Homosexualität in 68 Ländern unter Strafe

Homosexualität kann ein rechtliches Vergehen sein – Diskriminierung gibt es aber auch im liberalen Europa.

Tränengasbomben, die gegen die Teilnehmer einer Parade geschleudert werden. Polizei, die die Sicherheit der Teilnehmer nicht garantieren kann. In Bratislava, nur 65 Kilometer von Wien entfernt, schlug der ersten Regenbogenparade der Slowakei am 22. Mai offener Hass entgegen. Zwar konnte die Demo der Schwulen und Lesben am Ende stattfinden, doch kam es zu Ausschreitungen, sogar zu Gewalt.

Die jüngsten Vorkommnisse in der slowakischen Hauptstadt zeigen auf, dass Homosexuelle in manchen Ländern immer noch mit riesigen Problemen zu kämpfen haben. Die ILGA (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association) hat in einer Studie zur rechtlichen Situation von Lesben, Schwulen und transidenten Personen, die in 50 europäischen Staaten durchgeführt wurde, festgestellt, dass die Staaten „Osteuropas“ die Schlusslichter sind, wenn es um Schutz und Gleichstellung geht: Die Ukraine, gefolgt von Russland, der Türkei, Moldawien und Weißrussland führen die negative Statistik an. Dicht dahinter der Vatikan-Staat. Polen, Zypern, Malta, Italien und Griechenland sowie Litauen bieten alles andere als eine „freundliche Atmosphäre“ für „Andersliebende“ – geschweige denn rechtliche Absicherung oder Anerkennung. In Lettland wird sogar mit Gesetzesbeschlüssen versucht, Homosexualität aus der Öffentlichkeit zu verbannen.

 

Haft oder Tod für Schwule

Außerhalb Europas sieht es noch trister aus. Während etwa in Liberia für homosexuelle Handlungen eine Geldstrafe droht, muss man im Libanon oder in Nepal sogar ein Jahr in Haft. In Turkmenistan kann man mit zwei Jahren Gefängnis rechnen – in Ägypten, Algerien, Äthiopien, Benin, Eritrea, Guinea, Marokko, Mozambique, Simbabwe, Togo, Tunesien, Oman, Syrien und Usbekistan sogar mit drei Jahren. Immerhin: Lesbische Liebe ist in Usbekistan nicht verboten.

Mit fünf Jahren Haft müssen sich Menschen mit homosexueller Neigung in Kamerun, Libyen, Malawi, Mauritius, Katar und im Senegal abfinden. In Botswana, Kuwait und Samoa sind es schon sieben Jahre. Schwulen Männern drohen in Bahrain, Grenada, St. Kitts und Nevis, Palau, Tonga, Jamaika (hier mit schwerer Zwangsarbeit) bis zu zehn Jahre Gefängnis. Zehn Jahre gibt es auch für Lesben im Sultanat Brunei, auf den Malediven, in Sri Lanka, St. Lucia, St. Vincent und auf den Grenadinen.

14 Jahre hinter Gitter kommen Homosexuelle in Gambia, Kenia, Tansania, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Sambia, auf den Salomonen, den Cookinseln, Kiribati und Papua-Neuguinea sowie Tuvalu (Letzteres nicht für Lesben). In Afghanistan stehen 15 Jahre auf homosexuelle Handlungen, 20 Jahre in Uganda – wobei die Regierungspartei weitere Verschärfungen bis zu lebenslänglicher Haft beziehungsweise Tod plant. 20 Jahre Haft gibt es sowohl für Lesben als auch für Schwule in Malaysia. Für Schwule sind in Sansibar 25 Jahre Haft angesetzt, Lesben kommen mit sieben Jahren davon. Für homosexuelle Frauen und Männer gibt es 25 Jahre Gefängnis in Trinidad und Tobago.

Insgesamt steht Homosexualität in 68 Ländern der Welt immer noch unter Strafe: in 29 afrikanischen Staaten, 22 in Asien und jeweils acht in Nord- und Mittelamerika sowie Ozeanien, eines in Südamerika. In sieben Staaten droht lebenslängliche Haft (Sierra Leone, Bangladesch, Myanmar, Singapur, Barbados und Guyana, nur Schwule auch in Pakistan). In sieben droht sogar die Todesstrafe (Steinigung bzw. 14 Jahre Haft in Nigeria (Letzteres nur Schwule), Somalia (Sharia- Gebiete), Jemen, Saudiarabien und im Iran. Ohne Ausnahme gilt die Todesstrafe in Mauretanien und im Sudan.

www.ilga-europe.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2010)