Die Banken müssen falsch berechnete Sparzinsen an ihre Kunden zurückzahlen. Manche Banken wollen aber erst ab einer Einlage von 15.000 Euro zahlen und verlangen bis zu 20 Euro für den Aufwand.
Ein Urteil des Obersten Gerichtshof hat die österreichischen Banken dazu verpflichtet, Sparzinsen für variabel verzinste Sparbücher an die Kunden sofort weiterzugeben. In der Vergangenheit haben die Banken das auch getan - allerdings nur dann, wenn die Zinsen sanken. Bei Zinserhöhungen reagierten die Banken oft nur zögerlich. Das wurde vom OGH als "gesetzeswidrig" eingestuft.
Die Banken müssen nun die zu wenig verrechneten Sparzinsen an die Kunden zurückzahlen. Dabei gibt es allerdings Probleme. So sind allein in der Steiermark hunderte Beschwerden von Bankkunden eingegangen, schildert Peter Kiesswetter, Konsumentenschützer bei der Arbeiterkammer, laut "orf.at".
"Ich höre, dass ein Geldinstitut den Kunden sagt, dass sie überhaupt erst von einem Einlagenstand von 15.000 Euro an etwas tun wollen, das ist rechtswidrig", kritisiert Kiesswetter. Auch wer nur 1.000 Euro auf seinem variabel verzinsten Sparbuch hat, kann Zinsen zurückfordern.
Vor allem bei Sparbüchern mit höheren Einlagen, auf die mehrere Jahre nichts eingezahlt wurde, dürfte die Rückforderung viel bringen. Die rückwirkende Verrechnung dürfe jedenfalls nichts kosten, sagt Kiesswetter. "Ich höre, dass einige Geldinstitute in der Steiermark 20 Euro dafür verlangen sollen", prangert Kiesswetter an.
Die Steiermärkische Sparkasse hat mittlerweile bestätigt, dass 20 Euro verrechnet werden - der Arbeitsaufwand betrage schließlich drei bis vier Stunden pro Sparbuch. Erst sieben Kunden hätten auf eine genaue Abrechnung bestanden.
Bei der Raiffeisenlandesbank hingegen heißt es, man verrechne nichts. Einige hundert Kunden sollen sich bereits gemeldet und Geld bekommen haben.
"Neue Tricks der Banken"
Auch Peter Kolba vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) ist empört. Die Banken haben zu Jahresbeginn ihre Berechnungsmethoden für variabel verzinste Sparbücher umgestellt. Kolba kritisiert im "Wirtschaftsblatt": "Die Klauseln beinhalten neue Tricks". Die Banken würden damit versuchen, Nachzahlungen in Millionenhöhe zu verhindern.
Die Arbeiterkammer will nun die Banken auf ihre Rückzahlungspflicht aufmerksam machen. "Wenn die österreichischen Geldinstitute nicht bereit sind, ihrer eigenen Einsicht nachzukommen und sie Klagen brauchen, werden sie diese bekommen", sagt Kiesswetter. Auch das VKI erwägt neue Musterprozesse anzustrengen. (Red.)