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Coronavirus: Sind Schulschließungen der richtige Weg?

Italien steckt tief in der Coronavirus-Krise, jetzt setzt auch Österreich zahlreiche Maßnahmen, um die Lage unter Kontrolle zu halten. Gehen sie weit genug? Wie lässt sich die Ausbreitung eindämmen? Diskutieren Sie mit!

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Zuerst wurde ganz Italien zur Sperrzone erklärt, am Dienstag verkündete die österreichische Regierung zahlreiche Maßnahmen. Die Einreise aus Italien wird verboten, Veranstaltungen werden abgesagt, Universitäten geschlossen, auch Oberstufenschüler sollen ab Montag daheim bleiben, wie am Mittwoch bekannt wurde. Ab Mittwoch wird auch der Unterricht für alle anderen Schüler (bis 14) eingestellt, es wird aber für diese die Möglichkeit der Betreuung in den Schulen geben.

"Wir müssen für ein paar Monate wahrscheinlich unsere Lebenskultur verändern“, sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

Hat die Regierung bisher alles richtig gemacht? Das fragt sich auch Innenpolitik-Ressortleiter Oliver Pink. Im aktuellen Leitartikel schreibt er: „Sie hat auf eine ungewohnte Situation jedenfalls strategisch adäquat reagiert." Köksal Bataci mutmaßte vor wenigen Tagen über „die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus der Coronavirus-Krise“, nämlich jene, „wie verletzlich wir auf so vielen Ebenen sind.“ Denn auch wenn in Österreich bisher wenig passiert sei: Perfekt auf die Bedrohung reagiert habe die Regierung nicht.

Es geht allerdings viel schlimmer, wenn es nach Ian Buruma geht, der unter anderem Donald Trump scharf kritisiert. Der Autor warnt in einem Gastkommentar in der „Presse" davor, Krisen zu benutzen, um Hass zu schüren, denn das „könnte tödliche Folgen haben“. Er meint: „Das Verhalten einiger Politiker war, gelinde gesagt, bestürzend“. Der österreichische Professor Hans Bachmann fragt sich angesichts des Virus: „Wer hat Interesse an einer dauerhaften Angstkultur?“ Er meint in einem Gasbeitrag: „Die politischen Eliten profitieren dreifach von Covid-19."

In Italien richten unterdessen Ärzte dramatische Appelle an die Bevölkerung. Wie es gerade in den Kliniken zugehe, könne sich keiner vorstellen: „Bleibt zu Hause, bleibt zu Hause, bleibt zu Hause“,fordern zwei Mediziner, die aus dem Epizentrum der Krise berichten. Lob für die Italiener gibt es von „Presse"-Redakteurin Susanna Bastaroli: „Die allermeisten Italiener erdulden die drakonischen Schritte ihres Staates mit einer bisher bewundernswerten Geduld“, schreibt sie in einem Kommentar.

Über den Umgang mit dem Virus wird auch im „Presse"-Forum viel diskutiert. „Die Leute rotzen und husten ungeniert herum, keiner hat Mundschutz und die Leute quetschen sich in Lokale was nicht notwendig wäre“, kritisiert etwa User „osterkorn“ im „Presse"-Forum. Und während die einen komplette und wochenlange Schulschließungen hierzulande fordern, verweisen andere auf die zahlreichen Influenza-Toten: „Wegen Influenza wurde keine Schule, oder Universität geschlossen“, schreibt User „goldmann“. Auch zahlreiche Leserbriefe erreichten uns in den vergangenen Tagen, hier gibt es eine Auswahl.

Anmerkung: Dieser Diskussionsatikel wurde am 11. März aktualisiert, nachdem Schulschließungen bekannt gegeben wurden.

(sk)

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