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Pflege

In 400 Betrieben gibt es Streik

(c) APA/HELMUT FOHRINGER
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Während die Gewerkschaft zum Streik aufruft, sondieren die Arbeitgeber wirtschaftsverträgliche Varianten zur Arbeitszeitverkürzung.

Wien. Am Donnerstag war Senecura dran: Der Pflegeheimbetreiber ist strikt gegen die von der Gewerkschaft geforderte 35-Stunden-Woche für Pfleger und Betreuer. Die Gewerkschaften Vida und GPA-djp brachten an der Fassade der Senecura-Zentrale im zweiten Wiener Gemeindebezirk ein Transparent an mit der Aufschrift: „35 Stunden sind genug.“ Senecura ist einer der größten gewinnorientierten Betreiber von Pflegeheimen in Österreich. Zu einer Streikdemo, die am Wiener Praterstern starten sollte, wurden über 1000 Teilnehmer erwartet.

Die Sozialwirtschaft ist der Zusammenschluss der privaten Sozial- und Gesundheitseinrichtungen. Die Branche beschäftigt rund 125.000 Menschen, der Kollektivvertrag, über den aktuell verhandelt wird, ist auch richtungsweisend für andere Organisationen wie die Caritas mit ihren 15.000 Beschäftigten und die Diakonie. Die Gewerkschaften orten in der Branche zunehmenden Arbeitsdruck und fordern die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden – bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Bisher fanden sechs Verhandlungsrunden statt, die alle ohne Ergebnis abgebrochen wurden. Die siebte Runde ist für Montag anberaumt. An den Warnstreiks diese Woche beteiligten sich laut Angaben der Gewerkschaft mit Stand Mittwochabend 405 Betriebe.

Die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft arbeiten als Tagesmütter, Sozialarbeiter, Therapeuten und Behindertenbetreuer, vor allem aber in der Pflege. Die Gewerkschaft hatte schon in den vergangenen Jahren die 35-Stunden-Woche gefordert – dieses Mal hat sie nur diese einzige Forderung gestellt. Arbeitgeber-Verhandler Walter Marschitz ist derzeit damit beschäftigt, unter seinen Mitgliedsbetrieben Möglichkeiten zu sondieren. Die Streiks sieht er gelassen, es sei „sicher nicht so, dass hier flächendeckende Aktionen stattfinden“, so Marschitz zur „Presse“.

 

Auf der Suche nach Möglichkeiten

„Natürlich suchen wir nach Kompromissen“, sagt Marschitz, räumt aber auch ein, dass sich beide Seiten bewegen müssten. Für eine flächendeckende 35-Stunden-Woche sehe er allerdings „keine tragfähige Mehrheit“. Möglichkeiten könnten sein, die Arbeitszeit um weniger Stunden zu reduzieren oder zu vereinbaren, dass die Arbeitszeitverkürzung auf betrieblicher Ebene ausgehandelt wird. Vor allem Betreiber von Pflegeheimen hatten sich zuletzt gegen die 35-Stunden-Woche ausgesprochen. Die Gewerkschaft appelliert unterdessen an die Arbeitgeber, ihr bei der Arbeitszeitverkürzung entgegenzukommen. „Sie werden uns am Montag hoffentlich etwas vorlegen“, sagt ein Sprecher der GPA-djp.     (hie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2020)