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Neues Video

Wenn Taylor Swift ein Mann wäre

(c) REUTERS (Andrew Kelly)
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In ihrem neuen Video "The Man" prangert Taylor Swift ungleiche Geschlechterverhältnisse an. Und greift dafür zu besonderen Mitteln.

Es ist das zweite veröffentlichte Video in dieser Woche, das ganz offensichtlich einen Nerv zu treffen scheint. In "Be a Lady They Said" bringt Schauspielerin und Politikerin Cynthia Nixon die oft sehr widersprüchlichen Ansprüche zur Sprache, die die Gesellschaft an Frauen in Hinsicht auf deren Verhalten und Aussehen stellt. "Sei sexy, sei heiß. Sei nicht so provokant, du forderst es ja gerade zu heraus. Oder: "Sei nicht prüde. Nicht zu willig. Lächle mehr. Hab Erfahrung im Bett. Sei unschuldig".

Nun ist es Taylor Swift, die das Thema Sexismus aufs Tapet bringt. In ihrem Video "The Man" schlüpft sie in die Rolle des Macho-Mannes und zeigt, was sie in dieser Rolle alles tun würde. Und wie die Gesellschaft darauf reagieren würde. So spielt sie zum Beispiel den autoritären Chef, der für sein Auftreten angehimmelt wird, einen Frauenhelden, der über seine letzte Eroberung prahlt und dafür gefeiert wird oder den rücksichtslosen Passagier in der U-Bahn, der breitbeinig seine Nachbarn bedrängt, sich unübersehbar in den Schritt fasst und danach ganz ungeniert an die Wand der U-Bahn-Station uriniert.

In einer anderen Szene heiratet sie als älterer Herr eine deutlich jüngere Frau, ohne dabei schief angesehen zu werden, so wie es vielleicht im umgekehrten Fall wäre. Und als Vater, der seine Tochter in den Park begleitet, wird er - ohne sich großartig um sie kümmern zu müssen - als " World’s Greatest Dad" gefeiert.

Die Botschaft ist klar: Swifts männliches Pendant wird für Selbstverständlichkeiten als Held gefeiert, für machohaftes Verhalten belohnt und muss sich in vielen Situationen wohl weniger anstrengen, als es eine Frau müsste. "Ich habe es so satt, so schnell zu rennen, wie ich kann, und mich dabei zu fragen, ob ich schneller dorthin käme", heißt es in dem Song, in dem Taylor Swift nicht nur die Hauptperson spielt, sondern auch selbst Regie führt. Zum Schluss wird sie von ihrem männlichen Ich, in der letzten Szene Darsteller eines cholerischen Tennisstars, gefragt: "War die letzte Aufnahme so wie du sie dir vorgestellt hast?" Swift antwortet aus dem Regiesessel: "Du warst ganz gut, aber kannst du beim nächsten Mal versuchen, sexyer zu sein?" Im Scherz dankt sie auf ihrem Instagram-Kanal allen Mitwirkenden, die ihr dabei geholfen hätten, "der Mann zu werden, von dem ich immer wusste, dass ich er sein könnte."

(bsch)