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Fastenzeit auf Bayerisch

Der Aschermittwoch ist eine nüchterne, trockene, insgesamt also recht frugale Angelegenheit.

Im Besonderen gilt dies für Bayern, wo in Passau das Ritual der politischen Fastenpredigt über die Bühne ging und der Protestant Markus Söder in die Rolle seines Jugendidols Franz Josef Strauß schlüpfte. „Markus, bleib in Bayern – in Berlin gibt's nix zu feiern“, forderte ihn ein Transparent auf.

Leberkäse, Weißwürste und „Fleischpflanzerl“, drei der bayerischen Elementarspeisen, waren verbannt und verpönt. Stattdessen gab es Fisch- und Käsesemmeln – und, das ja, Bier. Was wäre eine bayerische Festveranstaltung denn auch ohne den Gerstensaft?

Ansonsten reißen freilich zwischen Würzburg und Berchtesgaden preußische Unsitten ein. „Tschüss“ hat in München als Gruß längst „Pfiat di“ und „Habe die Ehre“ verdrängt – und das in einer Stadt, die sich als Monaco di Baviera gern als Italiens nördlichste Metropole stilisiert. Die Staatspartei CSU überlegt darum, Dialekt und Brauchtum wie Schafkopfen als Freifach in Münchner Schulen einzuführen. Im Übrigen empfehlen wir: Schau nach bei Helmut Dietls Kultserie „Monaco Franze – Der ewige Stenz“. „Geh Spatzl, schau, wie I schau.“ Und wenn alles aussichtslos scheint: „A bissel was geht immer.“ Söder weiß selbst am besten, dass sich das mit Berlinerisch, Kölsch und Hamburgisch so gar nicht verträgt. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2020)