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Rekord zum Jubiläum: Elmayer Kränzchen als "Wegweiser"

640 Debütanten eröffneten das 100. Elmayer Kränzchen
640 Debütanten eröffneten das 100. Elmayer Kränzchen(c) Katharina Schiffl
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Am Faschingdienstag feierte das Elmayer Kränzchen - als letzter Ball der Saison - in der Wiener Hofburg sein 100. Jubiläum. Eine Uraufführung und die Rekordzahl von 640 Debütanten inklusive.

Hundert Jahre – und kein bisschen verstaubt. Am Faschingsdienstag fand in der Wiener Hofburg das Elmayer Kränzchen statt, der traditionell letzte Ball der Saison. Und zugleich der einzige, der schon um 18 Uhr eröffnet und um 24 Uhr beendet wird. Trotz des strengen Zeitmanagements war von Spießigkeit nichts zu bemerken, sehr wohl aber von Wertschätzung, Etikette – und Mut, neue Schritte (wortwörtlich) zu gehen.

So wurden die Besucher (die meisten davon Schüler, die ihre Premiere in Frack, respektive bodenlangem Ballkleid absolvierten) im Eingangsbereich der Wiener Hofburg vom neu gegründeten „Elmayer Ensemble“, einem Quartett aus dem Team der Tanzschule, musikalisch in Empfang genommen. Im Obergeschoß wartete sodann ein Rekordversuch: 640 Debütanten eilten auf das Tanzparkett des Festsaals, um die 100. Ausgabe des Kränzchens zu eröffnen. Zum Vergleich: Der Wiener Opernball wird alljährlich von knapp 300 Tänzern eingeleitet.

Alma Deutscher
Alma Deutscher(c) Katharina Schiffl

Fehlerfrei getanzt wurde – für Patzer hätte der Platz nicht gereicht – zu den Klängen des „Elmayer Walzers“, komponiert von Alma Deutscher. Während die 15-Jährige in der ersten Reihe der Debütanten zu finden war, gab es ihr Opus nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen: Auf den zahlreichen Bildschirmen wurde ein QR-Code eingeblendet, um ein bisschen Walzer mit nach Hause zu nehmen.

Analog hingegen wurden Schecks im Wert von je 20.000 Euro an Christoph Gisinger vom Haus der Barmherzigkeit und an den Präsidenten des Wiener Roten Kreuzes, Reinhardt Krepler, überreicht. Ein Ritual, das auf das Jahr 1920 und damit auf das erste, damals noch von Willy Elmayer abgehaltene Kränzchen, zurückgeht. „Es soll die feierlich gestimmten Ballgäste daran erinnern, dass es viele gibt, die unsere Hilfe dringend benötigen“, begründete Tanzschulbesitzer Thomas Schäfer-Elmayer die traditionelle Geldübergabe an karitative Organisationen.

(c) Katharina Schiffl

Ein Akt der Wertschätzung, den (nach einer Gesangseinlage von  Ildiko Raimondi) auch Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hervorhob: Die Familie Elmayer leiste einen „ungeheuren Dienst für die Gesellschaft“, betonte er mit Verweis auf ein Zitat der amerikanischen Schriftstellerin Pearl Sydenstricker Buck: „Die Jugend soll ihre eigenen Wege gehen, aber ein paar Wegweiser können nicht schaden.“ Ein solcher Wegweiser, so Sobotka, sei die Tanzschule Elmayer, die nicht nur Kultur- und Bildungsarbeit leiste, sondern auch „Tradition weitergibt“. Und natürlich auch Tanzschritte.

Während bei der „Herreninsel“ Formationstänzer warteten, um im Gegenzug für eine Spende, Geleit am Parkett anzubieten, fanden im Marmorsaal Kurse u.a. für Storchtrott und Charleston statt, bevor um 23 Uhr der Wiener „Tanzsportclub Schwarz Gold“ sein Können unter Beweis stellte und das Publikum letztlich zur Quadrille gebeten wurde. Allerdings: nicht zu lange! Punkt fünf Minuten vor Mitternacht stimmte Clemens Unterreiner, begleitet von der Gardemusik, „Brüderlein fein“ an und leitete damit das Ende des Balls sowie den Beginn der Fastenzeit ein. Übrigens, auch das eine Premiere – für den Opernsänger.