Banken müssen 442 Mrd. Euro zurückzahlen

Banken muessen Euro zurueckzahlen
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Am Donnerstag läuft das Einjahresgeschäft aus, bei dem sich Ende Juni 2009 mehr als 1100 Kreditinstitute 442 Mrd. Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zum günstigen Zinssatz von 1,0 Prozent ausgeliehen haben.

Wien (höll). Am Donnerstag schlägt für die Banken in der Eurozone die Stunde der Wahrheit. Dann läuft das Einjahresgeschäft aus, bei dem sich Ende Juni 2009 mehr als 1100 Kreditinstitute 442 Mrd. Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zum günstigen Zinssatz von 1,0 Prozent ausgeliehen haben. Laut „Presse“-Informationen müssen die österreichischen Banken zehn Mrd. Euro zurückzahlen. Frankreichs Notenbankchef Christian Noyer versuchte am Dienstag, die Gemüter zu beruhigen. „Die EZB wird tun, was notwendig ist, um sicherzustellen, dass es nicht zu einem Liquiditätsengpass kommt“, sagte er.

Trotzdem sorgt der Fälligkeitstermin für Unruhe. In den vergangenen Tagen stiegen die Zinsen auf den Geldmärkten. Und mit den Kursen an den Aktienmärkten ging es gestern bergab. Noyer schloss nicht aus, dass einige Banken im Zuge der Rückzahlung Probleme bekommen.

Daher können sich die Institute bei der EZB sofort wieder neues Geld holen – allerdings nur zu einer Laufzeit von drei Monaten. Somit gilt die Nachfrage nach dem neuen Drei-Monats-Geschäft als Gradmesser für die Gesundheit der europäischen Finanzbranche. „Die Banken, die an dieser Tenderoperation teilnehmen, würden preisgeben, dass ihnen der Zugang zu den Finanzmärkten schwerfällt“, sagte UniCredit-Analyst Luca Cazzulani. Denn die Refinanzierung sei derzeit über die EZB teurer als auf dem Markt. Spanische Banken verlangten sogar eine Neuauflage des Einjahresgeschäfts.

Der Fälligkeitstermin könnte auch den Druck auf Staatsanleihen aus Griechenland, Portugal und Spanien erhöhen. Denn die Banken erhalten bei der EZB hinterlegte Sicherheiten zurück. Dazu gehören etwa Staatsanleihen. Viele Institute dürften versuchen, diese Papiere schnell loszuwerden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2010)

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