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Muslimische Jugend übt Kritik an IGGÖ

Forderungen aus Anlass des Weltfrauentags.

Wien. Kritik übte die Muslimische Jugend Österreichs (MJÖ) an der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ): Von den 15 Mitgliedern des Obersten Rates sei gerade einmal eines weiblich. „In allen weiteren Gremien müssen wir Frauen mit der Lupe suchen“, meinte Aysenur Sümer von der MJÖ Niederösterreich. „So wie in der breiten Gesellschaft gibt es auch in muslimischen Communitys dringenden, frauenpolitischen Handlungsbedarf.“

Aus Anlass des Weltfrauentags am 8. März plant die MJÖ zahlreiche Veranstaltungen: etwa die Aktion „#platzda!“, die sich mit dem für die MJÖ unzureichenden Zugang für Frauen zu Moscheen und Gebetseinrichtungen beschäftigt. Auch „Burschenarbeit“ solle geleistet werden, sagte Derai Al Nuaimi, MJÖ-Landesvorsitzender in Wien. Unter dem Motto „Echte Männer: Muslim Male Allies“ wird in der Community angeregt, Väter, Brüder und Söhne zu nominieren, die Frauen aktiv unterstützen.

 

„Frauen wollen arbeiten“

„Muslimische Frauen wollen nicht gerettet werden, sie wollen arbeiten“, meinte Sümer. Ebenso müsse ein gewaltfreies Leben ermöglicht werden. Junge Männer müssten erzogen werden, die körperliche Integrität von Frauen zu respektieren, auch tradierte Rollenbilder müssten hinterfragt werden.

Zuletzt hatte sich die MJÖ des Themas Antisemitismus angenommen und eine Studienreise in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau unternommen. Nun soll der öffentliche, sogenannte Islamdiskurs kritisch reflektiert werden und das auch wieder in der eigenen Community. Zudem wendet man sich gegen „antimuslimische Stimmungsmache“. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2020)