Am Donnerstag läuft der EZB-"Ein-Jahres-Tender" aus. Viele Banken hängen davon ab, weil sie sich am Geldmarkt nur mehr teuer refinanzieren können. Die europäischen Notenbanker beschwichtigen.
In zwei Tagen schlägt für die Banken in der Euro-Zone die Stunde der Wahrheit: Am Donnerstag müssen die Geldhäuser der Europäischen Zentralbank (EZB) insgesamt 442 Milliarden Euro zurücküberweisen, die sie sich vor einem Jahr bei der Notenbank geliehen hatten. Dann endet der sogenannte "Ein-Jahres-Tender", den die EZB im Sommer 2009 aufgelegt hatte, um für ausreichend Liquidität zu sorgen, um die Kreditvergabe zu stützen.
In den Geldinstituten in ganz Europa steigt angesichts der schwierigen Lage der Banken in den Schuldenländern Griechenland, Portugal und Spanien die Spannung vor dem größten Zahltag in der Geschichte der Währungsunion.
"EZB muss sich anpassen"
Um sich vor Donnerstag zu wappnen, griffen die Banken beim Wochentender am Dienstag kräftig zu. Die EZB teilte den 157 bietenden Banken und Sparkassen der Euro-Zone 162,9 Milliarden Euro zu. Um den Banken den Übergang zu erleichtern, wird die EZB daher laut "Financial Times Deutschland" einen Drei-Monats-Tender anbieten. Dabei können sich die Banken erneut unbegrenzt Geld zum Leitzins von einem Prozent zu leihen - allerdings nur noch für drei Monate. "Die Politik der EZB ist, dass sie keine Laufzeiten von mehr als drei Monaten anbieten will. Aber sie muss sich anpassen", sagte ein hochrangiger Manager einer spanischen Bank der "Financial Times".
Die kürzere Laufzeit könnte den Druck auf die Banken allerdings erhöhen, andere Liquiditätsquellen zu suchen. Damit gilt die Nachfrage nach dem neuen Drei-Monats-Geschäft als Gradmesser für die Gesundheit der Finanzbranche im Euroraum. "Die Banken, die an dieser Tenderoperation teilnehmen, würden preisgeben, dass ihnen der Marktzugang sehr schwer fällt", erklärte UniCredit-Experte Luca Cazzulani. Denn die Refinanzierung sei derzeit über die EZB teurer als am Markt.
EZB steckt in einem Dilemma
Das Problem: Viele Banken hängen laut "FTD" von dem EZB-Programm ab. Sie können sich am Geldmarkt gar nicht oder nur noch zu sehr teuren Sätzen refinanzieren. Die EZB steckt in einem Dilemma: Sie muss die enorme Liquidität abschöpfen, die sie während der Krise in das Finanzsystem gepumpt hat, bevor die Inflation angeheizt wird. Tut sie es aber zu früh, droht sie die wirtschaftliche Erholung sofort wieder abzuwürgen.
Experten der französischen Bank Societe Generale rechnen daher damit, dass die EZB wieder Geschäfte mit Laufzeiten von sechs und zwölf Monaten auflegen muss.
EZB beschwichtigt
Indes versucht Frankreichs Zentralbankchef Christian Noyer die Gemüter zu beruhigen. "Die EZB wird tun, was notwendig ist, um sicherzustellen, dass es nicht zu einem Liquiditätsengpass kommt", sagte Noyer am Dienstag dem Radiosender Europe 1. Ähnlich hatte sich bereits am Freitag Österreichs Notenbankgouverneur Ewald Nowotny geäußert. "Wir haben alle Vorkehrungen getroffen, dass dieser Termin ohne Anstrengung vergeht", so Nowotny.
Doch die Akteure an den Finanzmärkten trauen den Beruhigungspillen der Zentralbanker offenbar nicht so ganz: Die Zinsen am Geldmarkt kletterten in den vergangenen Tagen auf Werte, wie sie zuletzt vor mehr als acht Monaten berechnet wurden. Und an den Aktienmärkten gingen die Kurse bergab. Der Dax notierte beispielsweise Dienstagmittag um 2,2 Prozent schwächer.
Feiert Ein-Jahres-Tender rasches Comeback?
Dass einige Banken nach dem Ende der großen Geldschwemme Probleme bekommen könnten, wollte auch Noyer am Dienstag nicht ganz ausschließen. Die EZB habe jedoch dafür gesorgt, dass sich alle Institute jederzeit bei ihr ausreichend refinanzieren können: Dafür bietet sie zunächst am Mittwoch ein Dreimonatsgeschäft und einen Tag später dann nochmals einen Tender mit sechs Tagen Laufzeit an. Bei allen diesem Operationen bekommen die Banken soviel Geld wie sie von der EZB wollen zum festen Leitzins, der seit Mai 2009 bei rekordniedrigen ein Prozent steht.
Viele Banken, insbesondere die potenziell vor einem Liquiditätsengpass stehenden Institute in Südeuropa, dürften zugreifen. Nach Medienberichten sollen Banken aus Spanien die EZB sogar zu einer Neuauflage des 12-Monats-Geschäfts gedrängt haben. Die Lage ist also angespannt und der Geldbedarf hoch. Wie aus einer Reuters-Umfrage hervorgeht, erwarten Geldmarkthändler, dass die Banken alleine beim Dreimonatsgeschäft am Mittwoch mehr als 200 Milliarden Euro bei der EZB ordern - also fast die Hälfte der Summe, die sie einen Tag später bei der Notenbank einzahlen müssen.
(Ag./Red.)