Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Premium
Ausstellungspremiere

Die Kunsthalle fühlt sich wieder

Hier das Wandbild von Victoria Lomasko, die in der oberen Kunsthalle den russischen Underground-Communities ein Denkmal in der von ihnen selbst benutzten stilistischen Sprache (Graphic Novel) setzt: „Under Water“, 2020.
Hier das Wandbild von Victoria Lomasko, die in der oberen Kunsthalle den russischen Underground-Communities ein Denkmal in der von ihnen selbst benutzten stilistischen Sprache (Graphic Novel) setzt: „Under Water“, 2020.(c) Jorit Aust
  • Drucken

Das neue linke Direktorinnen-Kollektiv WHW überrascht mit ihrer ersten, die ganze Institution füllenden Schau – sie ist voll neuer, poetischer, sinnlicher Kunst.

Gleich zu Beginn liegt es einem schon zu Füßen, das Brot, das im Titel der ersten Ausstellung des neuen Direktoren-Kollektivs der Wiener Kunsthalle die Reihe der Glücksversprechungen anführt, die wie aus der Zeit gefallen wirken: „. . . von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden“. Brotlaib um Brotlaib folgt man also der am Boden ausgelegten Spur des 2016 verstorbenen Zagreber Konzeptkünstlers Mladen Stilinović. Aus der Installation „For Marie Antoinette '68“, die Stilinović 2008 in seiner Heimatstadt auf einem Biertisch aufgebaut hat, haben die Kuratorinnen-Direktorinnen WHW – stehend für „What, How & for Whom“ – eine fast märchenhafte Hänsel-und-Gretel-Spur gelegt, von Zagreb, auch ihrer Heimat, in ihr neues Reich. Auf den Brotlaiben wurden Punschkrapferl, Sachertortenstücke und Pflastersteine platziert, Sinnbild der Abgehobenheit von Führungs-Eliten, aus der Gewalt folgte, und folgt.

Das Spiel mit Zeiten und veränderten Sehnsüchten eines „guten Lebens“, so WHW, ist eine Möglichkeit, sich durch diese erstaunliche Eröffnungsschau zu bewegen. Hat man sich als Anfangsstatement des linken WHW-Kollektivs eher eine ideologische Kampfausstellung erwartet, steht man plötzlich in einer überraschend sinnlichen, poetischen, sehr schön inszenierten Schau mit nur einigen lässlichen Hardliner-Positionen.
Das fängt mit dem Titel an, der einem Essay des libanesischen Autors Bilal Khbeiz entlehnt ist. 2003 beschrieb er mit Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden die Träume des in Aufruhr befindlichen globalen Südens, während er die Träume der „entwickelten Gesellschaften“ im Westen in der Science-Fiction verortete. In den seither vergangenen fast 20 Jahren aber haben diese Begriffe teils ihren Zauber verloren, werden teils eher mit Negativem assoziiert, scheinen kraftlos angesichts einer nicht enden wollenden medialen Flut an globalen Krisen.