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Verkehr

Begegnungszonen als Koalitionsbedingung

Die Grünen möchten sie bis zum Rochusmarkt zu einer begrünten Begegnungszone mit Straßenbahn umgestalten.
Die Grünen möchten sie bis zum Rochusmarkt zu einer begrünten Begegnungszone mit Straßenbahn umgestalten.(c) Grüne Landstraße/Damjan Velickovic / maybe.at
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Die Grünen möchten die Landstraßer Hauptstraße umgestalten – und machen dies zur Forderung an den künftigen Koalitionspartner.

Wien. Bäume statt Parkplätze, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, weniger Raum für Autos und Tempo 20 für alle: Ganz so frisch ist das Konzept Begegnungszone in Wien mittlerweile nicht mehr. Nun haben die Grünen am Donnerstag ihr neues Verkehrskonzept für den gesamten dritten Bezirk präsentiert, Herzstück ist dabei – erraten– eine Begegnungszone in der Landstraßer Hauptstraße – diesmal in einer Variante mit (neuer) Straßenbahnlinie.

Konkret soll die Einkaufsstraße zwischen Invalidenstraße und Rochusmarkt verkehrsberuhigt, die Buslinie 74A durch eine Straßenbahn ersetzt, der Autoverkehr reduziert werden. „Wir bereiten das jetzt vor und werden das“, sagt der grüne Verkehrssprecher, Rüdiger Maresch, der offenbar von einer Fortsetzung von Rot-Grün ausgeht, „in der nächsten Regierungsphase ändern.“ Mehr noch: Dass im dritten Bezirk (und in weiteren Bezirken) Begegnungszonen geschaffen werden, werde Teil der Koalitionsverhandlungen nach der Wien-Wahl sein. „Im Koalitionsübereinkommen wird das vorkommen“, sagt Maresch. Wie viel Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) von derartigen grünen Ideen hält, hat er erst vergangene Woche bei seiner Grundsatzrede klargemacht: „Wir drehen an den großen Rädern“, so Ludwig. „Es geht nicht um die Behübschung einzelner Straßen und medienwirksame Aktionen.“

So sieht die Landstraßer Hauptstraße (Ecke Invalidenstraße) derzeit aus.
So sieht die Landstraßer Hauptstraße (Ecke Invalidenstraße) derzeit aus.(c) Grüne Landstraße/TU Wien Frey/Leth

Viele Radunfälle durch Autotüren

Vorbild dieser Umgestaltung, wie sie die beiden TU-Wien-Verkehrsplaner Harald Frey und Ulrich Leth in ihrer Studie im Auftrag der Grünen vorschlagen, ist die Mariahilfer Straße, die einst ebenso vom Pkw-Verkehr dominiert war wie derzeit die Landstraßer Hauptstraße. Dabei steige die Zahl der Fußgänger dort stetig, „dem müssen wir“, sagt Frey, „im öffentlichen Raum Folge leisten“.

Derzeit sind an einem Wochentag rund 20.000 Menschen zu Fuß in diesem Abschnitt der Landstraßer Hauptstraße unterwegs, denen 13.000 Autos täglich gegenüberstehen – diese vor allem morgens durch viele Pendler. Fußgänger und Radfahrer hätten, so die Studienautoren, dabei auf der Landstraßer Hauptstraße viel zu wenig Platz, was auch ein Sicherheitsrisiko darstelle: So passieren die meisten Radunfälle im dritten Bezirk – neben dem Rennweg – auf der Landstraßer Hauptstraße: Weil der Streifen für Radfahrer „erst im Nachhinein hineingequetscht“ wurde, kommt es hier häufig zu sogenannten Dooring-Unfällen: Radfahrer werden durch plötzlich geöffnete Autotüren verletzt.

In weiterer Folge könnte die Begegnungszone eines Tages sogar zur Fußgängerzone werden – dass eine solche auch mit Straßenbahn funktionieren kann, sehe man in der Grazer und Linzer Innenstadt. Denn die Buslinie 74A, die zwischen Stubentor und St. Marx verkehrt, würde nach den Plänen der Grünen durch eine Straßenbahnlinie ersetzt werden, die zwischen Stubentor und Gasometer verkehren und auch eine Anbindung an die geplante Veranstaltungshalle in St. Marx darstellen würde. Überhaupt, sagt Verkehrsplaner Frey, wären die Straßenbahnschienen ein verbindendes Element in einem Bezirk, in dem es viele Trennlinien – die S-Bahn-Stammstrecke, die Tangente, den Gürtel – gebe.

Dass Maresch die umfassende Umgestaltung zur Koalitionsbedingung macht, dürfte die Chancen auf Realisierung etwas erhöhen: Denn vonseiten des SPÖ-Bezirksvorstehers, Erich Hohenberger, ist eher keine Zustimmung zu erwarten. Hohenberger hat die Pläne (die die Grünen seit 2015, bisher aber ohne Straßenbahn, fordern) schon im Vorjahr als „denkbar schlechte Idee“ bezeichnet (am Donnerstag war Hohenberger für „Die Presse“ nicht erreichbar): Das Verkehrsaufkommen auf der Landstraßer Hauptstraße sei dafür schlicht zu hoch.

Genau das wollen die Grünen ändern. In Landstraße, findet Bora Akcay, grüner Klubobmann im Bezirk, werde „die Verkehrspolitik der 1960er- und 1970er-Jahre weitergeführt“, auch Verkehrsplaner Frey spricht von einer „sehr mangelhaften Infrastruktur“. Als weitere Maßnahmen schlägt die Studie etwa das Öffnen der Einbahnstraßen für Radfahrer vor und bessere räumliche Trennung der Radstreifen von der Fahrbahn.  (mpm)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2020)