Weltweit müssen Airlines aufgrund geringer Nachfrage Flüge streichen. Eine erste Linie ging bereits pleite.
Wien. Bei der heimischen AUA gingen am Donnerstag die Flugstreichungen weiter. Nachdem am Mittwoch bereits jeder fünfte Europaflug aus dem Programm genommen worden ist („Die Presse“ berichtete), kamen am Donnerstag die Flüge nach Israel hinzu. Weil das Land die Einreise von Österreichern (sowie von Deutschen, Franzosen, Schweizern und Spaniern) aufgrund der Angst vor dem Coronavirus vorübergehend untersagt, streicht die AUA ab morgen, Samstag, sämtliche Flüge nach Tel Aviv bis Ende März.
Dieselben Maßnahmen gibt es auch bei der AUA-Mutter Lufthansa, die ab dem Wochenende den Flugverkehr nach Israel einstellt und ebenfalls ihren Flugplan bis zum Ende des Monats um bis zu 25 Prozent ausdünnt. In Summe bleiben bei dem Konzern (inklusive AUA und Swiss) 150 von 770 Maschinen vorerst am Boden.
Erste Streichungen in den USA
Aber auch andere Fluglinien beginnen nun, mit der Streichung von Flügen auf den Nachfrageeinbruch zu reagieren. So kündigte mit United Airlines in der Nacht auf Donnerstag auch die erste US-Fluglinie an, dass internationale Flüge ab April um 20 Prozent und nationale um zehn Prozent reduziert werden sollen. Es wird erwartet, dass in den nächsten Tagen weitere Fluglinien folgen. Flüge in besonders stark betroffene Länder wie China, Iran oder Italien wurden inzwischen bereits bei fast allen Fluglinien massiv reduziert.
Der Airline-Verband Iata erklärte am Donnerstag, dass das Coronavirus für die Fluglinien weltweit einen Umsatzausfall von 63 bis 113 Mrd. Dollar bringen könnte. Letzteres entspricht beinahe 20 Prozent des gesamten Geschäftsvolumens, das pro Jahr im Passagierverkehr erzielt wird. Ähnlich heftig war der Einbruch für die globalen Fluglinien in der Finanzkrise vor etwas mehr als zehn Jahren. Die aktuelle Schätzung zeigt auch, wie dramatisch sich die Situation entwickelt hat: Noch vor zwei Wochen ging die Iata nur von einem Rückgang von 29 Mrd. Dollar aus.
Experten erwarten, dass die aktuelle Krise vor allem in Europa eine Konsolidierungswelle bringen wird. Erste Anzeichen dafür sind bereits zu sehen: So schlitterte die größte europäische Regionalfluglinie, die britische Flybe, am Donnerstag in die Pleite. Ihr dürften weitere folgen. Besonders prekär ist dabei die Lage für die italienische Alitalia, die bereits seit Jahren rote Zahlen schreibt und für die zuletzt vergeblich ein Käufer gesucht wurde.
Doch während in China bereits massiv Staatshilfen an Fluglinien fließen, sprechen sich die Vertreter der größeren Airlines in Europa dagegen aus. Laut ihnen ist die Konsolidierung notwendig. (jaz)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2020)