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Debatte

Über "Paniksehnsucht" und "Denkfehler": Zwölf Leser, zwölf Meinungen zum Coronavirus

In den vergangenen Wochen wurde viel über den Coronavirus und seine Auswirkungen auf unsere Gesellschaft diskutiert. Wir präsentieren eine Auswahl an Leserbriefen.

Es wird langsam absurd. Alle Politiker, besonders die Gesundheitsminister, müssen so tun, als könnten sie uns vor dem Virus retten, dabei ist das nach jeglicher Logik nicht (mehr) möglich. Lange Inkubationszeiten und Infektionen ohne Symptome machen die Eingrenzung und Nichtübertragung faktisch unmöglich. Ist auch egal, Covid-19 ist nicht die Pest und auch nicht Cholera, es ist so gefährlich wie die echte Grippe. An dieser sterben auch jedes Jahr Menschen, und kaum jemanden regt das auf.
Die Hysterie treibt seltsame Blüten, z. B. sind Mundschutzmasken ausverkauft. Diese schützen aber nicht den Träger, sondern andere Personen, die mit diesen in Kontakt kommen. Ausverkauft sind ebenfalls Desinfektionsmittel, dabei reicht Seife zum Händewaschen völlig aus. Hirn einschalten wäre gefragt. Wir werden halt künftig mit dem Coronavirus leben müssen, soll doch der Menschheit nichts Schlimmeres passieren.
Josef Kreilmeier, MA, 4020 Linz

Während in Österreich die Medien und die Regierung uns das Coronavirus als eher harmlos erklären, kaum vorbeugende Maßnahmen setzten, wie man sich das bei einer Pandemie erwarten würde, sperren die Israelis ihre Grenzen für Österreicher und andere Nationen, wo das Virus bereits Menschen infiziert hat oder sogar für den Tod derer verantwortlich ist. Und eigene Landsleute, die nach Israel zurückkehren, müssen 14 Tage in Quarantäne! Ich jedenfalls glaube, dass die Israeli den richtigeren Weg gehen, um ihre Landsleute zu schützen.
Hannes Loos, Purkersdorf

Sie wollen im Zusammenhang mit dem Coronavirus keine Panik erzeugen und tun es trotzdem - die Printmedien, die seitenlang über das Thema ineffizient schwadronieren, besonders aber der ORF, der immer wieder ganze Nachrichtenformate und Sondersendungen damit füllt. Es wird beinahe insinuiert, dass jede Person, die mit dem Virus infiziert ist, auch des Todes ist. Bitte kommt alle wieder auf den Boden der Verhältnismäßigkeit (auch mit dem "normalen" Grippevirus) zurück!
DI Manfred Zeller, 2531 Gaaden

Sobald klar sein sollte, dass die weitere Verbreitung des Virus nicht mehr gestoppt werden kann (und einige ExpertInnen gehen ja jetzt schon davon aus, dass das so ist), wird mit dem Corona-Virus so umgegangen werden wie mit den jährlichen Grippe-Wellen.

