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Interview

Sterbebegleiter Erich Lehner: „Am Ende löst man schon gar nichts mehr“

Erich Lehner: „Die Realität zu verleugnen ist eine große Anstrengung und Last.“
Erich Lehner: „Die Realität zu verleugnen ist eine große Anstrengung und Last.“(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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„Niemandem nimmt man die Hoffnung, wenn man ihm die Wahrheit sagt. Im Gegenteil“, sagt der Theologe, Psychoanalytiker und Sterbebegleiter Erich Lehner. „Denn ein Sterbender spürt, wie es um ihn steht.“ Konflikte auf den letzten Metern zu lösen sei kaum möglich, „dafür hat man ein Leben lang Zeit“. Ein Gespräch über Leugnung, Trauer und Freiheit.

Haben Sie als Sterbebegleiter viel über das Leben gelernt?

Erich Lehner: Ja, wenn man reflektiert, tut man das natürlich. Ich habe gelernt, im Hier und Jetzt zu leben. Aber natürlich muss man als Mensch auch todesverleugnend leben. Jeden Tag an den Tod zu denken ist eine Überforderung. Das sagen auch viele Sterbende. Ein Sterbender hat einmal zu mir gesagt: „Wissen Sie, wie anstrengend es ist, 24 Stunden am Tag zu sterben?“ Er meinte damit, 24 Stunden am Tag an den Tod zu denken. Er bat mich, ihm die „Kronen Zeitung“ vorzulesen und mit ihm Schmäh zu führen.

Muss man als Sterbender 24 Stunden am Tag sterben? Ablenkung ist quasi überlebensnotwendig.