Gastkommentar

Warum wir auch heute noch für Frauenrechte kämpfen müssen

Eine Frau demonstriert am Frauentag in Paris.
Eine Frau demonstriert am Frauentag in Paris. PASCAL ROSSIGNOL
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Heute ist ein Tag, um dankbar auf die bisherigen Erfolge der Frauenrechtsbewegung zu blicken. Doch jedes Jahr müssen wir uns am 8. März auch eingestehen, dass wir noch weit entfernt davon sind, Gleichberechtigung zu leben.

Heute ist Internationaler Frauentag. Vor 45 Jahren haben die Vereinten Nationen den 8. März zum Weltfrauentag ernannt, doch die Initiative, Frauenrechten einen eigenen Tag zu widmen, entstand bereits im Kampf um das Frauenwahlrecht Anfang des 20. Jahrhunderts. Seit dem hat sich vieles getan und doch fällt es vielen Menschen immer noch schwer, sich als Feministen zu bekennen. Unsere derzeitige Frauenministerin miteingeschlossen! Bis in die höchsten politischen Ämter unserer Republik hält sich das Vorurteil der zornigen, ja männerhassenden Feministin. Dabei würde eine einfache Suchanfrage genügen, um auf die Definition des Wortes Feminismus zu stoßen: „Feminismus ist ein Oberbegriff für gesellschaftliche, politische und akademische Strömungen, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung aller Menschen jeglichen Geschlechts eintreten“. Das, Frau Ministerin, lehnen Sie also ab?

Es stimmt, dass sich vieles getan hat, seitdem 1918 endlich auch Frauen in Österreich ihr Recht auf demokratische Mitbestimmung erhalten haben. Gut ein Jahrhundert später wurde sogar die erste Bundeskanzlerin der Republik angelobt. Wer hätte das gedacht? Trotzdem: Demokratisch gewählt wurde Dr. Brigitte Bierlein nicht. Und auch wenn Christine Lagarde zur Präsidentin der EZB  ernannt wurde, sitzt sie in Meetings unter 19 Nationalbankgouverneuren – als einzige Frau.

Darauf könnte man mit einem „es gibt eben wenige qualifizierte Frauen“ kontern. Oder aber man wirft einen Blick in die Statistik. Denn dann lässt sich schlecht leugnen, dass junge Frauen im Schnitt besser gebildet sind als ihre männlichen Kollegen. Und dass wir in Österreich bei der Lohnschere zugleich weiterhin unter dem EU-Durchschnitt liegen. 

Warum wir auch noch heute für Frauenrechte kämpfen müssen? Es mag sein, dass rechtlich Gleichberechtigung herrscht, sexistische Gesetzesstellen umgeschrieben oder zumindest neu ausgelegt wurden. Doch in der Lebensrealität der allermeisten Frauen ist Sexismus weiterhin präsent. Eine Frau hat hübsch zu lächeln. Nimmt sie Positionen ein, spricht sie öffentlich über Sachthemen – als Journalistin oder Politikerin – hat sie mit Hate Speech zu rechnen. Auf ihre Arbeit wird mit Vergewaltigungswünschen und Morddrohungen reagiert. Ist das etwa normal?

Zugleich werden immer mehr, immer unrealistischere Schönheitsideale durch Soziale Medien an junge Mädchen herangetragen. Und während älteren Männern durchaus Arbeitserfolg und Lebenserfahrung zugesprochen wird, gibt es für Frauen noch immer zu wenig Bilder vom positiven Altern. Wie kann das sein?

Weibliche Doppelbelastung

Zwar gibt es nun den Papa-Monat, doch das Phänomen der weiblichen Doppelbelastung bleibt. Leistbare Kindergartenplätze gibt es am Land wenige. Und die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird weiterhin nur Frauen gestellt. Mütterdiskriminierung am Arbeitsplatz ist ganz offensichtlich ein großes Problem! Wo bleibt hier der gesellschaftliche Aufschrei?

Heute ist ein Tag, um dankbar auf die bisherigen Erfolge der Frauenrechtsbewegung zu blicken. Doch jedes Jahr müssen wir uns am 8. März auch eingestehen, dass wir noch weit entfernt davon sind, Gleichberechtigung zu leben. Der Internationale Frauentag soll ein Weckruf sein, um Sexismus im Alltag mutiger zu begegnen und sich endlich – im wahrsten Sinne des Wortes - als Feminist zu bekennen. Und dazu, Frau Ministerin, lade ich auch Sie ein!

Die Autorin

Elodie Arpa, 20, ist Studentin für Wirtschaftsrecht an der WU Wien und Ambassador to Austria des European Student Think Tank, Young Multiplier der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments, Sprecherin beim Gedenktag des Parlaments gegen Gewalt und Rassismus und im Gedenken der NS-Opfer.

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