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Geldpolitik

„Das zinslose Risiko gehört gemanagt“

Niedrigzinsen setzen kaum Investitionsanreize. Man kann zusehen, wie Geld auf dem Konto an Wert verliert; oder man steuert mit einer Liquiditätsplanung dagegen.

„Früher gab es einen risikolosen Zins. Heute gibt es ein zinsloses Risiko“, bringt Bankhaus-Spängler-Vorstandssprecher Werner G. Zenz die Veränderung auf dem Geldmarkt auf den Punkt. Mit ihrer eingeschlagenen Niedrigzinspolitik wollte die Europäische Zentralbank EZB günstige Kredite für Investitionen bewirken. „Doch diese Rechnung geht nicht in der gewünschten Form auf“, sagt Zenz. „Die Kreditnachfrage in Österreich ist begrenzt.“

Das zeige: Niedrige Zinsen seien kein Garant für Investitionen. Das Gegenteil sei eingetreten: „Unternehmen und Private horten Geld.“ Und sie müssen dabei zuschauen, wie das angehäufte Kapital durch die Inflation und – im schlimmsten Fall – von Banken weitergegebene Negativzinsen praktisch täglich weniger wird.

Was kann man daher für die Wertsicherung tun? „Die Niedrigzinsen sind gekommen, um zu bleiben“, ist für Banker Zenz klar. Die Negativzinsen seien im Unternehmensbereich in Österreich auch angekommen. „Daher gehört das zinslose Risiko gemanagt, um eine positive Realkomponente zu erwirtschaften.“ Er rät dabei zu einer klaren Liquiditätsplanung – mit einem Mittel- und Langfrist-Ansatz. „Der kurzfristige Anlagehorizont hält sich in Grenzen“, sagt Zenz, „da es hier nicht viele Alternativen gibt, um den Negativzinsen zu entgehen.“

Der mittelfristige Liquiditätspolster sollte Geld enthalten, das man für zwei bis vier Jahre nicht benötigt, und veranlagt werden. Hierfür könne man ETFs, aber auch Anleihen in Betracht ziehen. „Jedoch braucht dieses Thema ein eigenes Risikomonitoring“, betont Zenz.

 

Geldreserven

Bei der langfristigen Veranlagung gehe es um „die Cash-Reserven, auf die man nur im Notfall zugreift“, betont Zenz. Und hier komme man an den Aktien nicht vorbei. „In der Langfristperspektive sind Aktien Bestandteil einer unternehmerischen Investition.“ Wobei man Risikopapiere meiden sollte. Der Experte rät, sich auf Aktien zu konzentrieren, die fundamental gut bewertet sind, auf sogenannte Blue Chips und auf Papiere mit einer guten Dividendenrendite sowie auf Wachstumsbereiche zu fokussieren, in denen man bei einem Langfristhorizont das Schwankungsrisiko in Kauf nehmen kann – wie im Gesundheitsbereich, bei technologieaffinen Werten, aber auch bei Aktien aus dem Luxusgüterbereich. Wobei Zenz vor Leichtsinn warnt: „Ein Aktienportfolio muss mehr denn je betreut und gemanagt werden.“ Und: Substanzorientierte Anlagen brauchen Zeit und Verständnis, „damit man nicht zur Unzeit verkaufen muss“, betont Zenz.

Kapital für kurzfristige Verfügbarkeiten könne man natürlich auch investieren: „Aber nie in Eigen-, sondern in Substanz anderer Unternehmen“, sagt Zenz, „und nur in liquide Anlageformen, die auch kurzfristig liquidierbar sind.“

COMPLIANCE-HINWEIS:

Die Berichterstattung und der Wettbewerb „Österreichs beste Familienunternehmen“ werden von der „Presse“-Redaktion unabhängig gestaltet. Das Bankhaus Spängler, die BDO und die Österreichische Notariatskammer sind Kooperationspartner.

Redaktion: Hans Pleininger, hans.pleininger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2020)