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Cyber-Grooming

Eine Mutter gibt sich im Netz als 11-Jährige aus - und wird massiv belästigt

Die Expertin rät häufig und früh mit Kindern über die Gefahren von Social Media zu reden.imago images/Bildgehege
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Eine Internet-Expertin mimt zuerst eine 15-Jährige, dann eine 11-Jährige auf Social-Media-Plattformen. Die Nachrichten, die sie bekommt, schockieren.

Damit hat sie wohl nicht gerechnet. Internet-Expertin Sloan Ryan (die ihren richtigen Namen nicht öffentlich nennt) weiß eigentlich, was Kinder und Jugendliche im Netz so erwartet, sie arbeitet im „Special Projects Team" bei Bark, einem Unternehmen, das im Auftrag von Eltern die Social-Media-Inhalte ihrer Kinder auf deren Smartphones überwacht.

Doch das Ergebnis des Experiments hat wohl sie selbst nicht erwartet. Sie kreierte mit einem Team einen Fake-Account und gab sich als 15-jährige Libby in Social-Media-Plattformen aus. Mithilfe eines Maskenbildners verwandelte sie ihr Aussehen, kreierte eigene Accounts, das Bark-Team richtete auch ein falsches Kinderzimmer ein, in dem Fotos geschossen wurden.

Ein Video dokumentiert das Projekt

Das Projekt wurde in Kooperation mit der Show „Good Morning America“ im amerikanischen Sender ABC veröffentlicht.

Das Ergebnis lässt auch Zuseher schlucken: Innerhalb kürzester Zeit bekam Libby, nachdem sie online gegangen war, schon explizite Fragen und Fotos von erwachsenen Männern. „Hey Baby, suchst du nach einem Daddy?“, „Magst du ältere Männer?“ Dann kamen Fragen nach Selfies von ihr, auch nach Fotos von ihrem BH. Ein 26-Jähriger schickt Fotos von sich und fordert sofort „Jetzt schuldest du mir auch eines“. „Libby“ antwortete mit unschuldigen Nachrichten und Emojis, trotzdem waren die Männer nicht zu stoppen.

Sexuelle Nachrichten, Anfragen, Fotos

Das Team ging einen Schritt weiter, und transformierte „Libby“ in die 11-Jährige „Bailey“. Nach einer Minute, nachdem ihr Profil online ging, kam schon ein Like von einem Mann, der im Profilbild seine Genitalien zeigte, im Sekundentakt kamen neue Likes, Anfragen, Nachrichten, mit Fragen, ob sie wisse, was ein Blowjob sei, detailierte Beschreibungen von Sexfantasien und ähnlichen expliziten Inhalten. Immer wieder betonte sie, dass sie Jungfrau und erst elf Jahre alt sei. Das hinderte die Männer nicht.

Insgesamt fünf Personen musste Bark für das Projekt engagieren, um die Flut an Nachrichten zu beantworten.

Ein 28-Jähriger will sich treffen

Ein 28-Jähriger ließ nicht locker und wollte sich unbedingt mit der 15-Jährigen Fake-Identität treffen, schon davor hatte er explizite Videos von sich selbst geschickt. Ryan verkleidete sich und traf sich mit ihm, das Treffen wurde (in Absprache mit der Polizei) auf Video aufgezeichnet. Der 28-Jährige will sofort mit ihr aufs Hotelzimmer gehen, jegliche Vorschläge von ihr, doch mal spazieren zu gehen, werden abgeblockt.

Laut Bark haben die Daten, die sie gesammelt und den Behörden übergeben haben, zu Verhaftungen geführt. Das Unternehmen handelt freilich nicht uneigennützig. Dennoch zeigt es, wie schnell Kinder und Jugendliche im Netz belästigt werden. Ihr Rat sei es, häufig und früh mit Kindern über die Gefahren von Social Media zu reden, sagt Ryan in dem Bark-Video.