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Coronavirus

Kleiner Erfolg im lombardischen Codogno: Erstmals keine neue Coronainfektion

Codogno. Die Quarantäne ist aufgehoben.
Codogno. Die Quarantäne ist aufgehoben.(c) imago images/Independent Photo Agency Int. (Laura Gozzini via www.imago-images.de)
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Der Ort, in dem Italiens erste Infektionsfälle gemeldet worden sind, kann etwas durchatmen. Die Quarantäne scheint zu wirken. Die gesamte Lobardei befürchtet allerdings einen Kollaps des Gesundheitssystems.

Trotz zunehmender Infektionszahlen hat die Lombardei einen Erfolg zu verbuchen. Am Dienstag wurden erstmals keine neuen Coronavirus-Infektionsfälle in der lombardischen Ortschaft Codogno registriert. Hier war am 21. Februar der erste Infektionsfall gemeldet worden.

"Wir sind über dieses Resultat besonders glücklich. Wir sind verantwortungsvoll unter zweiwöchiger Quarantäne gestanden und jetzt sieht man die Resultate, die wir uns erhofft haben. Wenn wir uns geschlossen an die Regierungsvorschriften halten, werden wir diese Krise in ein paar Wochen überwunden haben", sagte der Bürgermeister von Codogno, Francesco Passerini, nach Medienangaben.

Der "Patient 0", der erste am Coronavirus infizierte Italiener, wurde am Montag nach 18 Tagen aus der Intensivstation des Krankenhauses der lombardischen Stadt Pavia entlassen und atmet selbstständig. Er war mit seiner im achten Monat schwangeren Frau ins Spital eingeliefert worden, die inzwischen genesen ist.

Virus kam nicht aus China

Auch ein Freund, mit dem der nur mit dem Vorname Mattia bekannte "Patient 0" Fußball spielte, mehrere Stammgäste eines Lokals, das der Familie des Freundes gehört, sowie Ärzte und Patienten des Krankenhauses von Codogno hatten sich bei ihm angesteckt. Wer das Virus eingeschleppt hat, ist weiter unklar. Die ganze Gemeinde Codogno musste wie andere neun Kommunen der lombardischen Provinz Lodi unter Quarantäne gestellt werden, die erst am Sonntag aufgehoben wurde. Inzwischen wurde ganz Italien zur Sperrzone erklärt.

Zwei Ärzte berichten

Zwei Ärzte aus der norditalienischen Stadt Bergamo richten dramatische Appelle an die Bevölkerung. Sie sagen: „Keiner kann sich vorstellen, was gegenwärtig in den Krankenhäusern geschieht.“

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Derweil stellten Wissenschaftler fest, dass die Coronavirus-Epidemie in Italien nicht direkt mit China verbunden ist. Laut einer Studie von Italiens Oberstem Gesundheitsinstitut ISS hatten die ersten, in Codogno infizierten Patienten keine Kontakte zu China. Ein Rätsel bleibt daher weiterhin, wie sich das Coronavirus in der Lombardei und in Venetien entwickelt haben könnte.

Die Zahl der Coronavirus-Toten in Italien steigt trotz rigider Quarantänemaßnahmen rasant: 631 Todesopfer wurden am Dienstag in Italien gemeldet, das sind 168 mehr als am Vortag. Die Zahl der Infizierten kletterte auf 8.514, am Vortag waren es noch 7.985. 1.004 Patienten sind inzwischen genesen.

Lombardei warnt vor Kollaps des Gesundheitssystems

Die Lombardei warnt nun erneut vor einem baldigen Zusammenbruch des Gesundheitssystems, sollten die Zahl der neuen Infektionen nicht bald sinken.

466 Patienten liegen in der Lombardei auf der Intensivstation, das sind 26 mehr als am Vortag. "Die Krankenhäuser der Provinzen Bergamo und Cremona sind am Rande ihrer Kapazitäten. Wir denken, Betten auch auf Messegeländen und in Hotels aufzustellen", erklärte der Gesundheitsbeauftragte der Lombardei Giulio Gallera. Patienten sollen in Krankenhäuser der Nachbarregionen untergebracht werden.

Seit Anfang dieser Woche sei eine stärkere Bereitschaft in der Bevölkerung zu spüren, eine aktive Rolle im Einsatz gegen die Epidemie zu spielen. Gallera wiederholte seinen Appell an die Bürger, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, um sich und Angehörige keinen Gefahren auszusetzen.

Drei Todesfälle wurden indes in Friaul Julisch Venetien gemeldet. Die Zahl der Infizierten kletterte auf 89. Gegen die Ausbreitung der Infektion denkt die Region an die Schließung aller Geschäfte und Lokale.

(APA/red.)