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Samsung Galaxy Z Flip

Falthandy: Ist das Flip ein Flop?

Galaxy UNPACKED 2020
Das Z Flip wird horizontal ins Miniformat gefaltet.(c) Getty Images for Samsung Electro (Kelly Sullivan)
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Binnen weniger Wochen folgt dem Galaxy Fold von Samsung das nächste biegsame Modell: das Galaxy Z Flip, das horizontal gefaltet wird.

Erst vor kurzem haben wir uns ausführlich dem Erstlingswerk in puncto Falthandy von Samsung gewidmet, dem Galaxy Fold. Schon ist der Nachfolger an der Reihe. Das Galaxy Z Flip hat einen gänzlich anderen Formfaktor und soll sich – zumindest zeigt das Samsungs Werbestrategie – an die weibliche Techgemeinde richten. Wobei die Männer in unserem Kurztest besonders interessiert waren. Kaum in der U-Bahn das Handy in der Hand, folgten neugierige Blicke und einige Mutige wagten auch nachzufragen. Als Flirt-Hilfe kann das Galaxy Z Flip auf jeden Fall schon mal punkten. Aber dafür ist es ja eigentlich nicht gedacht.

(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner

Innerhalb von 24 Stunden fordert Samsung das Testgerät von Medien zurück. „Die Presse“ hatte Glück und konnte das Gerät über das Wochenende testen. Beim Z Flip darf einfach nichts schiefgehen. Ob derart kurze Tests das Vertrauen steigern, darf infrage gestellt werden.

Glas oder Plastik, das ist hier die Frage. Das neueste Falthandy erinnert im Format an die guten, alten Klapphandys aus den 1990er-Jahren. Auf der glänzenden Vorderseite (sehr anfällig für Kratzer) wurde ein Minidisplay verbaut, das lediglich 1,1 Zoll groß ist und mit 112 x 300 Pixel auflöst. Dieses dient für die Uhrzeit, den Akkustand und Benachrichtigungen wie Anrufe. Witzig ist, dass man über den Power-Button die Kamera aktivieren und das Minidisplay als Sucher für Selfies verwenden kann.

(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner

Das Hauptdisplay bietet hingegen eine Bildschirmdiagonale von 6,7 Zoll mit einer Auflösung von 2636 x 1080 Pixel. Das erweist sich als vollkommen in Ordnung, aber auch nicht als herausragend. Das Display ist in einen relativ dicken Rahmen gepackt, der etwas absteht. Das ist schade, da somit die Handhabung im unteren Bereich etwas mühsam wird, aber auch notwendig, damit beim Zusammenklappen Display nicht auf Display stößt. Ein weiterer Nachteil: Es schließt nicht 100-prozentig und ist damit Einfallstor für Schmutz, womit erst recht wieder das Display der Gefahr von Beschädigungen ausgesetzt ist.

(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner

Woraus die Displayoberfläche des Z Flip besteht, darüber scheiden sich die Geister. Offiziell ist es hauchdünnes Glas, das durch eine Folie geschützt wird. Andere wiederum behaupten, dass es sich um eine Mischung aus Glas und Kunststoff handelt. Schlussendlich stellt sich die Frage, wie robust es ist. Im Test präsentierte sich die Bildschirmoberfläche weicher als in herkömmlichen Geräten, die sonst durch Cornings Gorilla Glas geschützt sind. Das Scharnier ist dadurch deutlich präsenter bei der Bedienung als beim Galaxy Fold.

(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner

Die ungewöhnliche Display-Ratio von 21,9:9 ist beim Lesen langer Texte vorteilhaft, bei Fotos entsteht hingegen viel Schwarzraum. Apropos Fotos, die verbaute Dualkamera (Weitwinkel- sowie eine Ultraweitwinkellinse) liefert ordentliche Bilder. Das Herzstück ist es aber definitiv nicht. Dafür hat Samsung seine Galaxy-S- und -Note-Serie.

Wie auch bei diesen Modellen ist der Klinkenstecker (der Anschluss für die Kopfhörer) Geschichte.(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner
(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner



Modisches Accessoire. Egal, wie klein die Handtasche, das Z Flip passt rein. Das kleine Format im zugeklappten Zustand spricht aber auch Männer an. Denn es passt auch wunderbar in die Hosentasche.

Generell wäre eine matte Version wünschenswert. Die Klavierglanzoptik ist ein einziger Schmutzmagnet. Außerdem hätte man bei einem Preis von knapp 1500 Euro nicht an der technischen Ausstattung sparen müssen, denn diese entspricht eher 2019er-Modellen. Samsung hat hier entgegen anderen Herstellern ein funktionierendes, auffälliges und buntes Falthandy auf den Markt gebracht. Dennoch stehen die Geräte erst am Anfang und ob sie tatsächlich das herkömmliche Smartphone ablösen werden, entscheiden die Kunden.

(c) Die Presse/Barbara Steinbrenner

Ob das Z Flip aber so leicht erhältlich sein wird, steht in den Sternen. Aktuell musste Samsung aufgrund des Coronavirus ein Werk schließen. Ausgerechnet in diesem sollte das Z Flip sowie auch das Galaxy Fold vom Fließband laufen. Teams sind aktuell im Einsatz um die betroffenen Werksbereiche an denen jener erkrankte Mitarbeiter gearbeitet hat, desinfiziert werden. Andere Geräte sollen nicht betroffen sein. In Gumi (Südkorea) wird nur ein kleiner Teil der Geräte hergestellt. Der Großteil wird mittlerweile in Vietnam produziert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2020)