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Führungsfehler

Sei artig, bescheiden und fromm

Kolumne. Dieser „Führungsfehler“ entzündet sich an einem einzigen Satz in einer Frauenstudie. Der ist empörend.

„Frauen sind andere Dinge im Beruf wichtiger als die Bezahlung.“ Dieser Satz steht an dritter Stelle der Gründe in einer Deloitte-Studie, warum Frauen für die gleiche Arbeit weniger bezahlt bekommen. Die anderen beiden sind mangelndes Verhandlungstalent und Ausfallrisiko.

In diesem „Führungsfehler“ geht es nur um den Aspekt, dass Frauen Geld (angeblich) nicht so wichtig ist. Viel wichtiger wären ihnen „eine angenehme Firmenkultur und ein gutes Teamklima“, interpretiert Deloitte Expertin Elisa Aichinger.

Ja, eh.

Das schätzen Männer auch, es hindert sie aber nicht, zum Chef zu gehen, mehr Geld zu verlangen und es auch zu bekommen. Oder kann sich jemand vorstellen, dass ein Mann mit der Antwort „Aber geh, bei uns ist es doch so nett!“ abgespeist wird?

Übrigens: Daran erkennt man Diskriminierung. Dass ein Satz bei einer anderen Zielgruppe – hier Männern – nicht funktioniert.

Dann legt Aichinger den Finger auf ein Detail: Am meisten überzeugt von dieser Ansicht sind Personalisten, bekanntlich eine weiblich dominierte Disziplin. Hier teilt diese Meinung jeder Zweite. Für Aichinger „eine offensichtliche Zuschreibung“.

Die Hälfte der PersonalistInnen nimmt also an, dass Frauen andere Dinge wichtiger sind als Geld. Weil das dem Frauenklischee entspricht: Stell dein Interesse im Sinn der Gemeinschaft zurück. Oder mittelalterlich: Sei artig, bescheiden und fromm.

Aichinger denkt das radikal weiter: Sollten Einzelpersonen wirklich mit vorbelasteten „Gegnern" um mehr Gehalt verhandeln müssen? Sollten nicht gerade die Personalisten als Hüter der Gleichbehandlung eine faire Gehaltsstruktur bauen? So transparent, dass jede und jeder seine Einstufung selbst ablesen kann? Und sich damit die Verhandlung erspart?

Für die Frauen ohnehin kein Talent hätten, siehe ganz oben. Und damit dreht der Kreis sich munter weiter.

 

Das Management. Unendliche Möglichkeiten für Führungsfehler. Wenn Sie einen solchen loswerden wollen, schreiben Sie an: andrea.lehky@diepresse.com

Ähnlichkeiten mit realen Personen und Unternehmen sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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