Schnellauswahl
Coronavirus

Bei Anlegern schrillen die Alarmsirenen

REUTERS
  • Drucken

Die Coronavirus-Epidemie schürt laut Umfrage die Furcht vor einer globalen Rezession. Italien und Frankreich fordern ein EU-Maßnahmenpaket.

Die Coronavirus-Epidemie schürt laut Umfrage die Furcht vor einer globalen Rezession. Die Investment-Beratungsfirma Sentix meldete am Montag einen bisher beispiellosen Einbruch ihres Barometers innerhalb eines Monats in allen Weltregionen. Der globale Konjunktur-Gesamtindex fiel im März von plus 8,1 Zählern auf minus 12 Punkte zurück.

Nie zuvor sei ein so starker synchronisierter Einbruch der Welt-Konjunktur in den Sentix-Daten messbar gewesen, so Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. "Damit reiht sich der aktuelle Einbruch in eine unrühmliche Kette: Lehman (2008), Fukushima (2011) und die Öl-Kreditkrise (2016)", erklärte Sentix.

In der Eurozone brach der Konjunkturindex um 22,3 Punkte ein. Dabei überraschte laut Sentix insbesondere der Fall der Erwartungswerte auf den tiefsten Wert seit August 2012: "Denn das heißt nichts anderes, als dass sich die Anleger auf eine lange Schwächeperiode der Konjunktur einstellen", sagte der Sentix-Geschäftsführer. Die Anleger forderten "dringend" ein Signal der Europäischen Zentralbank (EZB), die am Donnerstag wieder regulär über die Leitzinsen entscheidet.

Auch in Deutschland, das erheblich vom Welthandel und der Konjunktur in Asien abhängig ist, zeigten sich die Anleger tief verunsichert. Der Gesamtindex gab auf minus 16,9 Zähler von plus 4,5 Punkten nach. Sentix erklärte dazu, das Coronavirus sei zwar auch in Deutschland angekommen, aber die Verbreitung könne bisher wirksam verlangsamt werden: "Langsam bedeutet aber auch, dass die dämpfenden Konjunktureffekte längere Zeit auf die Wirtschaft einwirken, welche ohnehin durch Autokrise und Klimadiskussion unter Druck steht." Ein Rezession gelte jetzt als sicher.

Italien und Frankreich fordern EU-Maßnahmenpaket

Die italienische Regierung ruft die Europäische Union dazu auf, ein Maßnahmenpaket zur Bekämpfung der Folgen der Coronavirus-Epidemie aufzulegen. Dies müsse in Abstimmung mit der gesamten internationalen Gemeinschaft geschehen, erklärt das Wirtschaftsministerium in Rom.

Ministerpräsident Giuseppe Conte kündigt zugleich eine weitere Steigerung der Staatsausgaben als "massive Schocktherapie" zur Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie an.

Europa braucht auch nach den Worten des französischen Finanzministers Bruno Le Maire einen "gewaltigen" Plan zur Ankurbelung der Konjunktur, um mit den Folgen der Coronavirus-Epidemie fertig zu werden. Über den Umfang werde er am 16. März mit seinen europäischen Kollegen sprechen, sagt Le Maire dem Radiosender France Inter.

Er fügt hinzu, wegen der Epidemie könne das Wirtschaftswachstum in Frankreich dieses Jahr unter 1 Prozent fallen statt der bisher geschätzten 1,3 Prozent.

Wifo wartet auf neue Daten

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus hätten sich bisher noch nicht sichtbar in den Kennzahlen niedergeschlagen. Weltweit stabilisierten sich die Konjunkturindikatoren nach einem schwachen vierten Quartal zum Jahresbeginn sogar etwas, so die Ökonomen des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Die jüngsten Entwicklungen im Zuge der Corona-Epidemie würden jedoch demnächst sichtbar werden.

"In den Umfragewerten im März wird man viel sehen", sagte Wifo-Ökonom Stefan Ederer am Montag zur APA. Im Februar seien die Einkaufsmanagerindizes noch überwiegend positiv ausgefallen. Diese werden allerdings zum Monatsbeginn erhoben und Anfang Februar seien die Auswirkungen des Virus in dieser Form noch nicht absehbar gewesen. Darüber hinaus seien für Februar noch einige harte Indikatoren wie Produktionszahlen ausständig.

Wie stark sich die Coronavirus-Auswirkungen in der heimischen Konjunktur niederschlagen werden, sei noch nicht genau abschätzbar. Beim Wifo sei man derzeit dabei, neue Berechnungen anzustellen, diese werden aber noch ein bis zwei Wochen dauern. Da sich die Lage außerdem jeden Tag ändere, sei eine Prognose nicht einfach, so Ederer. Absehbar sei jedoch, dass es die heimische Tourismusbranche wohl am härtesten treffen dürfte. Hier wurden in den vergangenen Wochen schon Konsequenzen gezogen. So haben die Austrian Airlines am vergangenen Freitag Kurzarbeit angekündigt, auch bei Reisebüros werde von der Wirtschaftskammer Kurzarbeit vorbereitet.

Auch im Handel werde man bald die ersten Auswirkungen sehen, sagte der Wifo-Ökonom weiter. Ob es hier negative oder positive Auswirkungen gebe, sei aber nicht sicher, da Probleme bei den Lieferketten einem möglicherweise zunehmenden privaten Konsum aufgrund von Hamsterkäufen gegenüberstehen könnten.

Im Jänner und Februar waren jedenfalls noch kaum Auswirkungen des Coronavirus auf die heimische Wirtschaft sichtbar. Der Wifo-Konjunkturtest habe sogar eine leichte Aufhellung der Stimmung bei österreichischen Unternehmen ergeben und in der Sachgütererzeugung seinen die Einschätzungen erstmals wieder überwiegend optimistisch gewesen, so das Institut. Auch der Arbeitsmarkt habe sich weiter gut entwickelt, die Zahl der unselbstständig Beschäftigten ist im Februar laut vorläufigen Zahlen um 41.000 Personen höher gewesen als im Vorjahresmonat.

Ölpreis um 30 Prozent gefallen

An den Finanzmärkten sorgt der Coronavirus bereits seit Wochen für Turbulenzen. Am Montag haben sich diese noch einmal verschärft. So ist der Ölpreis in der Nacht auf Montag um etwa 30 Prozent eingebrochen, nachdem sich das Ölkartell OPEC und die mit ihm kooperierenden Staaten nicht auf neue Kürzungen der Rohölförderung über das Monatsende hinaus einigen konnten. Als Reaktion auf die wirtschaftlichen Folgen des neuen Coronavirus hatte die OPEC zuvor eine Verschärfung des derzeit geltenden Förderlimits gefordert. An den Aktienmärkten kam es daraufhin zum Wochenstart zu massiven Kursverlusten in Asien und Europa.

Ob der niedrigere Ölpreis auch an den Tankstellen ankommen wird, könne man noch nicht einschätzen. Dies sei vor allem davon abhängig, wie rasch die Ölpreise wieder von ihrem derzeitigen Tief zurückkommen, sagte Ederer. Zudem spüre man Rückgänge immer nur zeitverzögert. Sollte der Ölpreis jedoch für länger Zeit auf einem tieferem Niveau bleiben, könne man auf niedrigere Treibstoffpreise hoffen. Aktuell notierten die Ölpreise auf dem tiefsten Stand seit Anfang 2016.

(APA/Reuters)