Keine Entwarnung: EZB pumpt 111 Mrd. Euro in Markt

ARCHIV - Die Euro-Skulptur ist am 2. September 2009 vor dem Gebaeude der Europaeischen Zentralbank in
ARCHIV - Die Euro-Skulptur ist am 2. September 2009 vor dem Gebaeude der Europaeischen Zentralbank in(c) AP (Michael Probst)
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Europas Banken müssen 442 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Doch die EZB muss helfen: Mehr Geldhäuser als erwartet greifen nun auf Kredite mit sechs Tagen Laufzeit zu.

Die Europäische Zentralbank EZB hilft den europäischen Banken bei der Rückzahlung von 442 Milliarden Euro. Die EZB hat bei einem sechs Tage laufenden Überbrückungstender 111,237 Milliarden Euro in das Bankensystem der Euro-Zone gepumpt. An der Refinanzierungsoperation beteiligten sich am Donnerstag 78 Banken, wie die EZB in Frankfurt mitteilte. Nach Aussage von Geldhändlern ist die Summe etwas höher als an den Märkten erwartet.

Dem Tender kommt besondere Bedeutung zu, da die Kreditinstitute der Notenbank ebenfalls am Donnerstag 442 Milliarden Euro aus einem ausgelaufenen Zwölf-Monatstender zurückzahlen müssen - der größte Liquiditäts-Aderlass des Finanzsystems seit Einführung des Euro. Mit der Aktion gelang es Notenbank, den fälligen Abzug der Milliarden vom Geldmarkt schonend abzuwickeln. Die zuvor angestiegenen Geldmarktsätze bröckelten wieder etwas ab. Händler erwarten in den kommenden Tagen und Wochen eine Normalisierung des Marktzinses in Richtung Leitzins.

Bereits am Mittwoch wurde bekannt, dass sich die Geschäftsbanken des Euroraums bei einem Tender mit drei Monaten Laufzeit 131,93 Milliarden Euro bei der EZB geliehen haben.

"Sind noch nicht aus dem Gröbsten raus"

Viele Banken sind von dem EZB-Programm abhängig. Sie können sich am Geldmarkt nur noch zu sehr teuren Sätzen refinanzieren können. Das Problem: Die Banken misstrauen sich und parken ihr Geld lieber bei der EZB, berichtet die "Financial Times Deutschland" (FTD). "Wir sind noch nicht aus dem Gröbsten raus", warnt daher Florian Esterer, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Swisscanto Asset Management der Zeitung zufolge: "Die spanischen Sparkassen, die griechischen Banken und die deutschen Landesbanken haben Schwierigkeiten, sich kurzfristig zu refinanzieren. Deshalb hilft die EZB."

Nach Angaben der Zeitung wurden zuletzt 309 Milliarden Euro über Nacht zu einem Einlagenzinssatz von 0,25 Prozent bei der EZB gebunkert. Vor der Krise waren es gerade einmal 10 Milliarden Euro.

EZB hat so viele Kredite ausstehen wie noch nie

Und ein weiterer Faktor deutet darauf hin, dass von einer Beruhigung am Bankenmarkt noch nicht gesprochen werden kann. Die EZB hat laut "FTD" so viele Kredite an Europas Banken ausstehen wie nie zuvor. Das Volumen belief sich am Donnerstag auf 910,4 Milliarden Euro - um 31 Milliarden Euro mehr als am Mittwoch. Damit wurde erstmals die 900-Mrd.-Euro-Grenze überschritten.

(Ag.)

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