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Angespannte Lage

Auf Lesbos entsteht ein neues Flüchtlingslager

Flüchtlinge und Migranten landen auf der griechischen Insel Lesbos.
Flüchtlinge und Migranten landen auf der griechischen Insel Lesbos.REUTERS
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Im Hafen von Mytilini wurde ein Bereich mit Gittern abgegrenzt, weil das eigentlich Lager längst überfüllt ist.

Im Hafen von Mytilini, der Hauptstadt der griechischen Insel Lesbos, campen neuerdings Hunderte Flüchtlinge. Es handelt sich zum Großteil um jene rund 500 Migranten, die am Wochenende illegal von der Türkei nach Griechenland übersetzten. Sie seien von den Behörden und Hilfsorganisationen gar nicht erst ins offizielle Auffanglager Moria gefahren worden, weil es überfüllt ist, heißt es vor Ort.

Sie seien stattdessen in einen mit Gittern abgegrenzten Bereich des Hafens gebracht worden. Auch Migranten, die sich bereits auf der Insel aufhielten, zieht es an den Hafen. Sie erzählen, dass sie Gerüchte gehört hätten, wonach Schiffe vor allem Familien nach Athen bringen würden. "Die Lage auf Lesbos ist extrem angespannt", sagte Boris Cheshirkov, der für das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) auf Lesbos ist, der Deutschen Presse-Agentur.

"Eine Erstanlaufstelle, die wir im Norden der Insel errichtet hatten, ist am Wochenende von Randalierern niedergebrannt worden", sagte Cheshirkov. Auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Journalisten seien angegriffen worden. Bei den Vermummten handle es sich allem Anschein nach um Einwohner der Insel. In griechischen Medien war auch von Rechtsradikalen die Rede.

Auf Lesbos leben derzeit nach Angaben des griechischen Staates fast 20.000 Flüchtlinge und Migranten. Das Flüchtlingslager Moria, ein ehemaliges Gefängnis, hat nur eine Kapazität von 2800 Plätzen. Die übrigen Menschen campen um das Lager herum, in Unterkünften von Hilfsorganisationen und nun auch am Hafen.

Zypern rechnet mit vermehrten Ankünften

Die zypriotische Regierung befürchtet, dass Tausende Migranten aus der Türkei auf die kleine Inselrepublik kommen könnten, um auf diesem Weg in die EU zu gelangen. "Wir haben Informationen über einen Flüchtlingsstrom (aus der Türkei)", sagte Regierungssprecher Kyriakos Kousios am Dienstag im zypriotischen Staatsrundfunk (RIK).

Am Dienstag in der Früh standen rund 100 Migranten an der Trennungslinie zwischen dem türkisch besetzten Norden und dem griechisch-zyprischen Süden der Inselrepublik und sagten der Polizei, sie wollen Asyl im Süden beantragen, berichteten Reporter vor Ort.

Auch der zypriotische Präsident Nikos Anastasiades äußerte sich besorgt über die Lage auf der Mittelmeerinsel. "Mittlerweile sind 3,5 Prozent der Bevölkerung Flüchtlinge", sagte Anastasiades im Staatsfernsehen. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Migranten, die nach Zypern kamen, um insgesamt 320 Prozent gestiegen. 2019 wurden nach Polizeiangaben knapp 10.000 Migranten auf der Touristeninsel aufgegriffen. 2016 waren es 2.936, 2017 schon 4.582 und 2018 stieg die Zahl auf 7.761. Anastasiades hat bereits Hilfe von der Europäischen Union (EU) gefordert.

(APA/dpa)