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Wie sich Neuerungen verbreiten

Die Agta leben vorwiegend in den abgesonderten Bergregionen der Insel Luzon auf den Philippinen.
Die Agta leben vorwiegend in den abgesonderten Bergregionen der Insel Luzon auf den Philippinen.(c) imago/robertharding (imago stock&people)
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Die effektiven Netzwerke von Jägern und Sammlern.

Auf welche Weise gelang es Menschen vor Jahrtausenden, technologische Neuerungen voranzutreiben? Wie die weit verstreuten Gruppen das möglicherweise schafften, erforschte ein internationales Team mit österreichischer Beteiligung des Komplexitätsforschers Vito Latora vom Complexity Science Hub Vienna anhand der Interaktionen einer modernen Jäger/Sammler-Gesellschaft, den Agta. In Science Advances (28. 2.) berichten sie davon, wie deren soziale Struktur aus kleinen, miteinander vernetzten Gemeinschaften Innovationen besonders befördert.

 

Tracking der Alltagswege

Die Agta leben vorwiegend in den abgesonderten Bergregionen der Insel Luzon auf den Philippinen. Die Mehrheit dieser indigenen Bevölkerungsgruppe hat nach wie vor eine zumindest teilweise mobile Lebensweise. Um zu verstehen, wie sich die Agta austauschen, stattete das Forschungsteam 53 Erwachsene aus sieben Camps einen Monat lang mit Tracking-Geräten aus. Es zeigte sich, dass es fast täglich Besuche zwischen den Gruppen gab.

Aufbauend auf diesen Daten bildeten die Forscher das natürlich gewachsene Netzwerk der Agta in einer Computersimulation nach. In einem Experiment mussten Mitglieder daraus, ebenso wie Akteure eines Pendants, in dem alle vollständig informiert sind, ein Heilmittel suchen. Im Agta-Netzwerk ging das schneller, weil zwar nicht alle auf demselben Stand sind, aber unabhängig voneinander verschiedene Vorstufen entwickeln können. Eine Struktur aus kleinen vernetzten Gemeinschaften fördert offenbar den Innovationssprung. Freilich ist ungewiss, welche Aussagen Beobachtungen moderner Jäger und Sammler über deren Vorgänger vor Tausenden von Jahren zulassen.  (cog)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2020)