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Neuer Erste-Group-Chef will nach Polen

Seit Jahresanfang ist Bernhard Spalt Chef der größten Bank Österreichs.
Seit Jahresanfang ist Bernhard Spalt Chef der größten Bank Österreichs.(c) APA/HERBERT NEUBAUER
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Das größte Land Ostmitteleuropas fehlt laut dem neuen Erste-Konzernchef Bernhard Spalt im Portfolio. Die Bank soll in den kommenden Monaten sämtliche internen Prozesse forciert durchforsten. 2019 gab es ein Plus beim Betriebsgewinn.

Wien. Es ist wahrlich ein schönes Erbe, das der per Jahresanfang nach 23 Jahren abgetretene Ex-Erste-Group-Chef Andreas Treichl seinem Nachfolger, Bernhard Spalt, hinterlassen hat – auch im Jahr 2019. Mit einem, aufgrund von zwei Sondereffekten geminderten, Konzerngewinn von 1,47 Mrd. Euro wird zwar nicht das Rekordergebnis des Vorjahres in Höhe von 1,8 Mrd. Euro erreicht. Operativ konnte die Bank aber auch in ihrem letzten Jahr unter Treichl zulegen: Das Betriebsergebnis stieg um 8,7 Prozent auf 2,97 Mrd. Euro an.

„Es gibt nur wenige Banken in Europa, die zurzeit solche Zuwächse verzeichnen können“, freut sich Spalt daher auch bei seinem ersten offiziellen Auftritt als neuer Chef von Österreichs größter Bank. Um gleich am Anfang seiner Ausführungen hinzuzufügen: „Es ist eine große Verantwortung, das zu übernehmen, was Andreas Treichl aufgebaut hat.“ Dieser habe in den Jahren seit der Jahrtausendwende den Grundstein dafür gelegt, dass die Erste zusammen mit den Ländern Mittelosteuropas konstant gewachsen sei. Und diese grundsätzliche Strategie werde auch unter ihm weiter verfolgt werden, so Spalt.

„Wir wollen in unserem Kernmarkt der östlichen EU-Mitgliedsländer bleiben und werden nicht in andere größere Märkte gehen.“ Damit erteilt der neue Erste-Chef in den vergangenen Jahren aufgekommenen Gedanken, dass sich die Erste nun auch eine Expansion in Richtung Westen ansehen könnte, eine Abfuhr. Lediglich eine rein digitale Expansion nach Deutschland sei mittelfristig denkbar, wenn es das dortige Marktumfeld zulasse. Vorerst sei dieser Plan jedoch aufgeschoben, so der fürs Privatkundengeschäft zuständige Vorstand und Chef der Erste Bank Österreich, Peter Bosek.

 

„Polen interessanter Markt“

Allerdings hat Spalt durchaus großes Interesse daran, in einem anderen Land Fuß zu fassen – und zwar in Polen. Das sei noch ein weißer Fleck auf der Landkarte der Erste Group. „Polen fehlt uns. Und das ist ein sehr interessanter Markt.“ Im vergangenen Herbst hat sich die Erste daher intensiv die zum Verkauf stehende Commerzbank-Tochter mBank angesehen. Schlussendlich habe man sich aus verschiedenen Gründen dazu entschieden, kein konkretes Angebot zu legen. „Das hatte aber mit dem speziellen Fall und nicht mit dem Land zu tun“, so Spalt. Man werde sich daher weiterhin jegliche Möglichkeiten zu einem Einstieg in Polen genau ansehen. Ausgeschlossen wird von dem neuen Erste-Group-Chef hingegen, dass man auf eigene Faust eine neue Bank in Polen gründet. Dafür sei der Bankenmarkt dort bereits zu breit aufgestellt.

Neben dem weiteren Wachstum gibt es allerdings noch einen zweiten Punkt auf der Liste der strategischen Prioritäten von Spalt: Digitalisierung und die damit verbundene höhere Effizienz. „Nicht nur beim direkten Kundenkontakt, sondern auch im Hintergrund – bei der Erstellung unseres Angebots – soll es künftig mehr Digitalisierung geben.“

Dadurch soll das Ziel erreicht werden, das Kosten-Ertrags-Verhältnis von derzeit 59 Prozent bis zum Jahr 2024 auf 55 Prozent zu senken. „Es müssen alle Strukturen überprüft und sämtliche Prozesse durchforstet werden“, so Spalt. Ein entsprechendes Programm, mit dem dies forciert geschehen soll, werde noch heuer starten. Es gehe hierbei aber nicht um ein „Mitarbeiter-Abbau-Programm“. Allerdings sei klar, dass es Jobs gibt, die nicht benötigt werden, sobald Tätigkeiten digitalisiert werden. „Das ist absolut klar“, sagt Spalt. Ob das schlussendlich auch zu Kündigungen führen soll, wie es sie bei Konkurrenzbanken in den vergangenen Monaten bereits gegeben hat, will Spalt heute noch nicht sagen. Nur: „Dieses Thema wird nicht mehr weggehen“, so Spalt.

 

Corona-Krise noch ungewiss

Die Auswirkungen der Corona-Krise kann man bei der Erste Group noch nicht abschätzen. „Einzelne Unternehmen und Branchen werden aufgrund von unterbrochenen Lieferketten deutliche Herausforderungen sehen. Wie nachhaltig das Ganze ist, wird man erst sehen“, so Spalt. Die Erste Group sei aber mit Unternehmen von exponierten Branchen wie dem Transportsektor in laufendem Kontakt.

Aber auch wenn die Zeiten wieder härter werden, sieht man sich bei der Erste Group gut dafür aufgestellt. Die harte Kernkapitalquote (CET1) stieg erneut und liegt nun bei 13,7 Prozent. Die Quote der notleidenden Kredite (NPL) ging indes auf 2,5 Prozent zurück – den niedrigsten Werst seit dem Börsengang im Jahr 1997. Auch in Osteuropa sind nur mehr Rumänien und Kroatien über einem Wert von drei Prozent. Und in der Bilanz sind die faulen Kredite bereits zu 77,1 Prozent mit Rückstellungen verdaut. Inklusive der Sicherheiten liege die Abdeckung sogar über 100 Prozent. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren: Die Dividende wird von 1,4 auf 1,5 Euro je Aktie angehoben. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.02.2020)