Erstaunlich, dass es bisher nicht gelungen ist, den Medien und der Bevölkerung klar zu machen, worum es bei der Bekämpfung des Virus geht: Es gibt einen weltweit zwischen den Gesundheitsbehörden abgestimmten Plan, wie beim Auftauchen einer NEUEN Virusart vorzugehen ist. Dieser Plan hat das Ziel, das Virus wieder zum Verschwinden zu bringen - einfach weil es besser wäre, nicht noch ein weiteres Virus zu haben, das überregional schwerere Erkrankungen auslösen kann. Solange die Chance besteht, das Virus in den Griff zu bekommen, werden daher die schärfsten Maßnahme ergriffen (Quarantänen, Ausgehverbote, Grenzschießungen, Absage von Massenveranstaltungen, etc.).
Dass so massiv reagiert wird, bedeutet daher NICHT, dass das neue Virus besonders oder gar extrem gefährlich wäre! Sobald klar sein sollte, dass die weitere Verbreitung des Virus nicht mehr gestoppt werden kann (und einige ExpertInnen gehen ja jetzt schon davon aus, dass das so ist), wird mit dem Corona-Virus so umgegangen werden wie mit den jährlichen Grippe-Wellen. Vergleichsweise unaufgeregt wird zu erhöhter Hygiene aufgerufen werden und das war es dann. Wie bei jeder Grippewelle wird es auch bei Corona-Ansteckungen in Österreich ein- bis zweitausend Todesfälle geben. Damit leben wir schon seit Jahrzehnten.
Derzeit kann man zusätzlich tatsächlich das Pech haben, von einer der Isolierungs-Maßnahmen getroffen zu werden, wenn man zufällig in Gebäuden oder in Regionen war oder ist, in dem sich auch Personen mit Corona-Verdacht oder Diagnose aufgehalten haben oder aufhalten. Das wäre unangenehm, aber auch kein Grund zur Panik!
Walfried Zeilinger, 1160 Wien

Aus mir bisher bekannten Beiträgen zu diesem Thema gewinne ich den Eindruck, dass alle  - einschließlich WHO - einem Denkfehler unteliegen könnten: sie schließen aus der bekannten Influenza auf den Sars-CoV-2. Die beiden unterscheiden sich aber in einem wesenlichen Punkt : Sars-CoV-2 ist generaliter nur für ältere Personen gefährlich  (dazu gehöre auch ich mit 82 Jahren). Und so alle im Wesentlichen nach dem alten Influenza-Prozedere vor.
Mein Ansatz daher: von schweren Krankheitsverläufen ungefährdete, arbeitsfähige (produktive, gebrauchte) Menschen, die nach einigen Krankheitstagen wieder im Arbeitsprozess verfügbar sind, wären nicht zu isolieren und so der Allgemeinheit zu entziehen, sondern die - sagen wir über 70-Jährigen - unter eine Art Quarantäne zu stellen. Sie müssten mit täglich Benötigtem und medizinisch zu Hause versorgt werden. Das kostet natürlich. Aber auf der Habenseite stünden: viel weniger Coronatote, frei werdende Kapazitäten und Aufwendungen in den Spitälern und ein panikloser Umgang mit einer "Grippe".
Mit wirtschaflichen und gesellschaftlichen Folgen einer Grippeepedemie haben wir schließlich gelernt umzugehen.                                          Ing. Ernst Reindl

All das kann zu einem gefährlichen Dominoeffekt führen. Letztendlich werden wir alle die Auswirkungen dieser "Viruskrise" in noch nicht absehbarer Weise zu spüren bekommen.

Das Coronavirus hat die Schwachstellen unseres Weltwirtschaftssystems offengelegt und deutlich gemacht, wohin die Abhängigkeit von Produkten aus China führen kann. Nämlich dann, wenn sich ganze Wirtschaftszweige darauf verlassen, dass alle Zulieferungen für ihre Produktion punktgenau in Europa eintreffen und kostspielige Zwischenlagerung nicht mehr nötig ist. Die Container der Importwaren, die nun verspätet eintreffen, werden auch anschließend wieder für den Warenexport benötigt, wodurch dieser ebenfalls ins Stocken gerät. Dazu kommt, dass der Tourismus, selbst in derzeit nicht vom Virus betroffenen Ländern oder Regionen, drastisch zurückgeht oder zusammenbricht, weil die Menschen verunsichert sind und sich abwartend verhalten. Davon sind wieder alle vom Tourismus abhängigen Branchen betroffen. All das kann zu einem gefährlichen Dominoeffekt führen.
Letztendlich werden wir alle die Auswirkungen dieser "Viruskrise" in noch nicht absehbarer Weise zu spüren bekommen. Es stellt sich die Frage, wie weit die Verflechtungen der Weltwirtschaft sinnvoll sind, wenn das Wohl der Menschheit bei einem Virusausbruch von einzelnen Ländern abhängig ist, weil nur dort die weltweit benötigten Medikamente erzeugt werden.
Ing. Erich Pichler, 3001 Mauerbach

