Coronavirus

AUA streicht jeden fünften Europa-Flug

Aufgrund der schwindenden Nachfrage bleiben 14 Flugzeuge am Boden.
Aufgrund der schwindenden Nachfrage bleiben 14 Flugzeuge am Boden. APA/HELMUT FOHRINGER
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Aufgrund der schwindenden Nachfrage bleiben 14 Flugzeuge am Boden. Das werde auch den Personalbedarf „massiv beeinträchtigen“. Kurzarbeit steht im Raum. Global reagieren Weltbank und Notenbanken auf die Krise.

Wien. Die Sorge vor dem Coronavirus sorgt zurzeit weltweit für die Absage von Messen oder Kongressen. Aber auch der normale Geschäftsreiseverkehr und private Urlaubsreisen werden reihenweise storniert. Das spüren vor allem die Tourismusindustrie – und die Fluglinien. Die zur Lufthansa gehörende heimische AUA gab am Mittwochnachmittag daher bekannt, 20 Prozent ihrer Flüge im gesamten Europa-Netz zu streichen, jene nach Italien wurden schon zuvor um 40 Prozent reduziert. Flüge nach China und in den Iran sind überhaupt komplett ausgesetzt.

Vorerst gilt diese Maßnahme bis Ende März, so ein AUA-Sprecher. „Wir schließen aber nicht aus, dass weitere Maßnahmen folgen müssen.“ Unklar ist beispielsweise, ob Flüge nach Israel noch stattfinden können, nachdem das Land am Mittwoch erklärt hat, dass Rückkehrer aus Österreich zwangsweise in Quarantäne müssen beziehungsweise Österreicher vorerst nicht mehr einreisen dürfen.

Die großflächige Streichung von Flügen hat naturgemäß auch Einfluss auf den Personalbedarf bei der AUA. Schon bisher gab es das Angebot für Mitarbeiter, auf unbezahlten Urlaub zu gehen. „Nun werden weitere Personalmaßnahmen geprüft“, heißt es. Eine Möglichkeit wäre etwa die Einführung von Kurzarbeit für die AUA-Mitarbeiter.

Weltbank gibt elf Mrd. Euro

Schon in der Nacht auf Mittwoch gab die Weltbank bekannt, dass sie ein Hilfspaket im Ausmaß von zwölf Mrd. Dollar (10,8 Mrd. Euro) auflegen will, um den vom Coronavirus-Ausbruch betroffenen Ländern „schnell und effektiv“ zu helfen. Laut einer Erklärung der Weltbank kann das Geld für medizinische Ausstattung und Gesundheitsdienste eingesetzt werden. Das Hilfspaket richte sich dabei an Länder, die Hilfe bei der Weltbank erbeten hätten, sagte Weltbank-Präsident David Malpass. Welche Staaten das sind und wer nun unterstützt werden soll, erklärte Malpass jedoch nicht.

Aber auch weitere Notenbanken reagierten am Mittwoch auf die wirtschaftliche Abschwächung durch das Virus und die Quarantänemaßnahmen. So reduzierte die Währungsbehörde Hongkongs ihren Leitzins von zwei auf 1,5 Prozent. Die Zentralbank Kanadas wiederum kürzte analog zu ihrem südlichen Nachbarn USA die Zinsen um einen halben Prozentpunkt auf 1,0 bis 1,25 Prozent. Im Vorfeld wurde der Entscheid mit großer Spannung erwartet, weil Kanada ein weiteres Mitglied der sieben größten westlichen Industrienationen (G7) ist.

Die EZB wird erst kommende Woche über eine Veränderung der Zinsen entscheiden. Auf den Märkten wird damit gerechnet, dass es zu einer weiteren Lockerung kommt. Der bei null liegende Leitzins kann zwar nicht mehr weiter gesenkt werden, allerdings könnte der Zins für Übernachteinlagen von Geschäftsbanken von minus 0,5 weiter in den negativen Bereich – etwa auf minus 0,6 Prozent – gesenkt werden, erwarten Analysten.

Allerdings gibt es auch Kritik an den neuen geldpolitischen Maßnahmen – etwa von Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsminister, Bruno Le Maire. Er fordert stattdessen eine Konjunkturspritze für die Eurozone. Die Staaten sollten Geld in öffentliche Investitionen stecken. (jaz/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2020)

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