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Bilanz

Andritz halbiert nach Gewinneinbruch die Dividende

Andritz-Chef Wolfgang Leitner: mit der Geschäftsentwicklung zufrieden
Andritz-Chef Wolfgang Leitner: mit der Geschäftsentwicklung zufriedenREUTERS
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Der Grazer Technologiekonzern Andritz erreicht Rekordwerte bei Umsatz und Auftragseingang, hat aber im Vorjahr wegen Restrukturierungen deutlich weniger verdient. Die Dividende wird auf 70 Cent je Aktie gekürzt.

Andritz-Chef Wolfgang Leitner legte am Mittwoch Zahlen für das Geschäftsjahr 2019 vor. Sie zeigen, dass der Grazer Technologiekonzern gut im Geschäft ist. Der Auftragseingang kletterte vor allem wegen einiger Großaufträge für neue Zellstoffwerke um 9,6 Prozent auf den neuen Rekordwert von 7,28 Milliarden Euro. Der Auftragsstand liegt mit  7,78 Milliarden Euro ebenfalls um knapp zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Neuen Rekord gab es auch beim Umsatz, der sich um 10,7 Prozent auf 6,67 Milliarden Euro erhöhte.

Die Ergebnis- und Rentabilitätsentwicklung war vor allem durch erforderliche Maßnahmen für die Restrukturierung des Bereichs Metals Forming, der im wesentlich aus dem deutschen Pressenhersteller Schuler besteht, stark rückläufig. Die anhaltende Schwäche des internationalen Automobilmarkts macht kapazitive Anpassungen notwendig, die 2020 und 2021 umgesetzt werden. Darüber hinaus wurden auch für die anderen Geschäftsbereiche Vorsorgen für kleinere kostenseitige und organisatorische Anpassungsmaßnahmen gemacht. Aufgrund der Sondereffekte verringerte sich das Ebita von 394 auf 343 Millionen Euro. Auch das Finanzergebnis sank von minus 17,4 auf minus 57 Millionen Euro. Dies sei vor allem auf erhöhte Zinsaufwendungen im Zusammenhang mit der Refinanzierung von Finanzverbindlichkeiten der 2018 gekauften Xerium zurückzuführen. Das Konzernergebnis nach Abzug von Minderheiten brach von 222 auf knapp 128 Millionen Euro ein. Die Dividende wird von 1,55 Euro auf 70 Cent je Aktie gekürzt, was einer Ausschüttungsquote von 55 Prozent entspricht.

Konzernchef Leitner ist trotz des Ergebnisrückgangs mit der Geschäftsentwicklung im Jahr 2019 zufrieden: „Drei unserer vier Geschäftsbereiche haben sich trotz des global schwierigen Konjunkturumfelds erfreulich entwickelt. Der Rekordauftragseingang bestätigt unsere gute Marktposition in den von uns bedienten Märkten. Für den vierten Geschäftsbereich Metals haben wir mit dem eingeleiteten Restrukturierungsprogramm die Grundlage für eine positive Entwicklung gelegt."

Konzernchef Leitner: „Was unsere Märkte betrifft, so ist das globale wirtschaftliche Umfeld unverändert fordernd und bedingt durch den Ausbruch von Covid-19 von hoher Unsicherheit geprägt. Wir verfolgen die Entwicklungen sehr genau und werden im Bedarfsfall rasch agieren, um uns an geänderten Marktbedingungen anzupassen."

Für heuer erwartet die 29.500 Mitarbeiter zählende Gruppe aus heutiger Sicht einen leichten Anstieg des Umsatzes und ein gegenüber 2019 unverändertes operatives Ergebnis vor außerordentlichen Effekten. Grundlage für die Ergebnisprognose ist ein im Vergleich zum Vorjahr höherer Umsatzanteil von Großprojekten im Geschäftsbereich Pulp & Paper sowie eine - bedingt durch anhaltend schwierige Situation der Automobilindustrie - unverändert moderate Ergebnisentwicklung im Bereich Metals Forming, da sich die heuer geplanten Kostenanpassungsmaßnahmen erst 2021 positiv auf das Ergebnis auswirken werden. Für Hydro und Separation wird für 2020 eine unverändert gute Rentabilitätsentwicklung erwartet.

Konzernchef Leitner: „Was unsere Märkte betrifft, so ist das globale wirtschaftliche Umfeld unverändert fordernd und bedingt durch den Ausbruch von Covid-19 von hoher Unsicherheit geprägt. Wir verfolgen die Entwicklungen sehr genau und werden im Bedarfsfall rasch agieren, um uns an geänderten Marktbedingungen anzupassen.“ Sollte sich im Jahr 2020 die globale Weltwirtschaft unerwartet stark eintrüben, sei auch mit negativen Auswirkungen auf die Geschäftsentwicklung von Andritz zu rechnen. 

Schuler tief in den roten Zahlen

Die Folgen des Strukturwandels in der Autoindustrie und hohe Zukunftsinvestitionen haben die deutsche Andritz-Tochter Schuler 2019 in die roten Zahlen gedrückt: Der Konzernverlust des Pressenherstellers belief sich auf 121,9 Millionen Euro, wie Schuler am Mittwoch am Konzernhauptsitz in Göppingen mitteilte. Im Jahr zuvor hatte noch ein Gewinn von 13,5 Millionen Euro in den Büchern gestanden.

Der Umsatz sank von 1,212 auf 1,136 Milliarden Euro. Der Auftragseingang ging von 1,255 auf 1,092 Milliarden Euro zurück. "Als Pressenbauer ist Schuler Teil der dramatischen Transformation der globalen Automobilindustrie hin zu E-Mobilität, autonomen Fahren und digitaler Vernetzung", sagte Vorstandschef Domenico Iacovelli. Mittelfristig werde das Unternehmen seine "führende Position in der Umformtechnik ausbauen und in der Folge auch wieder bessere Ergebnisse erzielen".

Die Zahl der Beschäftigten ging konzernweit auf 6276 (6574 im Vorjahr) zurück, in Deutschland auf 3962 (4195). Finanzchef Thomas Kamphausen sagte, mit spürbaren Kostenentlastungen werde ab 2021 gerechnet. Mögliche Folgen des Coronavirus für Umsatz und Ergebnis ließen sich derzeit noch nicht abschätzen.

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