Anna Goldenberg ist zuzustimmen, dass das Coronavirus als allgegenwärtiges Thema in allen Medien - auch in der "Presse" - nervt. Derartige Panikmache hilft niemandem, zumal die z. T. widersprüchlichen Meldungen sich auf bloße Vermutungen stützen und Prognosen zum weiteren Verlauf der Krankheit mangels konkreter Erfahrungen nicht möglich sind.
Allerdings führt sich Goldenberg mit ihrem "lustigen" Törööo! wie der Elefant im Porzellanladen auf; denn das Coronavirus ist ja kein harmloser Tourist, der spielend sämtliche Grenzen überwindet und damit alle (ärgerlichen?) Kontrollsysteme außer Kraft setzt. Nicht erwähnt bleibt von ihr die mittlerweile beachtliche Zahl von Todesopfern. Das scheint Goldenberg offensichtlich vernachlässigbar - vielleicht weil es sich bei den Betroffenen hauptsächlich um alte Menschen handelt? Sie wären wohl auch ohne Corona bald gestorben?
Diese Haltung zeugt m. E. von einer großen Portion Zynismus, der mir zu diesem Thema völlig unangebracht erscheint.
Dagmar Hampel, 1130 Wien

Weite Teile der Bevölkerung scheinen sich komplett vom gesunden Menschenverstand verabschiedet zu haben

Angesichts der laufenden Berichterstattung zum Coronavirus in Verbindung mit der völlig unverständlichen, weil sachlich nicht begründeten Panik in weiten Teilen der Bevölkerung muss einem langsam angst und bang werden. Offenbar trifft das Ganze auf eine intrinsische "Paniksehnsucht" in weiten Teilen der Bevölkerung und der Politik. Anders sind die gänzlich übertriebenen und partiell sogar lächerlichen Verhaltensweisen nicht zu erklären.
Wegen einiger - absolut gesehen immer noch weniger - Verdachtsfälle oder nachgewiesenen Erkrankten werden ganze Landstriche von der Außenwelt abgeriegelt, Veranstaltungen abgesagt und das öffentliche Leben lahmgelegt. Weite Teile der Bevölkerung scheinen sich komplett vom gesunden Menschenverstand verabschiedet zu haben, tätigen Hamsterkäufe, tragen Schutzmasken und beschäftigen sich genüsslich auch noch mit dem unwahrscheinlichsten Risiko mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit im Promillebereich.
Ähnlich wie bei der ebenfalls aus dem Ruder gelaufenen Klimadebatte scheint auch hier ein sachlicher, faktenbasierter Diskurs nicht mehr möglich. Unter einem drohenden Weltuntergang oder der bevorstehenden Ausrottung der Menschheit machen wir es offenbar nicht mehr. Die interessante Frage wird sein, was wir machen, wenn es einmal wirklich ein ernstes Problem gibt. 
Dkfm. Rainer Dieck, 2384 Breitenfurt

Zu einem "entspannten Zurücklehnen" tragen vor allem jene verantwortungslosen Journalisten nicht bei, die sensationslüstern jeden neuen Fall zur Frage über zusätzliche Schutzmaßnahmen aufbauschen. Beim Öffnen des Browsers poppt die Meldung einer Tageszeitung über ausgerufenen Katastrophenalarm auf, um dann im Bericht auszuführen, dass die Behörden betonen, es handelte sich nur um ein App-Update und keinen Katastrophenalarm. Und im ORF erfahren wir regelmäßig in Eigenwerbespots über geplante Sondersendungen über die Ausbreitung des Virus in Österreich.
Aber auch sachliche Widersprüche tragen nicht zur Beruhigung der Lage bei. So stellt etwa die Virologin Redlberger-Fritz in einem Interview fest, dass eine Infektion erst kurz vor Symptombeginn nachweisbar ist und dies auch der Zeitpunkt sei, ab dem die Betroffenen ansteckend sind. Das steht in Widerspruch zu den Berichten über die Durchführung von Tests bei allen Kontaktpersonen eines Erkrankten (die dann sinnlos sind, wenn keine Symptomatik vorliegt) als auch zu früheren Aussagen über die Möglichkeit von Ansteckungen im symptomfreien Bereich des Krankheitsverlaufs. Machen wir sinnlose Tests zur Massenberuhigung? Was ist der korrekte Wissensstand?
DI Helmut Biely, 3400 Weidling

