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Coronavirus: Sars-CoV-19 könnte wie Influenza dauerhaft bleiben

A doctor vaccinates a patient as part of the start of the seasonal influenza vaccination campaign in Nice
Gegen Influenza gibt es eine Impfung; an einer gegen CoV-19 wird aktuell im Höchsttempo gearbeitet. (Archivbild)(c) REUTERS (Eric Gaillard)
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Eine globale Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sei anzunehmen, sagt der Leiter der tropenmedizinischen Abteilung der Meduni Wien, Heinz Burgmann. Bei wärmeren Temperaturen könnte sich die womöglich Infektionsrate verringern.

Das Coronavirus könnte sich wie Influenza-Viren dauerhaft etablieren. "Es ist nicht anzunehmen, dass Sars-CoV-2 völlig verschwinden wird", sagt Heinz Burgmann, Leiter der klinischen Abteilung für Infektionen und Tropenmedizin an der Medizinischen Universität Wien. Noch sind jegliche Szenarien über den weiteren Verlauf Spekulation, warnt der Experte - doch möglicherweise bleibt das Virus.

Nach den bisherigen Erfahrungen gebe es nämlich eine eher geringe Wahrscheinlichkeit, dass das Virus „einschlafen“ wird - auch die Infektiosität spricht dagegen, argumentierte der Experte. Derzeit geht man laut Burgmann davon aus, dass ein Infizierter für zwei bis drei weitere Infektionen sorgt. Es bestehe zwar die Hoffnung, dass es im Sommer zu einer reduzierten Ausbreitung kommen könnte, aber auch hier verwies Burgmann darauf, dass dies ebenfalls noch eine von mehreren Möglichkeiten sei. "Wer jetzt schon eine Prognose schafft, der ist zu bewundern", denn das Virus sei ja erst seit kurzem bekannt. Sollte sich Sars-CoV-2 jedenfalls weiter halten, dann wäre eine kontrollierte Ausbreitung wichtig - jedoch ließe sich der jetzige Umgang mit dem neuen Virus nicht auf Dauer aufrechterhalten.

Drei bestätigte CoV-19-Fälle, Hunderttausende Grippekranke

"Wie viel Einschränkung nehme ich in Kauf - und wie lange?", laute die Frage, die zu stellen ist. Beende man "die Reduzierung des täglichen Lebens", gilt es die Konsequenz einer raschen Ausbreitung zu berücksichtigen. "Bei der Gesamtpopulation werden rund 80 Prozent oder mehr der Erkrankten vermutlich milde Symptome aufweisen", betonte auch Burgmann. Angesprochen auf den am Donnerstag bekannt gewordenen Fall in Japan, wo bei einer Frau eine erneute, also zweite Infektion mit Sars-CoV-2 bekannt wurde, sagte der Experte, dass davon auszugehen ist, dass es wohl bei einem Großteil der Bevölkerung nicht zu einer mehrfachen Infektion kommen wird. Es gebe einfach Ausreißer im negativen wie im positiven Sinne, letzteres wären Menschen, die immun gegen das Coronavirus sind.

Sars-CoV-2 verbreitet sich derzeit schnell, und nachdem es noch keine ursächliche Therapie gegen die von ihm verursachten Erkrankungen gibt, müsse man von einer globalen Ausbreitung ausgehen. Es sei wichtig, jetzt alle möglichen Szenarien bis hin zum "worst case" durchzugehen, schloss Burgmann. Der deutsche Virologe Christian Drosten von der Berliner Charite sagte am Donnerstagabend im ZDF, dass es eine Frage der Geschwindigkeit wäre, in der "60 bis 70 Prozent der deutschen Bevölkerung mit diesem Virus jetzt Erfahrung machen wird". Wenn das in mehreren Wochen - statt über einen Zeitraum von zwei Jahren - geschehe, wäre es das Schlimmste, was passieren könnte. Auch Burgmann warnte vor den Folgen einer schnellen Ausbreitung auf das öffentliche Leben und die Versorgung. Der Virologe Christoph Steininger von der MedUni Wien verwies gegenüber "Orf.at" darauf, dass das Virus auch mutieren könne. Dies habe sich bisher aber nicht bewahrheitet. "In acht Wochen haben wir drei bestätigte Fälle in Österreich, im gleichen Zeitraum haben wir aber Hunderttausende Grippekranke gehabt", verglich er am Donnerstag das Coronavirus mit der heurigen Influenza.

(APA)