingerichtet. Die Hotline ist unter der Woche zwischen 9 und 19 Uhr besetzt. „Kann Home Office auch während einer Quarantäne angeordnet werden“, diese und andere Fragen werden auf der Webseite beantwortet.

Wo kann ich anrufen?

  • Telefonische Gesundheitsberatung bei Verdacht auf eine Infektion (Fieber, Husten, Kurzatmigkeit, Atembeschwerden): 1450
  • Coronavirus-Hotline der AGES (Allgemeine Informationen zu Übertragung, Symptomen, Vorbeugung): 0800 555 621
  • Hotline des Vereins für Konsumenteninformation zu reiserechtlichen Fragen (Stornierungen): 0800 201 211
  • Telefonnummer der Arbeiterkammer: 01 501 65 1209
  • Telefonnummer der Wirtschaftskammer: 0590900-4352

AUSLAND / REISEN

Wie ist die Lage weltweit?

Mehr als 169.387 Menschen sind weltweit an einer Coronavirusinfektion erkrankt (Stand: 16. März 2020), die meisten davon - knapp 81.000 - in China. Mehr als 6500 Menschen sind bereits an den Folgen der Viruserkrankung gestorben – mehr als 77.250 wiederum sind mittlerweile wieder gesund. Während in China die Zahl der Neuinfektionen sprunghaft ansteigt, steigen die Zahlen in Europa, im Iran und in anderen Ländern weltweit sprunghaft an. In Europa ist aktuell die Lage in Italien am angespanntesten.

Eine Grafik der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigt die aktuelle Ausbreitung:

Ich war im Ausland/bin geflogen, muss ich mir Sorgen machen?

Sollten Sie während Ihrer Reise oder innerhalb von 14 Tagen nach Ihrer Rückkehr Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden entwickeln, empfiehlt es sich, von zu Hause aus die Gesundheitshotline 1450 kontaktieren, um eine diagnostische Abklärung einzuleiten. Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten müssen ab Mittwoch, 18. März, 14 Tage in Heimquarantäne verbringen. Betroffen davon sind laut Gesundheitsministerium nahezu alle Einreisende aus europäischen Staaten. Alle anderen werden gebeten, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben.

Kann ich überhaupt noch ins Ausland - und zurück nach Österreich?

Das Außenministerium rät von allen „nicht notwendigen“ Auslandsreisen dringend ab. Eine weltweite Reisewarnung wurde nicht ausgesprochen, aber betont, dass für die ganze Welt ein „hohes Sicherheitsrisiko“ gelte. Konkrete Reisewarnungen gibt es im Zusammenhang mit Covid-19 für Frankreich, Iran, Italien, Niederlande, Russland, Schweiz, Spanien, Südkorea, Ukraine und Vereinigtes Königreich. Bürger dieser Staaten dürfen nicht mehr nach Österreich einreisen, außer sie begeben sich zwei Wochen in Heimquarantäne oder sie verfügen über ein aktuelles Gesundheitszertifikat. Der Warenverkehr soll aber aufrecht bleiben, ebenso soll die Grenze für Berufspendler offen bleiben.

Seit Dienstag ist der Flugverkehr aus Spanien, Frankreich und der Schweiz nach Österreich eingestellt. Seit Mittwoch kommen keine Flüge mehr aus Großbritannien, der Ukraine, Russland und den Niederlanden in Österreich mehr an. Derzeit befinden sich laut Außenministerium 47.000 österreichische Reisende im Ausland. Das Außenressort organisiert Rückholaktionen. Mehr dazu.

Am Montag, den 16. März haben die Fluglinien AUA und Laudamotion bekanntgegeben, dass sie bis auf Weiteres nicht mehr fliegen werden. Österreicher im Ausland werden aber noch zurückgeholt. Mehr dazu.

Sind Zugreisen/pendeln innerhalb Österreichs noch möglich?

Die ÖBB hat am 15. März angekündigt, dass der Reisezugverkehr innerhalb Österreichs zunehmend ausgedünnt werden wird - ähnlich einem Fahrplan am Wochenende. "Wir werden alle wichtigen Verbindungen, gerade in und um die Ballungszentren aufrechterhalten", so die ÖBB.