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Corona-Epidemie

Sektenchef droht Anklage wegen Corona-Ausbruchs

Shincheonji-Sekte steht in Südkorea im Zentrum des rasanten Anstiegs an Neuinfektionen.

Seoul/Wien. Während der Pressekonferenz am Montag ließ sich der 88-Jährige zweimal auf die Knie fallen und entschuldigte sich vor der versammelten Menge: Der südkoreanische Sektenführer Lee Man-hee wird wesentlich für den explosionsartigen Ausbruch an Corona-Erkrankungen in dem ostasiatischen Land verantwortlich gemacht. Er habe niemals erwartet, dass so ein Ereignis eintreten könne und wolle sich daher bei den Landsleuten entschuldigen.

Ihm sowie weiteren elf Anführern der christlichen Sekte wird vorgeworfen, Richtlinien der Regierung ignoriert und gar sabotiert und so zur Ausbreitung des Virus beigetragen zu haben. 60 Prozent der bisher mehr als 4200 Infizierten sind Mitglieder der Shincheonji-Sekte, weltweit ist Südkorea – neben dem Ursprungsland China – am stärksten von Covid-19 betroffen. Die Stadtverwaltung von Seoul hat nun Ermittlungen eingeleitet und fordert die Staatsanwaltschaft auf, Mordanklage gegen hochrangige Sektenmitglieder zu erheben.

Ihnen wird vorgeworfen, sich bei Gottesdiensten gegenseitig angesteckt zu haben. Die Arbeit der Behörden sei verhindert worden, weil die Sekte sich weigerte, Tests durchzuführen sowie eine Liste der infizierten Personen herauszugeben bzw. gefälschte Informationen weiterleitete. Als „Super Spreader“ gilt eine 61-jährige Frau, die trotz Fiebers nicht nur zu Gottesdiensten ging, sondern auch anschließend auf die Straße, um zu missionieren. Auf das Konto der 61-Jährigen gehen laut jüngsten Erkenntnissen mindestens 40 Neuinfektionen.

 

Iran: Hoher Berater gestorben

In mehreren Ländern steigen die Zahlen weiter rasant: Weltweit sind derzeit fast 90.000 Infektionen und mehr als 3000 Todesfälle erfasst. Besonders hart hat es den Iran getroffen mit offiziell knapp 70 Todesopfern. Zu den Toten zählt auch ein Berater des iranischen geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Khamenei. Zudem wurden zahlreiche hohe Beamte und Vizeminister positiv getestet. Die Pressekonferenz des Außenamtssprechers lief wegen der Gefahr der Virusausbreitung am Montag zum ersten Mal über eine Videoschaltung. (zoe/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2020)