Wen wundert es, dass Italien vom Coronavirus besonders stark getroffen ist?

Kein anderes Land ist so stark betroffen wie Italien, heißt es. Anscheinend hat "Die Presse" ihren eigenen Artikel vom 5. 4. 2014   "Chinesische Sklavenarbeit in der Toskana" von Susanna Bastaroli schon vergessen. Darin ist zu lesen: Tausende chinesische Fabriken produzieren in der italienischen Kleinstadt Prato illegal Billigkleider für ganz Europa. Gearbeitet wird rund um die Uhr - unter oft lebensgefährlichen Bedingungen.
Und weiter: Geschätzte 30.000 Chinesen sollen sich inzwischen im rund 187.000-Einwohner-Städtchen aufhalten, nicht einmal die Hälfte davon sind gemeldet. Dafür sind rund 4800 chinesische Firmen bei der Handelskammer registriert, etwa 17 Prozent aller Unternehmen in Prato wären demnach chinesisch. Wie viele es wirklich gibt, weiß niemand.
Wen wundert es also, dass Italien vom Coronavirus besonders stark getroffen ist? Man weiß nicht einmal, wie viele Chinesen dort illegal leben, geschweige denn, wie viele nur von den im Untergrund lebenden Chinesen schon und wie lang infiziert sind und wen sie angesteckt haben könnten...
Peter Erblich, 1130 Wien

 Es könnte sich ja aus der Corona-Krise auch etwas Positives entwickeln: Vielleicht kommt es zu einer gesunden Weiterentwicklung des Zeitgeistes, z.B. einem breiten Nachdenken darüber, ob wir in Europa die in China unter hoher Umweltbelastung – deshalb und nicht nur wegen geringerer Arbeitskosten haben wir das ja ausgelagert!! – hergestellten und mit riesigen Schiffen unter hoher Umweltbelastung transportierten Wirkstoffe für die Pharmaindustrie wirklich brauchen?
Diese Lieferkrise könnte auch den Impuls für eine stärkere Zuwendung zur Naturmedizin – kommt ja auch vielfach aus China - und eine gewisse Zurückhaltung bei der notgedrungen Chemiekeulen schwingenden Ärzteschaft bewirken, zumindest bei den heimischen Volksseuchen Fettleibigkeit, Diabetes und Bluthochdruck. Wäre eine nützliche Veranstaltung, die Corona-Hysterie in einen breit getragenen Willen zum Widerstand gegen die nicht importierten Leiden umzuwandeln. Jeder soll vor seiner eigenen Tür kehren.
Schön wär`s! Bis dorthin kämpfen wir halt mit Angst und Hamsterkäufen von Schokoladen, Keksen, Fleischkonserven, Dauerwurst, Tiefkühlfertigkost, Mineralwasser in Plastikflaschen, Dauermilch etc.
Dr. Günter Lukas, 2511 Pfaffstätten

Die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus helfen auch gegen den Klimawandel. Warum aber werden wir nur bei dem einen aktiv?

Großveranstaltungen werden abgesagt, Flugzeuge bleiben am Boden, Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen, selbst die Industrie fährt die Produktion zurück. Diese Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus helfen auch gegen den Klimawandel. Warum aber werden wir nur bei dem einen aktiv? Ist es wirklich, weil das Virus uns direkt bedroht, während der Klimawandel bloß für unsere Kinder und Kindeskinder gefährlich wird?
Rudolf Danninger, 4293 Gutau