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H. Moser & Cie.

Eine Uhr wie aus dem Windkanal

Kritischer Blick. Moser-Chef Edouard Meylan begutachtet die neue Kreation.
Kritischer Blick. Moser-Chef Edouard Meylan begutachtet die neue Kreation.(c) Beigestellt
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Der „Streamliner Flyback Chronograph Automatic“ von H. Moser & Cie. hat seine Formensprache von den Stromlinienzügen der 1930er.

Fünf Jahre lang hat die Schaffhauser Marke H. Moser & Cie. an einem neuen Chronografen getüftelt, der den Startpunkt für eine ganze Modelllinie setzen soll: Der „Streamliner Flyback Chronograph Automatic“ hat seinen ersten Namensbestandteil von den futuristischen Stromlinienzügen, die ab den 1930er-Jahren die Schienen eroberten. Und tatsächlich erinnert die organische, sanft geschwungene Linienführung an Gefährte, die durch ihre Form den Luftwiderstand verringerten. Nichts an dem 42,3  Millimeter großen Edelstahlgehäuse ist eckig, sondern alles abgerundet und gewölbt.

Besonderes Uhrwerk. Das Chronografenkaliber HMC 902 wurde von Agenhor für Moser entwickelt.
Besonderes Uhrwerk. Das Chronografenkaliber HMC 902 wurde von Agenhor für Moser entwickelt.(c) Beigestellt



Die einzigartige Schale, die sich am ehesten noch als kissenförmig bezeichnen lässt, geht nahtlos in ein neu entwickeltes Stahlband über, das sich durch seine beweglichen Glieder genauso an schmale wie an breite Handgelenke anpasst. Das Gehäuseoberteil ist genauso wie die Oberseite der Bandglieder satiniert und passt damit zu dem neuartigen Zifferblatt, das nicht nur den marken­typischen „Fumé“-Farbverlauf zeigt, sondern erstmals auch einen „Griffé“-Längsschliff. Die Chronografendrücker und die Kanten des Gliederbands sind poliert, und am Gehäusemittelteil und -boden wechseln sich polierte und satinierte Flächen ab.

Ungewöhnlicher Chronograf. Über dem Zifferblatt drehen sich zwei Zeiger für die laufenden Stunden und Minuten und zwei Chronografenzeiger für die gestoppten Sekunden (rot) und Minuten. Die Zeiger für die Uhrzeit tragen Einsätze aus Globolight, einem Material auf Keramikbasis, das die Leuchtmasse Superluminova enthält und nie zuvor bei Uhrzeigern zum Einsatz gekommen ist. Der rote und der metallfarbene Stoppzeiger lassen sich entweder auf herkömmliche Weise nacheinander starten, stoppen und nullstellen oder, dank Flyback-Mechanismus, mit einem einzigen Druck aus dem Lauf heraus neu starten. Der Clou: Dank einer dynamischen Druckfestigkeit bis zwölf Bar kann man die Chronografendrücker auch unter Wasser bedienen.

Stromlinienförmig. Der gewölbte Streamliner macht seinem Namen alle Ehre.
Stromlinienförmig. Der gewölbte Streamliner macht seinem Namen alle Ehre.(c) Beigestellt



Die seltene Kombination aus zentralen Chronografenzeigern und Flyback-Funktion ermöglicht das Automatikkaliber HMC 902, das der Schweizer Werkespezialist Agenhor in Zusammenarbeit mit dem Moser-Entwicklungsteam entworfen und gefertigt hat. Damit man seine fein veredelten Oberflächen getrost ungestört durch den Saphirglasboden betrachten kann, hat Agenhor den Aufzugsrotor auf die Zifferblattseite des Werks verlegt. Auf diese Weise wird die gesamte Chronografenkadratur sichtbar – bis hin zur speziellen horizontalen Kupplung mit einem Reibrad, das durch seine extrem kleinen Zähne beim Starten des Chronografen ein Springen der Stoppzeiger verhindert.
Das Haute-Horlogerie-Uhrwerk, das dank zweier Federhäuser 54  Stunden am Stück läuft, wird Moser in 100 Exemplaren des neuen Stahlchronografen verbauen und diesen für 38.000 Euro anbieten. Danach darf man gespannt sein, wie es mit der Linie „Streamliner“ weitergeht.

("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 28.02.2020)