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Marktbericht

Fatale Spirale

Die Kaufpreise für gewerblich gewidmete Grundstücke in City-Nähe ziehen weiter an (Symbolbild).
Die Kaufpreise für gewerblich gewidmete Grundstücke in City-Nähe ziehen weiter an (Symbolbild).(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die verstärkte Nachfrage nach Wohnraum setzt auch die Preise für Logistik- und Gewerbeimmobilien unter Druck.

Die Kaufpreise für gewerblich gewidmete Grundstücke in City-Nähe ziehen weiter an. Das geht aus einem aktuellen Marktbericht für Logistik- und Industrieimmobilien von Otto Immobilien hervor. Derzeit werden – je nach Lage und Größe – zwischen 200 und 350 Euro pro Quadratmeter verlangt. Als Hintergrund werden der steigende Bedarf an Logistikimmobilien durch den Onlinehandel und der Hunger nach neuem Wohnraum genannt: „Viele Wohnbauträger kaufen verstärkt auch gewerblich gewidmete Grundstücke in der Erwartung einer Umwidmung auf Wohnnutzung“, berichtet Tina Steindl, Teamleiterin Industrie, Gewerbe, Logistik bei Otto Immobilien. In der Folge würden langjährig ansässige Klein- und Mittelbetriebe an den Stadtrand und ins Wiener Umland verdrängt, da sie sich die höheren Preise nicht mehr leisten können. Auch die immer strikteren Behördenauflagen machten ihnen das Leben schwer. „Eine Lösung wäre die verstärkte Entwicklung von zentrumsnahen Logistik- und Gewerbeparks sowie Gewerbehofkonzepte, wie sie sich international bereits vielfach bewährt haben“, meint die Expertin.

Bestandserhebung Wien und Umland

Für den Marktbericht wurde gemeinsam mit dem Vienna Research Forum (VRF) erstmals der gesamte Bestand an Logistik-, Produktions- und Industrieflächen in Wien und Umgebung dokumentiert. Dieser beträgt demnach mehr als 3,3 Mio. Quadratmeter, wobei 47 Prozent auf Logistik- und 53 Prozent auf Produktions- und Industrieflächen entfallen. Die höchsten Qualitätsstandards, sogenannte Logistik-Klasse-A-Objekte, erfüllen 43 Prozent der klassifizierten Flächen, 36 Prozent sind als Klasse B und 21 Prozent als Klasse C qualifiziert.

Die Nettomieten bewegen sich derzeit qualitäts- und lagebedingt in einer großen Bandbreite zwischen 3,5 und 6,5 Euro pro Quadratmeter. Laut Martin Denner, Leiter Immobilien Research bei Otto Immobilien, liegen sie damit im europäischen Vergleich „im unteren Mittelfeld, nur knapp hinter München und Frankfurt mit sieben Euro sowie Barcelona mit 6,8 Euro pro Quadratmeter“. Aufgrund steigender Grundstücks- und Baukosten sowie der Errichtung neuer Logistikzentren rechnet er mit einem leichten Anstieg der durchschnittlichen Mietpreise. Ein Mangel an Interessenten bestünde derzeit jedenfalls nicht, betont der Experte: „Neue, zeitgemäße Logistikimmobilien in guten Lagen mit Flächen über 2500 Quadratmeter werden auch künftig kaum Leerstände aufweisen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2020)